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Zwischen Boulevard und vierter Gewalt

60 Jahre "Bild"-Zeitung

Angela Merkel mit Bild-Zeitung (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Merkels Vorgänger sagte einst: Zum Regieren brauche man nur "Bild", "Bild am Sonntag" und die Glotze.
Schon komisch: Fast zwölf Millionen Menschen lesen täglich die "Bild"-Zeitung. Aber kaum jemand gibt das offen zu. Weil sie in der Berichterstattung auch schon mal übers Ziel hinausschießt. Und das seit 60 Jahren.
 

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22.06.2012, 12:00 Uhr
Audio: Warum Hessen die Bildzeitung kaufen 44 Sek
(© hr1, 22.06.2012)
Politiker, Sportler, Schauspieler – kein Promi, der sich nicht schon in der "Bild"-Zeitung wiedergefunden hat. Sie werden mit halbseitigen Schlagzeilen in den Himmel gehoben, oder über Wochen fertig gemacht. Unlängst hat Ex-Bundespräsident Christian Wulff erfahren, was es heißt, sich mit der "Bild"-Zeitung anzulegen. Aus einem Bericht über seine Privatkredit-Affäre wurde nach einem übereilten Droh-Anruf bei Chefredakteur Kai Diekmann schnell ein Affront gegen die Pressefreiheit. Was die "Bild"-Zeitung angestoßen hatte, griffen andere Medien auf. Die Presseschlacht um Christian Wulff war eröffnet. Kurze Zeit später musste er zurücktreten.
 

60 Jahre Bild in Bildern 

 
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Reibungsfläche der Nation

Am 24. Juni 1952 erschien die erste Auflage der "Bild"-Zeitung – mit 455.000 Exemplaren. Heute werden rund 2,7 Millionen Exemplare täglich verkauft. Keine andere Zeitung in Deutschland erreicht mehr Menschen – keine andere Zeitung ist umstrittener. Schon Nobelpreisträger Heinrich Böll kritisierte in den 70ern das Blatt mit seinem Werk "Die verlorene Ehre der Katharina Blum". Auch Günter Wallraff schoss kurze Zeit später gegen das Blatt: Nach drei Monaten als Redakteur in der "Bild"-Redaktion warf er in seinem Buch "Der Aufmacher" der Zeitung schwere journalistische Versäumnisse und unsaubere Recherchemethoden vor.
 

Neid und Protest

Für Schlagzeilen wie "Wir sind Papst!" blicken andere Medienmacher heute neidisch auf die Redaktion in Berlin, aber die Giftpfeile gegen die "Pleite-Griechen" stoßen nicht nur in Athen auf Protest. Bei den Beschwerden vor dem Deutschen Presserat steht "Bild" an der Spitze. Dennoch: Inzwischen schreiben für das Blatt die Feministin Alice Schwarzer und Ernst Elitz, einst Intendant des Deutschlandradios. Die Zeitung gehört zu den meistzitierten Medien.
 

Auflagenschwund

Doch wie alle Printmedien hat auch "Bild" mit dem Auflagenschwund zu kämpfen. Noch vor zehn Jahren verkaufte die Zeitung vier Millionen Exemplare täglich. Doch die Mediennutzung hat sich verändert, Leser wandern ins Internet ab, wo bild.de mit täglich 12 Millionen Einzelnutzern das stärkste Nachrichtenportal betreibt. Der Medienkonzern Springer, in dem neben "Bild" unter anderem auch "Die Welt" und die "Berliner Morgenpost" erscheinen, erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro. Ein Drittel des operativen Ergebnisses werde bereits digital erzielt, so die Blattmacher in Berlin.
 

Wussten Sie, dass...

... die erste "Bild"-Ausgabe einen Umfang von vier Seiten hatte?

... inzwischen auch die Titel "Auto Bild", "Sport Bild", "Computer Bild", "Bild am Sonntag", und "Bild der Frau" zur "Bild"-Gruppe gehören?

... "Bild.de" 1996 online ging?

... die "Bild" heute in 33 Bundes-, Regional- und Stadtausgaben erscheint?

... das Blatt in 36 Länder geliefert und auch an Urlaubsorten wie auf den Balearen, den Kanarischen Inseln und in Italien gedruckt wird?

... sich die "Bild" zur größten Boulevardzeitung Europas entwickelte? Dieser Titel wird ihr inzwischen von der britischen "Sun" streitig gemacht.

... die Auflage der "Bild" in den 80ern die Fünf-Millionen-Marke überstieg? Im Jahr 2001 lag sie bei 4,36 Millionen Exemplaren, seitdem sinkt sie kontinuierlich.
 

60 Jahre "Bild"-Zeitung - unser Thema am 22. Juni in hr1.

 
Redaktion: ruwa
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 22.06.2012, 10:21 Uhr
 
 

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