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 (Bild: Residenz Verlag)

Litauen zu Gast auf der Leipziger Buchmesse

Lesetipps aus der hr2-Redaktion

Mit der Unabhängigkeit entwickelten die Literaten und Intellektuellen von Litauen wieder neue, eigene Ausdrucksmöglichkeiten. Dabei gilt das Litauische, eine der wenigen überlebenden indogermanischen Altsprachen, seit jeher als eine Sprache mit besonderer poetischer Kraft. Das Buchmesse-Gastland hat literarisch einiges zu bieten.
 

Tomas Venclova: "Der magnetische Norden. Gespräche mit Ellen Hinsey"

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 (Bild: Suhrkamp Verlag)

Der magnetische Norden: Gespräche mit Ellen Hinsey

Erinnerungen
Übersetzung: Claudia Sinnig
Suhrkamp Verlag
652 Seiten
36 €
Als Kind erlebte Tomas Venclova die Okkupation seiner Heimat – erst durch die Sowjets, dann durch die Nazis. Sein Hunger nach Welt war unstillbar: Er ging nach Leningrad, lernte Sprachen, befasste sich mit der modernen Poesie und geriet als Übersetzer und Dichter früh ins Visier des KGB. 1976 gehörte er zu den Mitbegründern der litauischen Helsinki-Gruppe für Menschenrechte.

Während eines Aufenthaltes in den USA wurde ihm 1977 die sowjetische Staatsbürgerschaft entzogen. Er lehrte bis 2012 an der Yale University und lebt seit 1990 auf zwei Kontinenten – ein Emigrant, der am unabhängigen Litauen zu viel auszusetzen hatte, um in sein Heimatland zurückzukehren, und sein Exil als »Glücksfall« empfand. In Gesprächen mit seiner Dichterkollegin und Übersetzerin Ellen Hinsey rekapituliert er sein Leben und lässt das 20. Jahrhundert wiederauferstehen: Ob es um Freundschaften geht oder um Fragen der Poesie, ob er über die Politik der Großmächte oder über die verwickelte Geschichte Mittelosteuropas spricht.

Fazit: Venclovas Klugheit und Selbstironie geben dieser großen europäischen Erzählung von Entwurzelung und Heimatlosigkeit etwas heiter Gelassenes.

 

Alvydas Šlepikas: "Der Regengott und andere Erzählungen"

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 (Bild: Mitteldeutscher Verlag)

Alvydas Šlepikas: "Der Regengott und andere Erzählungen"

Aus dem Litauischen von Markus Roduner Miteldeutscher Verlag
192 Seiten
14,95 €

Die neun Erzählungen des litauischen Meistererzählers Alvydas Šlepikas entführen in ein Dorf irgendwo in der litauischen »Provinz«. Mit viel Einfühlungsvermögen und Liebe zum Detail erzählt der Autor aus den verschiedenen Perspektiven seiner Helden in authentischer Weise leicht surrealistisch wirkende Geschichten, die zu fesseln vermögen.

Fazit: Unversehens wird der Leser von dieser nicht ganz alltäglichen Alltagswelt »eingesogen«, der er nur schwerlich wieder entrinnen kann.
 

Undinė Radzevičiūtė: "Fische und Drachen"

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 (Bild: Residenz Verlag)

Undinė Radzevičiūtė: "Fische und Drachen"

Aus dem Litauischen von Cornelius Hell
Residenz Verlag
400 Seiten
24 €
Drei Frauengenerationen teilen eine Altstadtwohnung mitten in Chinatown: Großmutter Amigorena, Mama Nora, Autorin erotischer Kriminalromane, sowie deren erwachsene Töchter Miki und Schascha. Täglich tragen sie auf engstem Raum mit rasantem Witz ihre absurden Wortgefechte aus. Auch Schascha schreibt, allerdings über den geheimnisvollen Jesuiten und Maler Giuseppe Castiglione, der 1715 1766 am Hof des Kaisers von China lebte, doch statt diesen zu missionieren, immer tiefer in die chinesische Kultur und ihre Rätsel eintauchte.

Fazit: Ein umwerfend komischer Roman über zwei Kulturen, die sich anziehen und bekämpfen, verehren und missverstehen, über eine Faszination, der Schascha genauso erliegt wie Jahrhunderte vor ihr der Jesuit Castiglione.
 

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Redaktion: ksch
Letzte Aktualisierung: 24.03.2017, 16:00 Uhr
 
 

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