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 (Bild: Jerusalem Quartet)
Das Jerusalem Quartet ist bekannt für seine packenden Interpretationen.

CD-Tipp

Unvorhersehbar, überspannt, geschärft

Kennen Sie das? Ein packendes Buch, ein spannender Film – einmal angefangen, kann man nicht mehr aufhören, selbst, wenn’s dabei ungemütlich zugeht.
Und bei guter Musik?
 

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9.01.2017, 6:45 Uhr
Ist das genauso.
Das Jerusalem Quartet steht seit eh und je für packende Interpretationen, und mit ihrem aktuellen Album liefern die vier Musiker jetzt genau solch ein Erlebnis ab: Streichquartette von Béla Bartók. Drei von sechs sind beim Label harmonia mundi erschienen. Adelheid Kleine stellt Ihnen die CD vor.

Soviel gleich vorneweg: Mit Béla Bartóks Streichquartetten geht es ans Eingemachte. Für die Musiker, den Komponisten, und nicht zuletzt für den Zuhörer. Denn aufreibend und unbequem sind sie, aber einmal angefangen, kann man sich dem Ganzen kaum noch entziehen.

Wegmarken eines Menschenlebens
Die sechs Quartette sind DER Quartettzyklus der Moderne. Stilistisch und emotional von einer Wucht, wie sie die Gattung bis dahin nur selten erlebt hatte. Zwischen der Entstehung des ersten Quartetts um 1909 und der Vollendung des Sechsten im Jahr 1939, mitten im Ausbruch des 2. Weltkriegs, liegen drei Jahrzehnte Abenteuer mit Tonalität und Rhythmus, Experimente mit Elementen der ungarischen Folklore und: Wegmarken eines Menschenlebens.
 
 (Bild: Harmonia Mundi)

Information

Bartók String Quartets Nos. 2,4 & 6

Interpret : Jerusalem Quartet
Label: harmonia mundi
Labelcode (LC): 7045
Bestell-Nummer: HMC 902235

Jedes der Bartók-Quartette hat sein ganz eigenes, ausgeprägtes Wesen. Das Zweite z.B., entstanden während des 1. Weltkriegs, ist ein Spiegelbild tiefer Verunsicherung. Globale Krisen, noch dazu persönliche und berufliche Probleme – da ist es vorbei ist es mit den Illusionen der Jugend. Ernüchterung spricht aus der Musik. Und das vierte Quartett aus dem Jahr 1928 ist dagegen das Werk eines selbstbewussten Mittvierzigers, der souverän uralte Traditionen mit experimenteller Avantgarde kombiniert.

Bartoks neue Spieltechniken
Pizzicati, scheppernde Saiten, Obertöne, Glissandi, Spiel mit Dämpfer, am Steg des Instruments oder mit dem Holz des Bogens – in seinen Quartetten experimentiert Bartók mit damals völlig neuen Spieltechniken. Was er zuvor am Klavier erprobt hatte, erweiterte er auf den Klang des Streichquartetts, und später dann, auch im großen Maßstab: In Gestalt von Bühnen - und Orchesterkompositionen.

Bartóks Notentext in klingende Erlebnisse zu verwandeln, das stellt selbst die versiertesten Ensembles vor immense Herausforderungen. Ein ganzes Jahr lang hat das Jerusalem Quartet mit seinem Bartók-Projekt in Konzertzyklen die unvergleichliche Klangsprache der Quartette verinnerlicht– eine ganz eigene Ästhetik, schonungslos, ohne Rücksicht auf Verluste.
 

Fazit

Mit ihrem Album ziehen die vier "Jerusalems" neue Saiten auf. Ihre Bartók-Quartette sind ein echtes Abenteuer, wie für das Ensemble geschrieben. Unvorhersehbar, überspannt und geschärft und doch mit lyrischen Momenten und sogar tänzerischer Leichtigkeit.

Von Adelheid Kleine
 

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Redaktion: clpr
Letzte Aktualisierung: 6.01.2017, 16:14 Uhr
 
 

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