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16.05.2017

CD-Tipp

Selten und wertvoll: Sokolov in Höchstform

 (Bild: Deutsche Grammophon/Klaus Rudolph)
Tritt selten auf, geht niemals ins Aufnahmestudio: Grigory Sokolov
Der russische Pianist Grigory Sokolov hat Kultstatus. Einen Klavierabend mit ihm zu erleben ist ein unvergessliches Konzertereignis. Wer aber den Viruosen auf dem Plattenmarkt sucht, wird enttäuscht. Denn er meidet das Aufnahmestudio und von den Live-Auftritten gibt es wenige Mitschnitte.
 
Kein Wunder also, dass sich seine Fans auf jede Neuerscheinung stürzen. Sokolovs Plattenlabel Deutsche Grammophon hat den Meister bekniet, zwei Live-Mitschnitte zu autorisieren. Mit Erfolg. Mozart und Rachmaninow Konzerte spielt Sokolov in Aufnahmen aus den Jahren 2005 und 1995. Dazu gibt es noch einen Film auf DVD. Meinolf Bunsmann hat sich beides angehört und angesehen.
 
Der langsame Satz seines A-Dur Klavierkonzert KV 488 ist eine der tiefgründigsten Musiken, die Mozart komponiert hat. Was für ein Glück, dass gerade dieses Konzert jetzt mit Grigory Sokolov auf CD erscheint. Er spielt mit dem Mahler Chamber Orchestra unter Trevor Pinnock, ein Mitschnitt aus dem Mozarteum Salzburg vom Januar 2005.

In Sokolovs Konzerten steht Mozart regelmäßig auf dem Programm. Mit Akribie und Hingabe übt Sokolov, bis jede Note perfekt sitzt. Vor jedem Auftritt lernt er den Konzertflügel und die Saalakustik in stundenlangem Probespiel genau kennen. Diese Perfektion hat ihren Preis und wie jede Medaille zwei Seiten. Während der legendäre Glenn Gould nur noch im Aufnahmestudio tüftelte, meidet Sokolov diesen Ort: Sokolov ist ein Live-Künstler. Und tritt seit einigen Jahren leider nur noch solo auf. Weil für einen Perfektionisten wie ihn die Probenzeit mit Orchestern zu knapp bemessen ist. Schade, sehr schade! Denn das Ergebnis klingt fantastisch. Die Spielfreude, die Leichtigkeit im letzten Satz des Mozart Klavierkonzerts! Sokolov und das Mahler Chamber Orchestra sind ideale Partner.
 
 (Bild: hr)
"Rach 3", wie es die Profis nennen, hat es in sich. Vor 22 Jahren hat Sokolov das dritte Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow in der Royal Albert Hall gespielt, mit dem BBC Philharmonic Ochestra unter Yan Pascal Tortelier. Tausende von Zuhörern warteten im ersten Satz gebannt auf den Moment, in dem Sokolov die Solokadenz spielt. Das Notenpapier sieht schwarz aus, Rachmaninow verlangt fast Unmögliches vom Solisten. Hätte er Sokolov gekannt, er wäre begeistert gewesen!

Bei Sokolovs leidenschaftlichem und zupackendem Spiel gerät der Flügel in der Royal Albert Hall leider an seine Grenzen. Er verstimmt sich im Lauf des Stücks zusehends, nein "zuhörends" mehr. Was bei Orchesterinstrumenten gang und gäbe ist, das Nachstimmen während eines Konzerts, das ist bei Flügeln leider nicht auf die Schnelle machbar. Auf diese Weise klingt der Steinway dann leider etwas nach "Honky Tonk".
 

Information

 (Bild: Deutsche Grammophon)

Sokolov
Mozart Rachmaninov Concertos (CD)
"A Conversation that never was" (DVD)

Grigory Sokolov
Mahler Chamber Orchestra – Trevor Pinncock (Mozart)
BBC Philharmonic – Yan Pascal Tortelier (Rachmaninov)
Deutsche Grammophon 479 7015
LC 0173
Ein paar verstimmte Töne. Ein paar Flüchtigkeitsfehler - was soll's? Die Energie, die das BBC Philharmonic Orchestra und Sokolov in Rachmaninows drittem Klavierkonzert vermitteln, lässt einen bis zum Ende mitfiebern.

Weniger überzeugend finde ich die DVD als Zugabe zur CD. Ein Film der russischen Regisseurin Nadia Zhadanova, "A conversation that never was", ein Gespräch, das nie stattfand. Und das ist es leider auch. Das historische Filmmaterial und die Interviews mit Zeitzeugen sind zwar interessant. Ansonsten wird aber über Sokolov geredet statt mit ihm. Auch einige Gedichte seiner verstorbenen Frau Inna tragen eher zum Geheimnis Sokolov bei als es zu lüften.

Vielleicht ist der presse- und menschenscheue Sokolov ja gerade deshalb so faszinierend. Er teilt mit seinen Fans nur das, was er am besten kann: Klavier spielen. Ich wäre damals gerne dabei gewesen in der Royal Albert Hall, hätte begeistert mitapplaudiert und gerufen: Bravissimo!!!
 

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Redaktion: aha
Bilder: © hr (1), © Deutsche Grammophon/Klaus Rudolph (1)
Letzte Aktualisierung: 17.05.2017, 11:17 Uhr
 
 

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