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18.05.2017

CD-Tipp

Die rankende Schönheit des Claudio M.

 (Bild: Ensemble Clematis)
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Ensemble Clematis
Vor 450 Jahren wurde Claudio Monteverdi geboren - was wäre die Musikgeschichte ohne ihn? Meilensteine der Musikgeschichte hat er geschaffen, etwa seine Oper L'Orfeo und die Marienvesper. Jetzt ist eine neue CD mit Musik von ihm erschienen, gespielt vom dem belgischen Ensemble Clematis.
 
Susanne Pütz hat die CD gehört. Es steht zwar Claudio Monteverdi drauf, aber auch Salomone Rossi. Was sagt uns dieser der Name?
 
Salomone Rossi war ein Zeitgenosse Monteverdis. Er war Geiger und Sänger, kam Ende des 16. Jahrhunderts an den Hof von Mantua, an dem auch Monteverdi war. Dort schaute Rossi zum Meister auf, bewunderte ihn, fing durch ihn animiert an zu komponieren, schrieb Madrigale sowie eine Sammlung geistlicher Musik auf Hebräisch. Claudio Monteverdi und Salomone Rossi waren also Kollegen an einem Hof, an dem sich der Herzog von Mantua Musik einiges kosten ließ. Es ging ums Prestige, wer was auf sich hielt, der musste es auch zeigen - das war auch schon vor 450 Jahren so.

Also gab es prunkvolle Siegesfeiern, Opernaufführungen und die tägliche Tafel. Und für alles brauchte man Musik. Wer was auf sich hielt, hatte eine eigene Kapelle und vor allem auch Sänger dafür - und Komponisten, die dafür die richtige Musik liefern mussten. Und Hofmusikermeister wie Monteverdi haben Musik jedweder Art geschrieben, daraunter auch viel Instrumentalmusik und nicht nur Madrigale oder Arien.
 

Information

 (Bild: Ensemble Clematis)

Claudio Monteverdi, Salomone Rossi
Balli & Sonate

Ensemble Clematis
Label Ricercar (LC RIC377)
Die neue CD blickt auf diese Zeit vor etwa 450 Jahren zurück, vor allem auf die Instrumentalmusik dieser Zeit und ihre Komponisten. Auch andere sind dabei, Biagio Marini oder Gasparo Zanetti. Allesamt Komponisten, von denen wir eher weniger wissen, die aber eben auch diese Zeit repräsentieren.

Von Monteverdi selbst hören wir hier vor allem Zwischensätze zwischen Rezitativen und Arien. Man erlebt, wie bewusst Monteverdi diese reinen Instrumentalstücke verwendet: Sie untermauern, was gerade geschieht, wofür Worte manchmal nicht mehr ausreichen. Sei es in puncto Liebe oder auch Leid.
 
 (Bild: Booklet / Ashomlean Museum, University of Oxford)
Monteverdi oder nicht?
Einen Renaissance-Gambisten aus Cremona zeigt das Bild auf jeden Fall.
Monteverdi wusste genau, was gut funktioniert, was auch rein technisch umsetzbar ist, wohl auch, weil er selbst hervorragend Gambe spielte. Ein Instrument, das typisch für die Renaissance war, das es in verschiedenen Größe gab und nicht am Kinn, sondern auf den Knien gespielt wurde, als Viola "da gamba". Als 1590 Monteverdi an den Hof von Mantua kommt, schwärmt man von seinem edlen Gambenspiel.

Das Spiel des Ensembles Clematis berührt. Das klingt pathetisch, aber es trifft. Denn das sehr transparente Ensemble - gerade mal sieben Streicher, dazu Saiteninstrumente wie Theorbe, Laute und Cembalo, erzeugt zarteste Klänge - und wenn es richtig loslegt, hat das ungeheuer viel Energie.
 
Auf diese Weise treffen die Musiker genau immer den jeweiligen Charakter, mal wehmütig, mal tänzerisch. Man kann sich in dieser historisch authentischen Besetzung vor allem eine höfische Klangwelt gut vorstellen. Und das ist auch das besondere in Bezug auf Monteverdi, von dem man vor allem Madrigale für mehrere Stimmen oder seine geistliche Chorwerke kennt. Hier taucht man in die Klangwelt an einem herzoglichen Hof ein, in opulente Festen, in kleine Abendgesellschaften. Das alles ist wunderbar stilsicher gespielt und zum 450 Geburtstag von Monteverdi eine gute Gelegenheit, sich diese musikalische Seite genauer anzuschauen.

Wie entsteht solch eine CD? Hier ist das "Making Of":

 

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Redaktion: aha
Bilder: © Ensemble Clematis (1), © Booklet / Ashomlean Museum, University of Oxford (1)
Letzte Aktualisierung: 19.05.2017, 10:17 Uhr
 
 

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