hr-online Informationen aus Hessen
hr2.de
hr2.de
 (Bild: Neumeyer Consort)

Telemanns Ouvertüren-Suiten? Das perlt!

Vor 250 Jahren, am 25. Juni 1767, starb Georg Philipp Telemann. Das Mainzer Neumeyer Consort hat unter seinem Leiter Felix Koch nun vier Ouvertüren-Suiten eingespielt – und zeigt Telemann darin von seiner äußerst humorvollen Seite.
 
An die 3.600 Werke soll Telemann geschaffen haben – darunter allein 1.000 sogenannte "Ouvertüren-Suiten" oder "Orchester-Suiten": Werke, in denen auf ein Vorspiel mehrere Tanzsätze folgen.

126 dieser Ouvertüren-Suiten von Telemann sind erhalten geblieben. Auf diesem Album sind Aufnahmen von "La Bizarre", "La Changeante", "Des Nations Anciens et Modernes" und die Ouvertüren-Suite a-Moll für Blockflöte und Ensemble zu hören.
 

Bizarres Spiel der ersten und zweiten Geigen

 (Bild: Neumeyer Consort)
Vergrößern
Cellist und Dirigent Felix Koch
In "La Bizarre" stellt Telemann die Hörerwartungen seiner Zeitgenossen auf den Kopf. Er vermischt einfach die Stile der Zeit. In den ersten Geigen hören wir den typisch französischen Stil, mit seinen scharfen, heroisch klingenden Punktierungen. Die zweiten Geigen aber spielen ein legeres, italienisches Concerto dazu. Telemann lässt sozusagen zwischen den Franzosen einen Italiener grätschen. Damalige Hörer dürften sich darüber köstlich amüsiert haben.

Telemann hat diese "bizarre" Ouvertüren-Suite um 1720 komponiert. Damals war er noch Musikdirektor in Frankfurt. Neben seinen Aufgaben als Kirchenmusiker leitete er das "Collegium Musicum" – ein Ensemble aus offenbar sehr begabten Frankfurter Bürgern. Jede Woche trafen sie sich zu Konzerten. Telemann steuerte dazu die Kompositionen bei.
 

Ungewöhnlich: die Canarie mit Kastagnetten-Klängen

 (Bild: Neumeyer Consort)

Georg Philipp Telemann: Suiten für Orchester

Neumeyer Conosort
Kerstin Fahr, Blockflöte
Felix Koch, Leitung
Note 1 music/Christophorus Records
Bestellnummer: CHR 77412
Darunter auch die Ouvertüren-Suite "La Changeante" - "Die Launische". Sanguiniker trifft hier auf einen Melancholiker: In dem Satz "Les Scaramouches" porträtiert Telemann mit Tönen eine offenbar zweigesichtige Diener-Persönlichkeit aus der Welt der Commedia dell'arte. Möglicherweise hatte Telemann dabei auch seine Frankfurter Ehefrau im Sinn: Denn sie soll äußerst launisch gewesen sein.

Ausgesprochen gute Laune haben wiederum der Barockexperte Felix Koch und sein exzellentes Neumeyer Consort: In dem spanischen Satz "Canarie" beispielsweise setzen die Musiker kurzerhand Kastagnetten ein – die Idee stammt nicht von Telemann, ist aber atmosphärisch durchaus treffend.

Fazit: Felix Koch und das Neumeyer Consort haben sich vier wahrhaftige Perlen herausgepickt: Eine skurril-humorige, überaus hörenswerte Hommage zum 250. Todestag von Georg Philipp Telemann.

Rezension: Ursula Böhmer

Sendung: hr2-kultur, 02.08.2017, 06:45 Uhr.
 

Teilen

Redaktion: maco / aha
Letzte Aktualisierung: 7.08.2017, 9:37 Uhr
 
 

jetzt auf hr2:

hr2 Programm komplett

Die Vorschau heute, als Kalender oder für Sie als Download. [mehr]

Was lief wann?

Informationen zu Musik-Titeln und -Stücken auf hr2.de [mehr]
 

Hörspielpreis

ARD PiNball

ARD, Deutschlandradio, ORF und SRF krönen das beste Kurzhörspiel, das außerhalb einer Rundfunkanstalt produziert worden ist. Bewerbungsschluss ist der 31. August. [mehr]

Audios online

Zum Nachhören: Die Spurensuche nach der Wahrheit hinter der Wirklichkeit.
radio.ARD.de
 

Online Tipp

ARTE Concert

Konzert-Videos des hr-Sinfonieorchesters und vieles mehr:
Die Seite besuchen
 

Tipp

hr2-Newsletter

Mit dem hr2-Newsletter bleiben Sie immer auf dem Laufenden. [mehr]
 
hr-online enthält Links zu anderen Internetangeboten. Wir übernehmen keine Verantwortung für Inhalte fremder Webseiten.
SZM-Daten dieser Seite