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 (Bild: Decca)
Beherrscht den speziellen Ton Schostakowitschs: Michail Lifits

Eindeutige Stimmung, zweideutige Botschaft

Beim Pianisten Michail Lifits ist sich die Musikkritik einig: Umjubelt sind seine Aufnahmen mit Mozart und Schubert, nun hat der 34-Jährige seine dritte CD mit Kompositionen von Dmitri Schostakowitsch vorgelegt.
 
Auf dem Programm: Die selten gespielten 24 Präludien op. 34 und das Klavierquintett in g-Moll op. 57. Zwei Werke voll von Humor und doppeltem Boden.
 
Nach außen hin heile Welt – doch hinter der Fassade tun sich Abgründe auf. Die Musik von Dmitri Schostakowitsch ist selten so, wie sie nach außen hin scheint. Sie ist doppeldeutig, ambivalent und zuweilen rätselhaft. Vielleicht war das eine Möglichkeit des Komponisten, seine künstlerischen Überzeugungen in Zeiten der stalinistischen Herrschaft versteckt zum Ausdruck zu bringen? Ebenfalls einzigartig an seiner Musik sind die verschiedenen Facetten des Humors: Witzig, naiv, ironisch, sarkastisch – vom Interpreten wird hier einiges abverlangt.

Der Pianist Michail Lifits zeigt auf seiner neuesten Aufnahme, dass er die breite Palette dieses Humors beherrscht. Und noch viel mehr als das. Er destilliert aus jedem Präludium die Kernaussage heraus, ohne dabei zu überdramatisieren. Seine Stärke ist der Klang – vor allem im Piano. Lifits zaubert Klangfarben, die in sich mehrdeutig sind. Die Grenze zwischen Komödie und Tragödie wird unscharf. In nur Bruchteilen von Sekunden schaltet Lifits um von einer Stimmungsnuance zur nächsten. So werden aus den kurzen Aphorismen farbenreiche und spannungsgeladene Kurzgeschichten.
 
 (Bild: Decca)

Shostakovich
24 Preludes op. 34/ Piano Quintet. 57

Michail Lifits
Szymanowski Quartet
Label: Decca
LC: 00171
DO 0264156037
Nur sieben Jahre nach den Präludien – im Jahr 1940 – schreibt Schostakowitsch sein Klavierquintett. Zwischen beiden Kompositionen liegt eine unruhige Zeit. Unter Stalins Herrschaft bewegt sich Schostakowitsch zwischen zwei Extremen: Volksheld und Volksfeind. Kritik wird nur durch die Doppeldeutigkeit seiner Musik spürbar. Auch im Klavierquintett: Ausgelassene Launigkeit wird durch dramatische Intermezzi untergraben. In dieser Aufnahme wird Michail Lifits unterstützt vom Szymanowski-Quartett.

Die Musiker bringen die Tragik der Musik auf beklemmende Weise zum Ausdruck. Das Szymanowski-Quartett brilliert dabei vor allem in den lyrischen Passagen. Hin und wieder ist der Streicherklang etwas eng, vor allem in den dramatischen Passagen. Trotzdem: Die Musiker zeichnen ein authentisches Bild dieser Musik und Lifits zeigt sich als glänzender Kammermusiker, der sich nicht unnötig in den Vordergrund spielt, sondern Seite an Seite mit dem Szymanowski-Quartett musiziert.

Fazit: Hochspannend, aufwühlend und mitreißend: Michail Lifits außergewöhnliche Musikalität und seine scharfsinnigen Interpretationen machen aus Schostakowitschs Musik einmal mehr ein fesselndes Dokument klingender Zeitgeschichte.

Elisabeth Hahn


Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 08.08.2017, 06:45 Uhr.
 

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Redaktion: aha
Letzte Aktualisierung: 7.08.2017, 15:24 Uhr
 
 

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