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Zur documenta 14

Akropolis (Bild: Arte)

Art and Survival: Von Athen lernen

"Von Athen lernen" heißt das Motto der documenta14 und so beginnt die weltgrößte Kunstschau diesmal nicht in Kassel, sondern am 8. April 2000 km weiter südlich von Kassel, in Athen.

Europa ist in Griechenland aus den Fugen geraten. Genau für diese Risse interessieren sich die Macher der diesjährigen documenta. Doch nach sieben Jahren Wirtschaftskrise stellt sich die Frage: Gibt es überhaupt noch eine aktive Kunstszene in Athen? Und wenn ja: wie sieht sie aus? Was gibt es von Athen zu "lernen"?

Für ARTE creative war Brigitte Kleine in Athen und hat sich auf die Suche nach der dortigen Kunstszene gemacht.
 
 

documenta 14


Augen auf!
Die 25jährige Athener Fotografin und Künstlerin Thalia Galanopoulou zeigt uns Athen: Sie fotografiert Flüchtlinge in Athen, verarmte Griechen und internationale Banker, die an der Verschuldung Griechenlands in der Wirtschaftskrise mitverdienen.
 
 

documenta 14


Rock'n'Roll
„Thee Holy Strangers“ sind eine genuine „Krisen-Band“, entstanden 2012 , auf dem Höhepunkt der Massenproteste des „Oxi“ („Nein“) gegen die europäische Sparmaßnahmen: die Independent-Musiker rund um Alex K., Sänger-Legende der alternativen Rock-Szene Athens, trafen sich auf den Protesten des Syntagma-Platzes.

Der poetischen Perspektivlosigkeit wollen sie etwas entgegen setzen: harten Garage-Rock, voller Soul. Die Texte von Alex K., dem „griechischen Nick Cave“, umschreiben das Lebensgefühl einer Lost Generation. Wir treffen die Band in ihrem Probenraum und in den Straßen des Szene-Viertels Psirrí.
 
 

documenta 14


Ruinen-Theater
Das Theater Embrós („Vorwärts“) ist ein legendärer Ort des Underground in Athen. Ein besetztes Haus, das nun von freien Theatergruppen bespielt wird: ein Ort des künstlerischen und politischen Widerstandes.

Hier führt Schauspielerin Tatiana Skanatovits eine „One Woman Stand-Up-Tragedy“ auf: eine griechische Krisen-Tragödie als Comedy. „Unser Land ist kaputt? Let’s move on!” – so Tatianas Motto, die uns durch diese besondere Athener Theater-Welt führt. Parallel zur documeta14 startet das Embrós-Theater eine wöchentliche Veranstaltungsreihe mit dem Titel: „Anti-documenta“.
 
 

documenta 14


Lebens-Kunst
Rick Lowe, US-amerikanischer Künstler der documenta14, hat ein besonderes Kunstprojekt in Planung: an einem zentralen Platz in Athen, dem Victoria Square, baut er gerade ein „Community Project“ auf.

Rick Lowes Kunst verortet sich im Bereich der sozialen Plastik. Kunst soll nicht nur für sich selbst stehen. Was nutzt die Kunst den Menschen? Wie verbessert sie das Leben? In keiner anderen Stadt wird so akut um Antworten auf diese Fragen gerungen wie im heutigen Athen.
 
 

documenta 14


Kunst-Kollektiv
Zwei Frauen, ein Mann: Paki, Chrysanthi und Kosmas betreiben den ersten nur von Künstlern geführten freien Ausstellungsraum in Athen, mitten im anarchistischen Szeneviertel Exarchia. Die Künstler-Galerie 3137 belebt Athens Kunstszene seit fünf Jahren mit originellen Pop-up-Shows. Die Vernissagen sind kleine Nachbarschftsparties.

Wir lernen die drei Künstler in ihrer 27 Quadratmeter kleinen Galerie kennen und gehen mit ihnen zu einem Ort ihrer Inspiration für die eigene künstlerische Arbeit: Monastiraki.
 
 

documenta 14


Tu was!
Die Kunstszene in Athen kämpft ums Überleben, und Überleben wird hier eine Kunstform. Die diesjährige documenta14 unterscheidet nicht zwischen Kunst und Politik, zwischen ästhetischer Ausformung und sozialem Handeln.

Deshalb begleitet diese Episode Sofia Nefeli, Flüchtlingshelferin. Die junge Aktivistin führt uns zu einem außergewöhnlichen Ort, dem ehemaligen Hotel City Plaza im Zentrum Athens. Es wurde von autonomen Gruppen besetzt und beherbergt heute rund 400 Flüchtlingsfamilien aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Ohne Unterstützung ihres bankrotten Staates versorgen die Athener hier die Flüchtlinge in kompletter Eigeninitiative.
 
 

documenta 14


Kunst-Räume
Die staatliche Kulturförderung des bankrotten Griechenlands ist auf 0,3% des Staatshaushaltes gesunken. Was sind die Strukturen des Kunstbetriebs – wenn man davon überhaupt sprechen kann?
Mit der freien Galeristin Iliana Fokianakis lernen wir zwei Pole kennen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: zum einen das Nationale Museum für Gegenwartskunst, das EMS, ein perfekt renovierter Neubau. Doch die Sammlung für zeitgenössische Kunst kann dort noch immer nicht gezeigt werden – aus Kostengründen. Ein Geistermuseum, das hofft, durch die documenta nun wach geküsst zu werden.

Ganz anders das privat errichtete Kulturzentrum der „Stavros Niarchos Foundation“: ein brandneuer Prachtbau von Architekt Renzo Piano, ein Vorzeigeprojekt privaten Mäzenatentums.
 
 

documenta 14


Maler-Ego
Breite Pinselstriche, Figuren in absurden Situation, die Gesichter anonym, nie ausdefiniert. Apostolos Georgius großformatige Leinwände sind überwältigende figurative Studien – ja, wovon eigentlich?
Menschen in ungewöhnlichen Posen, selbstironisch, anonym. Haben sie Grenzen überschritten? Provozieren sie? Bereuen sie? Georgiu, 63 Jahre, ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen griechischen Maler, seine Kunst wird international gehandelt. Und jetzt wird er sogar documenta-Künstler.

Krise? Ihn beschäftigt hauptsächlich die existentielle Krise des Menschen: wir lernen Apostolos Georgiou in seinem Atelier im Athener Vorort Voula kennen.
 
 

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Fundstücke
Die Athener Filmkünstlerin Marina Gioti setzt sich in ihren Arbeiten mit den radikalen Veränderungen ihrer Stadt in der Wirtschaftskrise auseinander, mit feministischen Themen, und sehr häufig arbeitet sie mit „found footage“, gefundenem Filmmaterial.

Auf der documenta14 wird sie einen Film vorstellen, den sie auf einer Müllhalde im Süden Athens gefunden hat: den Propagandafilm aus der griechischen Militärdiktatur (1967-1974) hat sie minimal bearbeitet und will damit die Aufmerksamkeit auf nationalistische Mythen lenken, sowohl zur Zeit der faschistischen Militärregierung als auch im heutigen Griechenland.
 
 
 

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