Bruce Springsteen The River
Intro (zu hören auf der 3-fach-CD: Live 1975 1985):
In meiner Jugend hatte ich mit meinem Vater ständig Krach. Es gab kaum etwas, über das wir uns mal nicht gestritten hätten. Ich hatte lange Haare, die mir bis über die Schulter hingen. Ich war 17 oder 18, und er haßte es. Es ging dann soweit, dass ich soviel Zeit wie möglich draussen, weit weg von zuhause verbracht habe.
Im Sommer war das nicht schlimm. Es war warm und ich traf alle meine Freunde draussen. Aber im Winter ... ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich in der Stadt rumlungerte, wenn es anfing richtig kalt zu werden. Ich stand dann meist in diesem Telefonhäuschen und rief meine Freundin an. Wir haben dann stundenlang telefoniert, oft die ganze Nacht hindurch. Irgendwann bin ich dann doch heimgegangen und sah schon in der Einfahrt, dass mein Vater in der Küche auf mich wartete. Ich steckte mein Haar in den Kragen meiner Jacke und ging rein und wollte direkt auf mein Zimmer. Aber er pfiff mich zurück und sagte, ich solle mich zu ihm setzen. Und das erste, was er immer sagte war: Was willst du mit deinem Leben denn einmal anstellen? Und das schlimmste war, dass ich ihm das nie erklären konnte.
Ich kann mich erinnern, dass ich mal nach einem Motorradunfall hilflos im Bett lag und mein Vater einen Friseur kommen ließ, der mir die Haare abschnitt. Und, hey Mann, ich weiß noch, wie ich ihm gesagt habe, dass ich ihn hasse, und das ich ihm das nie verzeihen würde. Seine Antwort war: "Mann, ich kann es kaum abwarten, dass dich die Armee holt. Die werden einen richtigen Mann aus dir machen. Sie werden dir den Schädel rasieren und einen Mann aus dir machen."
Das war, glaube ich, 1968, und eine Menge Jungs aus der Nachbarschaft waren schon in Vietnam im Einsatz.
Ich weiß noch wie der Drummer aus meiner ersten Band zu unserem Haus rüberkam mit seiner Marineuniform an, und wie er sagte, er würde jetzt auch dorthin gehen und dabei wüßte er noch nicht mal genau, wo das liegt. Viele gingen dorthin und eine ganze Menge davon kam nicht mehr zurück. Und die meisten, die zurückkamen, waren nicht mehr dieselben wie vorher.
Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als mein Einberufungsbefehl kam. Ich habe meiner Familie nichts davon erzählt, und drei Tage vor meiner Musterung, war ich mit meinen Freunden die ganze Nacht unterwegs. Als wir dann morgens am Bus standen, hatten wir alle mächtig Schiss. Ich ging also hin ... wurde ausgemustert ... und ging wieder heim ... (Applaus aus dem Publikum) ... Da gibt es nichts zu applaudieren. ... Ich kam also heim, nachdem ich drei Tage weg war, ging in die Küche, wo meine Mutter und mein Vater saßen. Mein Vater fragte: "Wo bist du gewesen?" Ich sagte: "Ich komme gerade von meiner Musterung." Er fragte: Und, was ist dabei rausgekommen?" Ich sagte: "Sie haben mich nicht genommen." Und er sagte: Gut so!"
Song:
Ich komme von da unten, aus dem Tal, wo sie dir als Junge beibringen,dass du mal gefälligst genau so werden sollst wie dein Vater.
Mary und ich, wir hatten uns in der High School kennengelernt, als sie gerade mal 17 war.
Wir sind aus dem Tal rausgefahren, durch die grünen Wiesen bis runter zum Fluss, in den wir dann reingesprungen sind.
Kurze Zeit später wurde Mary schwanger. Das war alles, was sie mir geschrieben hatte.
Und zu meinem 19. Geburtstag bekam ich einen Gewerkschaftsausweis und einen Hochzeitsanzug.
Wir sind zum Gericht gegangen und der Standesbeamte machte alles klar.
Nichts mit Hochzeitsfoto und Gang zum Altar, oder so.
Keine Blumen und kein Hochzeitskleid.
Nachts sind wir dann wieder runter zum Fluss gefahren und haben darin gebadet.
Ich hab einen Job auf Montage bekommen bei der Johnston Company.
Aber später gab es da wegen der Rezession nicht mehr genug Arbeit
Und auf einmal hat sich alles, was mir vorher wichtig erschien, in Luft aufgelöst.
Heute tu ich so, als würde ich mich nicht mehr daran erinnern, und Mary tut so, als würde es ihr nichts ausmachen.
Aber ich kann mich noch erinnern, wie wir im Auto meines Bruders fuhren.
Ich sehe noch genau ihren braungebrannten und nassen Körper vor mir, da unten am Stausee.
Ich lag dort die ganze Nacht am Ufer wach und nahm sie fest in die Arme,
damit ich jeden ihrer Atemzüge spüren konnte.
Jetzt holen mich diese Erinnerungen wieder ein, verfolgen mich wie ein Fluch.
Wird ein Traum zur Lüge, wenn er nicht wahr wird?
Oder ist es etwas schlimmeres, was mich heute noch runter zum Fluss zieht,
obwohl ich weiß, dass er längst ausgetrocknet ist?
Unten zum Fluss, wo mein Baby und ich immer hingefahren sind.