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Die 1990er

Wer hätte am 1. Januar 1990 gedacht, dass dies das Jahrzehnt sein sollte, in dem so historische Sendungen wie die "hr3 clubnight" oder "0138/6000" erfunden werden würden? Oder dass in diesem Jahrzehnt ein seltsames Ding namens "Internet" zum wichtigsten Kommunikationsmittel seit der Erfindung des Telefons werden würde? Vor allen Dingen auch deshalb, weil man am Anfang ganz andere Sorgen hatte...
 

Eine moderne Popwelle mit Zukunft

v.li. Frank Seidel, Martina Regel, Thomas Koschwitz und Jörg Bombach  (Bild:  hr)
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v.li. Frank Seidel, Martina Regel, Thomas Koschwitz und Jörg Bombach
Audio: "20 Jahre hr3"-Fete Eröffnung 1:37 Min
(© hr3, 08.10.2008)
Zu Beginn der 90er - mit Aufkommen des privaten Hörfunks - veränderte sich die Radiolandschaft in Hessen grundlegend. Zum ersten Mal sah sich hr3 einer landesweiten Konkurrenz gegenüber. Mit Jörg Bombach als Wellenleiter (seit 1991), in der Nachfolge von Peter John und Jörg Riemenschneider, wurde das Programm erneut optimiert. Mit einer deutlichen inhaltlichen Profilierung konnte sich hr3 behaupten. Neben populärer Musik und journalistisch fundierten Informationen waren Verbraucherthemen, Service, Unterhaltung und attraktive Veranstaltungen nach wie vor fest im hr3-Konzept verankert. Das in den 90er Jahren von der damaligen Wortchefin Petra Folwaczny entwickelte Tagesmagazin "hr3 inform" prägte das Programm wesentlich. Nach außen präsentierten in den 90ern bekannte hr3-Stimmen wie Peter Lack, Susanne Fröhlich, Jörg Bombach, Mathias Münch, Lars Cohrs, Martina Regal, Frank Seidel und Stefanie Ludwig das Programm. Der 1995 eingeführte hr3-Slogan "Hier spielt die Musik!" brachte nicht nur das vielfältige Musikangebot zum Ausdruck, sondern war auch der Garant für topaktuelle Informationen aus Hessen und aller Welt, für anspruchsvolle Unterhaltung, hörernahe Themen und eine lebendige Moderation.
 

www.hr3.de

So sah hr3.de im April 2004 aus (Bild:  hr)
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So sah hr3.de im April 2004 aus
Im Internet ist hr3 seit dem 9. Februar 1996 als einer der ersten Radiosender weltweit vertreten. Klick-Sieger der ersten Wochen waren Online-Musikwünsche und Manfred Määääh-Sounds sowie der legendäre Kino-Spot mit Manfred, "Hessens einzigem sprechenden Schaf". 2002 besuchten rund 600.000 Besucher pro Monat hr3 im Internet. Das Angebot umfasste seinerzeit fast 2000 HTML-Seiten, über 5.000 Grafiken und über 900 Audio-Files. Zahlen, die für jede Menge Inhalt, Service und noch mehr Interaktion standen. Neben der Homepage gab (und gibt) es ausführliche Informationen zum Programm, zur Musik, zu Events, zum Team und zu hr3-Aktionen. Im Vordergrund steht auch heute noch, dass die Besucher schnell gewünschte Informationen zu Veranstaltungen, Kontakt-Adressen der Redaktionen, Frequenzübersichten und Bilder aus der Redaktion und von hr3-Events finden. Besonders beliebt sind die Konzertfotos von Stars wie Robbie Williams oder den Rolling Stones, die hr3-Comedy-Audios, die hr3-Webcams und seit Sommer 2008 die Videos von Stars im Studio und hr3-Events. Übrigens: Mit den "hr3 Websounds" hatte hr3 bereits eine Präsentations-Plattform für Hessens Nachwuchsmusiker im Internet, als noch niemand an "Communities" und "Web 2.0 Plattformen" wie MySpace oder Last.fm gedacht hat.
 

hr3-Erfindungen der 90er

Die 0138-6000 Moderatoren Marcus "Ruudi" Rudolph und Peter LACKenegger bei ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung (Bild:  hr)
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Die 0138-6000 Moderatoren Marcus "Ruudi" Rudolph und Peter LACKenegger bei ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung
Audio: 0138-6000 auf der Musikmesse 2:28 Min
(© hr3, 08.10.2008)
Noch ein Dauerbrenner hat bei hr3 Erfolgsgeschichte geschrieben: "0138-6000", Hessens Sendung mit der Nummer (samstags von 14 bis 18 Uhr), ist war über 20 Jahre "Hessens heißeste Nummer". Am 15. Februar 1992 ging "0138-6000" auf Sendung. "Anruf genügt - schon ist man im Fan-Club", titelte die "HörZu" in der Sendungsankündigung. Thomas Koschwitz hatte die Idee zu der Sendung, "bei der Telefone heißlaufen und Briefe körbeweise kommen könnten". Die Nummer des Fanclubs ist auch gleichzeitig die Telefonnummer, mit der man von jedem Winkel der Erde via Telefon in der Sendung "0138-6000" mitmachen kann. Dreh- und Angelpunkt war von Beginn an ein Moderationspaar, dass sich Bälle oder auch mal derbe Scherze zuwirft, und natürlich Gewinnspiele und Interaktion mit den Hörern, die selbst kreativ werden können, beziehungsweise sich schrägen Wettbewerben stellen müssen. Anfangs trieben Thomas Koschwitz, Olaf Peßler und Heinz Günter Heygen ihre Späße.
 

Audio: Lars Cohrs' letzte Sendung 51 Sek
(© hr3, 08.10.2008)
Die zweite Staffel mit Lars Cohrs und Peter Lack brachte die tabulose Doppelmoderation. "0138-6000" wurde zur Personality-Show mit schrägen Moderatoren, dreisten Sprüchen und viel Irrwitz, damals - es gab noch keinen Stefan Raab - eine absolute Neuheit. Mittlerweile sorgen für das schräge Profil die hr3-Moderatoren Peter LACKenegger (erster und einziger Redakteur der Sendung) und Radio Bremen-Import Marcus "Ruudi" Rudolph. Und das mit Erfolg: Die Sendung wurde inzwischen mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet.

Die letzte Sendung lief am 30. August 2013.
 
0138-6000 im Laufe der Zeit
0138-6000 im Laufe der Zeit
0138-6000 im Laufe der Zeit
 
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hr3-Clubnight - Das Gründungsteam (v.l.): Torsten Fenslau, Heinz Felber, Markus Hertle, Sven Väth, Lady D. und Chilli T. (Bild:  hr)
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hr3-Clubnight - Das Gründungsteam (v.l.): Torsten Fenslau, Heinz Felber, Markus Hertle, Sven Väth, Lady D. und Chilli T.
Audio: Clubnight-Jingle Lady D. (1995) 15 Sek
(© hr3, 08.10.2008)
Die hr3-Clubnight war die erste DJ-Sendung im deutschen Radio. "1990 fing es mit zwei Technics-Plattenspielern auf einem Tapeziertisch im hr3-Studio an", erinnert sich Markus Hertle, der die Sendung am 5. Mai 1990 gemeinsam mit Bruno Mäder (später hr3-Musikchef) ins Leben rief. Jeden Samstag von 21 Uhr bis Mitternacht legten namhafte DJs ihre Lieblingsplatten auf. Drei Stunden Clubmusik, ohne Werbung, ohne Nachrichten, sparsam moderiert. Zum festen Team gehörten der inzwischen verstorbene Thorsten Fenslau, DJ Dag, Sven Väth, Mark Spoon, Ulli Brenner, Heinz Felber, Lady D und Chilli T.. Prominente Gäste waren unter anderem Talla 2XLC, Paul van Dyk und Pascal F.E.O.S.. Aufgelegt wurde ein breites Spektrum: von Black-Musik, HipHop und Rap bis Techno, Trance und TripHop. Die Clubnight (später in hr-xxl, noch später in YOU FM und übertragen im hessen fernsehen) war und ist bei Musikfans eine Währung. Mitschnitte spezieller Sendungen wurden per Inserat gesucht und getauscht und auch heute noch erreichen regelmäßig E-Mails die Redaktion, in denen Fans nach alten Mitschnitten fragen. Heute gilt die hr3-Clubnight als Prototyp eines Erfolgsformats, das bundesweit kopiert wird. Das Konzept ging auch als off air-Veranstaltung auf. Bis zu 50.000 Besucher tanzten bei Hessentagen im hr3-Clubnight-Zelt oder open air zu den pulsierenden Sounds.
 

hr3-Moderator Jörg Bombach hat Besuch von Manfred und dem Manfred-Fanclub im Pop & Weck-Studio (Bild: Heinz J. Schlüter)
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hr3-Moderator Jörg Bombach hat Besuch von Manfred und dem Manfred-Fanclub im Pop & Weck-Studio
Audio: "pop & weck TV"-Jingle 40 Sek
(© hr3, 08.10.2008)
Radio sehen: Auch mit der bimedialen Ausstrahlung der hr3-Morgenshow "Pop & Weck" im "hessen fernsehen" (heute: hr-fernsehen) erwies sich hr3 als Trendsetter. Was sich später als erfolgreiche Kultsendung erweisen sollte und auch von vielen anderen Radiosendern kopiert wurde, war erstmalig am 29. August 1994 zu sehen und zu hören. Schon nach wenigen Wochen erreichte "Pop & Weck Früh TV" (von 5 bis 8 Uhr morgens) Spitzenwerte von 170.000 Zuschauern und einen Fernseh-Marktanteil von 24 Prozent in Hessen. Mit wöchentlich wechselnden Zuschauern und Attraktionen wie Bauchtänzerinnen, schrägen Handpuppen-Einlagen, männlichen Strippern und dem Besuch des unter chronischer Blasenschwäche leidenden Rhönschafs Manfred am Freitag war es die chaotisch-spaßige Alternative zum Frühstücksfernsehen. hr3-Hörer wurden ins Studio eingeladen und als lebendige Faxhalter integriert, Zuschauergrüße wie "Guude Morsche Omaa!" wurden eingeblendet, und ständig drängten sich die Moderatoren mit neuen Überraschungen ins Bild. 1997 war erst einmal für drei Jahre Pause. Am 18. September 2000 meldete sich hr3-Früh-TV mit neuem Konzept im hessen fernsehen zurück. Mit mehr Infos und eingeblendeter Service-Textlaufleiste konnte man seitdem den Moderatoren zwischen 7 und 8 Uhr beim Radiomachen auf die Finger schauen.
 

hr3-Star, Rhönschaf Manfred und Jörg Bombach im Studio (Bild: Heinz J. Schlüter)
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hr3-Star, Rhönschaf Manfred und Jörg Bombach im Studio
Promi-Schaf Manfred, Hessens einziges sprechendes Schaf, ist auch heute noch der erklärte Liebling der hr3-Hörer. Populär wurde es durch seine Auftritte in der ersten "Pop & Weck-TV"-Staffel 1994. Bis zu seiner Schwangerschaft kam es nie zu Diskussionen über seine Geschlechtszugehörigkeit. Auf dem heimatlichen Hof in Eppstein-Niederjosbach im Taunus brachte "er" gesunden Nachwuchs zur Welt (nach gesicherter Erkenntnis übrigens Mädels). 1995 wurde der hr3-Kinospot "Manfred, das Schaf" von der Werbeagentur Bates beim renommierten New York Festival für TV- und Kinowerbung mit einem Bronze-Award ausgezeichnet. Das Schaf erhielt eine Extraportion Mohrrüben, sah aber darüber hinaus von einer weiteren Karriere im Film-Geschäft ab. Unser Manfred ist halt mehr so der häusliche Typ und nicht so sehr auf seine Karriere fixiert wie andere Schafe.
 

hr3 engagiert sich

Mit spektakulären Hilfsaktionen rückte hr3 noch näher an seine Hörerinnen und Hörer. Nach der Erdbebenkatastrophe 1988 in Armenien sammelte hr3 unter dem Motto "Radio für Armenien" Geld. Für eine 50-Mark-Spende spielte die Popwelle einen Musiktitel. 5,6 Millionen Mark kamen zusammen. Monatelang musste die ARD-Popnacht ausgesetzt werden, um die Hörerwünsche erfüllen zu können. Genauso tatkräftig unterstützen hr3-Hörerinnen und -Hörer die Spendenaktionen "Tschernobyl-Hilfe" (1990 / 1991) "Hessen für Bosnien" (1993), das hr-Hilfsprogramm "Hessen hilft Ruanda" und viele weitere Aktionen, zuletzt anlässlich der Tsunami-Katastrophe 2004.
 
Redaktion: svsc
Letzte Aktualisierung: 2.09.2013, 12:00 Uhr


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