Ende 2010 ließ Marina Diamandis noch den Kopf hängen: "Ich fühle mich wie ein Versager", jammerte die Waliserin mit griechischen Wurzeln in einer Radiosendung. "Dafür, dass ich die beste Künstlerin meiner Generation werden wollte, hab' ich verdammt noch mal NICHTS geschafft." Für Marinas Geschmack war der Top 5-Erfolg ihres Debütalbums "The Family Jewels" eine Pleite. Ehrgeizig? Aber sowas von. Für ihr zweites Album hat Marina sich die Latte nun höher gelegt. "Es wird politisch", verkündete sie im Vorfeld, "und von Feminismus und Sex handeln. Es wird eine aufkratzende Pop-Platte!" In punkto aufkratzend' hat Miss Diamandis auf jeden Fall geliefert.
Als Inspirationen gibt sie Madonna, Marilyn Monroe und Marie Antoinette an (ja, die französische Königin, der die Aussage "Die Leute haben kein Brot? Warum essen sie dann keinen Kuchen?" unterstellt wird, was aber nicht stimmt - das war üble Nachrede). Drei Ladies, die auf ihre Art "furchtlos" waren, wie Marina schwärmt. Man nehme Madonna: "Sie ist so oft runtergemacht worden, aber sie hat sich nicht beirren lassen. So jemand will mehr als Ruhm und Erfolg - so jemand will als Künstlerin ernst genommen werden."
Eine gute Portion Ironie, dazu Medien- und Genderbewusstsein: mit diesem Album stellt Marina das "Startum" in Frage - und feiert es postmodern ab. Weibliche Stars müssen blond und sexy sein, also manscht Marina sich Wasserstoffperoxid in die Haare und arbeitet mit Schönheitsflecken. Es ist die Ode an das perfekte Produkt, die Hülle, in die sich alles hineindenken lässt. Da ist zum Beispiel die "
Bubblegum Bitch" mit der Hammerfigur: süß, aber ohne Nährwert. Da ist die "
Primadonna" (akustisch eine Mischung aus Aqua und David Guetta), die nicht weniger als die Weltherrschaft will. Klar geht es dabei um "
Sex yeah", denn - so weiß Marina - mit Sex verkauft sich heute alles. Früher oder später landet man aber im "
Valley of the Dolls", der Endstation für zerbrochene Träume. Im Grunde dreht sich nämlich alles um "
Power & Control", um Macht und Kontrolle, clever in elektronisch pumpenden, synthetischen Hochglanzpop verpackt.
Eins noch: Wer sind eigentlich die "Diamonds"?
Antwort: Keine Begleitband, falls Sie das meinten. Es ist eine Anspielung auf Marinas Familiennamen. Und die Diamanten, sagt sie, das sind wir, ihr Publikum.