1.09.2016

Wir klären auf: Was ist dran an Fitnessmythen?

 (Bild: Imago)
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Was wäre die Welt des Sports ohne Mythen und Legenden? Joggen schadet den Gelenken, man verbrennt Fett erst nach 30 Minuten – und und und... Meist stimmts aber gar nicht, was da an Unsinn in uns steckt. Professor Ingo Froböse vom Zentrum der Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln klärt auf:
 

Mythos Nr. 1: Alkohol kann man durch Sport ausschwitzen

Falsch. Alkohol läßt sich natürlich nicht durch Sport ausschwitzen. Ganz im Gegenteil: es ist sogar eher gefährlich, mit Alkohol im Blut sportlich aktiv zu werden. Der Körper ist schon genug damit beschäftigt, das Gift im Körper in den Griff zu kriegen. Die Leber ist voll bei der Arbeit, um zu entgiften - da ist gar keine Kapazität frei für Leistung! Wir müssen warten, bis die Leber alles bereinigt hat – und dann können wir Sport machen.
 

Mythos Nr. 2: Die Fettverbrennung beginnt erst nach 30 Minuten

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Falsch. Von der ersten Sekunde an, in der wir Sport treiben, verbrennt unser Körper auch Fette. Das belegen zahlreiche Studien. Kohlenhydrate und Fette sind übrigens die wichtigsten Energiequellen – ganz gleich, ob man sich in Ruhe befindet oder aber hohen Belastungen ausgesetzt ist. Richtig ist allerdings, dass die Fettverbrennung zu Beginn eines Trainings noch gering ist. Sie steigert sich allmählich und erreicht meist nach 20 bis 30 Minuten gute Werte. In der Praxis bedeutet das: Auch ein kürzeres Workout oder ein Spaziergang an der frischen Luft sind effektiv für den Muskelaufbau und den Fettabbau.
 

Mythos Nr. 3: Sport verringert Cellulite

Falsch. Orangenhaut ist ein Problem, das vor allem Frauen kennen. Mindestens 80 Prozent aller Frauen kämpfen gegen die Cellulite, auch sehr schlanke Frauen können betroffen sein. Die unschönen Dellen an Po und Beinen sind die Folge eines schwachen Bindegewebes. Wer behauptet, dass man Cellulite durch Sport wegtrainieren kann, der irrt allerdings. Das Einzige, was einen Effekt haben kann, ist die Kombination aus Bewegung und einer ausgewogenen, relativ fettarmen Ernährung mit Obst und Gemüse sowie viel Vitamin C (Kiwis, Paprika), das "Fette" schmelzen lässt. Vermeiden Sie Fett, Zucker und auch Salz, denn dieses lagert Fette und Wasser ein und fördert so die Entstehung von Organgenhaut. Es gilt: Je mehr Fett der Körper speichert, desto mehr Fettzellen können durch das dehnbare Bindegewebe hindurchschlüpfen und Dellen und Knötchen in der Haut verursachen oder verstärken.
 

Mythos Nr. 4: Stretching vor dem Sport verringert das Verletztungsrisiko

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Falsch - zumindest wenn es um Stretching VOR dem Sport geht. Dehnen vor dem Sport ist meist nicht notwendig und manchmal sogar kontraproduktiv, denn die Toleranz der Muskulatur steigt gegenüber dem Dehnungsreiz, sodass die Gefahr für eine Überdehnung ansteigt. Nach dem Sport aber gibt es durchaus einige Gründe für das Dehnen – vor allem, wenn es sich dabei um ein Dehnprogramm zur Entspannung und Erholung handelt oder aber die Empfindlichkeit des "Dehnschmerzes" nach einer Verletzung herabgesetzt werden soll. "Finger weg vom Dehnen!" heißt es hingegen nach einem intensiven Krafttraining. Hier könnten andernfalls kleine Mikroverletzungen in den Muskeln verstärkt werden.
 

Mythos Nr. 5: Wer wenig schwitzt, ist gut trainiert

Falsch. Nichtsportler geraten bei Belastung eher ins Schwitzen als trainierte Menschen – so lautet eine gängige Behauptung. Fakt ist aber: Sportler verfügen über aktivere Schweißdrüsen, die bei körperlichen Anstrengungen früh anfangen, Schweiß abzusondern, da sie durch regelmäßiges Training gelernt haben, dass bei einer anstehenden körperlichen Belastung eine Erhöhung der Körpertemperatur zu erwarten ist und der Körper folglich abgekühlt werden muss. Untrainierte verlieren beim Sport selbst bei höchster Anstrengung nur rund 0,8 Liter Schweiß, während trainierte Sportler bei intensiven Workouts ganze zwei bis drei Liter Schweiß absondern können.
 

Mythos Nr. 6: Laufen schadet den Gelenken

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Falsch - und auch wieder nicht. Laufen schadet den Gelenken nicht, regelmäßiges Joggen hilft den Gelenken sogar. Zum einen nimmt man ab - sofern man sich natürlich gleichzeitig nicht nur von Cola, Pommes und Pizza ernährt - und dadurch werden die Gelenke bei jedem Schritt entlastet. Zum andern werden die Muskeln in den Gelenken trainiert. Und starke Muskeln in den Beinen unterstützen Sehnen und Bänder und sorgen so für einen stabilen und schonenden Laufstil.
Weswegen dieser Mythos aber nicht ganz falsch ist: Das Hauptproblem für die Gelenke ist zu viel Gewicht. Denn jedes Kilo am Körper belastet die Gelenke bereits beim Gehen um den Faktor 6. Beim Joggen ist es noch deutlich mehr. Umgerechnet bedeutet dies: "Wiegst Du 10kg zu viel, werden Deine Knöchel, Knie und das Hüftgelenk bei jedem Spaziergang pro Schritt um überflüssige 60kg belastet." Beim Jogging ist es noch mehr. Dieses zusätzliche Gewicht geht natürlich auch an den Gelenken nicht spurlos vorbei.
 
Redaktion: svsc
Bilder: © Imago (4)
Letzte Aktualisierung: 1.09.2016, 10:56 Uhr

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