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Do It Again – hr Big Band Plays Three Decades Of Steely Dan

 (Bild: )
Steely Dan, in den 70ern eine der bekanntesten und innovativsten Rockgruppen Amerikas, feierte jüngst ein sensationelles Comeback. Die hr-Bigband überträgt die Musik von Donald Fagen und Walter Becker in ein großorchestrales Jazzformat.
 
Steely Dan (Bild: )
Steely Dan
Meisterarrangeur Fred Sturm hat eine Reihe der bekanntesten Songs aus drei Jahrzehnten Steely Dan für die hr-Bigband adaptiert – und diese kostet den rockigen Groove mit ihren vielfältigen instrumentalen Farben und ihrem satten Sound voll aus.

Wie bitte? Die hr-Bigband spielt Kompositionen von Steely Dan? Zugegeben: Auf den ersten Blick scheint diese Verbindung nicht zusammen zu passen. Da ist auf der einen Seite die Big Band, ein Jazzorchester mit 17 Musikern, das neben aktuellem Big-Band-Jazz auch die Swing-Musik pflegt. Auf der anderen Seite steht mit Steely Dan eine der erfolgreichsten Rockgruppen Amerikas. In den 70er Jahren konnte Steely Dan mit Hits wie Do It again oder Rikki Don't Lose That Number Millionenverkäufe erzielen und nach fast 20-jähriger Pause im Jahr 2000 mit dem Album Two Against Nature an ihre früheren Welterfolge nahtlos anknüpfen – einer Einspielung, die zurecht mit dem Grammy »Album Of The Year«, dem bedeutendsten internationalen Musikpreis ausgezeichnet wurde.
 

Information

Medieninfo

Do It Again – hr Big Band Playes Three Decades of Steely Dan

Ryan Ferreira · E-Gitarre
Fred Sturm · Leitung

hr-musik.de /jazz
hrmj 023-04
15,- Euro

Booklet: 32 Seiten
deutsch/english/français

Gesamtdauer: 68:50


Bei näherer Betrachtung jedoch fallen durchaus Gemeinsamkeiten auf zwischen der hr-Bigband und Steely Dan: Wie die Musiker der Big Band, so ist auch Donald Fagen – einer der beiden Protagonisten von Steely Dan – ein begeisterter Jazzer. Ebenso wie die hr-Bigband für ihre Radiosendungen mehrere Projekte im Jahr ausschließlich im Studio produziert, war Steely Dan in ihrer ersten Schaffensphase eine konsequente Studioband. Die engste Verbindung allerdings bilden die Musiker, die mit Steely Dan gearbeitet haben: Neben Jazzgrößen wie Wayne Shorter, Tom Scott oder Anthony Jackson gaben auch Solisten wie Randy Brecker, Michael Brecker, Pete Christlieb oder Chris Potter den Aufnahmen ihre ganz spezielle Prägung – vier renommierte Jazzer, die auch für die hr-Bigband bereits solistisch tätig waren!
 

Titelliste

1. Do It Again
2. Bodhisattva
3. Pretzel Logic
4. Black Friday
5. Home At Last
6. I Got The News
7. FM
8. Gaucho
9. The Goodbye Look
10. Negative Girl
11. Two Against Nature

Die Big Band des Hessischen Rundfunks hatte schon öfters stil- und spartenübergreifende Projekte erfolgreich realisiert. So stellte sich für uns die Frage, wie sich wohl die kunstvollen Kompositionen von Steely Dan mit den vielseitigen musikalischen Möglichkeiten und dem vollen Sound einer Big Band anhören und ob man mit dieser Verbindung etwas musikalisch Spannendes, Originäres schaffen könne. Wir gingen das Wagnis ein, nicht zuletzt weil Fred Sturm, der für uns mit viel Erfolg bereits die Musik von Astor Piazzolla arrangiert hatte, anbot, sich dieser Aufgabe anzunehmen. Sturm arrangierte eine Reihe der bekanntesten Songs aus drei Jahrzehnten Steely Dan und brachte auch gleich noch den hervorragenden jungen Gastsolisten Ryan Ferreira mit. Das Ergebnis der Kombination von Big Band und Steely Dan ist die vorliegende CD. Und wenn Ihnen nun das Hören soviel Genuss bereitet wie uns die Produktion, dann hat sich das Wagnis gelohnt!

Christoph Stahl
 

Ryan Ferreira

Ryan Ferreira
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Norbert Klöppel (Bild: )
Ryan Ferreira
Es gibt Gitarristen, die sich mit sichtbarer Anstrengung durch die Läufe und Akkorde durchkämpfen. Der Amerikaner Ryan Ferreira gehört nicht zu diesen, ganz im Gegenteil: Geradezu entspannt steht er bei seinen Soli auf der Bühne und vollbringt leichtfüßig die wildesten Akkordsprünge und Skalenläufe, bei denen sich andere Musiker vermutlich die Finger verrenken würden. Denn Ryan Ferreira hat eine ausgezeichnete Technik, die er sich in jahrelangem Üben bei seinen Eltern in Santa Rosa/Kalifornien und danach an der Eastman School of Music angeeignet hat. An letzterer trifft er auch auf Künstler wie Bobby McFerrin, Peter Erskine, Dave Holland, Kenny Wheeler und Maria Schneider, mit denen er zusammen konzertiert.

Doch nicht nur der Jazz ist seine Leidenschaft, sondern auch die Rockmusik. Und obwohl er erst in den 80er Jahren geboren wird, bewundert Ferreira eine Gruppe der 70er Jahre, nämlich »Steely Dan« und deren Lead-Gitarristen Walter Becker. Er besorgt sich alle Aufnahmen und studiert Beckers Stil; diesen verbindet er mit eigenen Elementen und selbst kreierten Sounds und schafft so etwas ganz Neues, Eigenes. Der Zufall will es, dass an der Eastman School of Music Fred Sturm zu Ferreiras Lehrern gehört, der seinerseits von der hr Big Band angefragt wird, die Musik von Steely Dan neu für Big Band zu arrangieren. Sturm bittet Ferreira, bei dem Projekt mitzuwirken – glücklicherweise: Denn Ryan Ferreira ist dafür die perfekte Wahl.
 

Fred Sturm

Fred Sturm
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Norbert Klöppel (Bild: )
Fred Sturm
Sein Vater: Cellist im Chicago Symphony Orchestra; seine Mutter: Opernsängerin; seine Geschwister: Klassisch ausgebildete Musiker. Und auch Fred Sturm interessiert sich für Klassik, studiert Trompete, Posaune und nimmt Kompositionsunterricht. Sein Onkel, ein Jazzorganist aus Chicago, spielt ihm Louis Armstrong vor, zudem besucht Sturm ein Konzert von Woody Hermann's Big Band – die Wende zum Jazz.

Nach Studien an der Lawrence University und der University North Texas tourt Sturm als Musiker und Komponist mit dem mitgegründeten Jazz-Nonett »Matrix« durch die Vereinigten Staaten. Als Leiter für Jazzstudien an die Lawrence University berufen, richtet er in kürzester Zeit einen Jazzstudiengang ein und führt das dortige Jazzensemble zu nationaler Berühmtheit. Anfang der 90er Jahre gelingt ihm dieses Kunststück erneut an der Eastman School: Unter seiner Leitung wird das Eastman Jazz Ensemble und das 70-köpfige Studio Orchestra von der Zeitschrift Down Beat mehrfach zu einem der herausragenden Klangkörper der USA und Kanada gewählt. Im Jahre 2002 wechselt Fred Sturm als Leiter der Abteilung Jazz und Improvisation zurück an die Lawrence University. Der Grammy-nominierte Fred Sturm ist ein viel gefragter Komponist und Arrangeur. Seine Werke werden unter anderem von Wynton Marsalis, Bobby McFerrin, Dianne Reeves oder Phil Woods aufgeführt.

Fred Sturm, Autor des Standardwerkes für Jazz-Arrangeure: »Changes Over Time: The Evolution of Jazz Arranging« arbeitet regelmäßig als Arrangeur und Gastdirigent der hr Big Band.
 

hr Big Band

hr-Big Band
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Manfred Roth (Bild: )
hr Big Band
Die hr Big Band steht wie kaum eine andere Big Band weltweit für Innovation und Vielseitigkeit. Sie entfaltet ihre Aktivitäten in einer breiten stilistischen Palette, die von den Wurzeln des Jazz über die bekannten Swing-Standards, anspruchsvolle Unterhaltungsmusik und Musicals, bis hin zu Avantgarde-Jazz und populärer Musik wie HipHop reicht. Weltmusik, spartenübergreifende Konzerte, wie Literatur und Jazz, Jazz und Film, Jazz und Tanz, sowie Kinder- und Weihnachtskonzerte sind weitere Projekte, mit denen die Big Band des Hessischen Rundfunks ein jeweils individuelles Publikum anspricht. Dabei wagt sich die hr Big Band immer wieder an ungewöhnliche Projekte heran und betritt oftmals musikalisches Neuland.

Chefdirigent des seit über 50 Jahren bestehenden Ensembles ist Jörg Achim Keller. Seine Philosophie, das ganze Spektrum der Band (und ihrer einzelnen Musiker) konsequent zu nutzen, also auch Nebeninstrumente wie Baritones, Tuben, diverse Flöten, tiefe Saxofone und Klarinetten regelmäßig einzusetzen, erschließt neue, oft sinfonisch anmutende Sound-Möglichkeiten. Dank ihrer vielfältigen musikalischen Arbeit ist die hr Big Band dabei heute ein unverzichtbarer Bestandteil des Kulturlebens in Hessen und darüber hinaus.
 

Rezensionen

»Garantiert kein Stillstand«

Drei Jahrzehnte Steely Dan, arrangiert für Big Band von Fred Sturm, featuring Ryan Ferreira an der E-Gitarre… Gitarrist Ryan Ferreira wurde in den 80er Jahren geboren und ist ein großer Fan von Steely Dan und Walter Becker. Er studierte an der Eastman School of Music und arbeitete mit Musikern wie Bobby McFerrin, Peter Erskine, Dave Holland und Kenny Wheeler. Neben dem Jazz gilt seine zweite große Leidenschaft der Rockmusik.

Und entsprechend wird man bedient, wenn man die meisten Bigband-Adaptionen der Steely-Dan-Klassiker anhört: eine kraftvolle Fusion, die die Logik einer einspurigen musikalischen Konzeption sprengt. »Black Friday« nimmt den Hörer auf eine Achterbahnfahrt in eine verschwenderische Jazzumgebung, negiert das ursprüngliche Rock-Element und transzendiert den Song auf neue, höhere Ebenen. Gerade wenn man soweit ist, die Metamorphose völlig zu akzeptieren, führt die Reise den Hörer wieder dahin, wo die Wurzeln des Rock in zeitgenössischer Erde ruhen, aber auf vertrautem Terrain. »Home at Last« tanzt wie ein Boot auf hoher See, wo der Nebel und die Kälte es in ein eigenes Universum einschließen, bis es langsam den Punkt ohne Wiederkehr erreicht. Sie werden nicht glauben, was passiert, sobald »Two Against Nature« in einer überraschenden Landschaft mit europäisch-lateinamerikanischen Zutaten ein leidenschaftliches Festgelage veranstaltet, während Sie nur wenige Sekunden zuvor nur knapp darum herum kamen, die Vorzüge von »Negative Girl« wegen seiner warmen, flüssigen und positiven Ausstrahlung zu analysieren. Die Stimmung in »Pretzel Logic« reflektiert einen echten Sinn für Melancholie und die Sehnsüchte einer einsamen Seele. Fred Sturm hat sich nicht nur mit der Musik, sondern auch mit den Texten der Songs befasst, und es gelingt ihm auf intelligente Art, deren Bildwelt in die Bigband-Arrangements zu übertragen.

Diese CD wird am besten laut abgespielt!

Mizar 5, 15/1/2005 – Übersetzung: J. Schwab

»Rockig-anspruchsvolle hochkarätige Bigband-Musik«

Besonders die Bigband-Formationen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten stehen seit geraumer Zeit für etwas ein, das hierzulande durchaus nicht selbstverständlich ist – eine sich selbstbewusst entwickelnde Bigband-Kultur. Überzeugend dokumentieren das einmal mehr die beiden vorliegenden Einspielungen der Bigbands des SWR und des hr. Und wenn man die Einspielungen im Vergleich hört, wird unmittelbar ohrenfällig, wie hier zwei doch deutlich verschiedene Versionen bzw. »Visionen« aktuellen Bigband-Sounds realisiert werden.

Auf der CD der SWR Big Band »No Time Like The Present« ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit Sammy Nestico zu hören, jenem großartigen »alten Herrn« unter den renommierten Bigband-Arrangeuren…

Stilistisch ganz anders ausgerichtet sind die Arrangements auf der CD mit der hr Big Band. Erfahren mit stil- und spartenübergreifenden Projekten, hat die Bigband des Hessischen Rundfunks mit der Entscheidung für den Arrangeur und Bandleader Fred Sturm einen wahren Glücksgriff getätigt. Das Album präsentiert Titel der überaus erfolgreichen amerikanischen Rockformation Steely Dan, hinter der sich das Komponisten-Duo Donald Fagen/Walter Becker verbirgt. Deren in den 1970er Jahren Furore machenden Erfolgstitel hat nun Fred Sturm (seines Zeichens Jazz-Dozent auch an mehreren US-Universitäten) in Bigband-Arrangements gesetzt, die absolut hörenswert sind. Sie führen in genialer Weise die Stilbereiche populären 1970er-Jahre-Rocks und innovativen Bigband-Sounds zusammen. Ins Ohr gehen da vor allen Dingen die ostinaten Bass-Grooves, die einen den meisten Stücken charakteristischen Drive sichern (etwa das shuffle-artige »Black Friday« von 1975, »FM« von 1978 über einem kreisenden Dreiton-Riff oder das Samba-beschwingte »The Goodbye Look« von 1982). Elf Titel insgesamt spannen einen historischen Bogen von »Do It Again«, seinerzeit Single-Auskoppelung aus dem Debüt-Album »Can't Buy a Thrill« (1972), bis hin zum Titelsong der mit vier Grammy Awards ausgezeichneten Produktion »Two Against Nature« (2000). Dankbar ist man übrigens für die informativen Kommentare, die das Booklet zu jedem Titel bereitstellt.

Rockig-anspruchsvolle hochkarätige Bigband-Musik vom Feinsten also – wozu nicht zuletzt auch der souveräne E-Gitarren-Part von Ryan Ferreira beiträgt. Wie überhaupt jede Menge (weiterer) Solisten zu hören sind und die Band höchst druck- und niveauvoll aufspielt. Sodass hier – man mag es als ausbalancierendes Gegengewicht zu der Einspielung der SWR Big Band werten – eher die individualistische, jazzigfreie Facette eines aktuellen Bigband-Sounds herausgestellt wird.

Gunther Diehl, Das Orchester, 07-08/2005
 
Redaktion: frne / anma
Letzte Aktualisierung: 12.02.2010, 18:57 Uhr
 
 

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