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Was Päpste einst verboten haben

Cecilia Bartoli: "Opera Proibita"

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Cecilia Bartoli hat wieder einmal in alten Archiven nach musikalischen Trouvaillen gesucht: Ihre neue CD nimmt sich die Zeit um 1700 in ihrer Heimatstadt Rom vor. Sie singt Arien, die damals verboten waren.
 

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Information

Cecilia Bartoli: "Opera Proibita"

von Georg Friedrich Händel
Decca (Universal) 2005
Erscheingsdatum: 12.09.2005
1706 oder heute – das ist keine Frage für die Römerin Cecilia Bartoli. Ein verstaubtes Museum betreten wir mit ihr jedenfalls nicht. Um den Wettstreit der übermütigen Jugend und der seriösen Entscheidungen im Hinblick auf das Alter geht es in einer Arie, und die ist heute so aktuell wie vor 300 Jahren.

Die Stadt Rom ist für Cecilia Bartoli auch in ihrer Jugend nie ein steinernes, nur in die Antike zurückweisendes Museum gewesen: "Rom ist eine barocke Stadt voller Überraschungen, in der Architektur, überall, in der Musik, in den Farben, sogar im Licht. Das ist unglaublich, tagsüber - und das ist definitiv auch nachts so," sagt sie.

Die CD mit dem römischen Programm trägt einen roten Stempel mit der Aufschrift „Opera Proibita“ und dieser Titel ist Programm. Alle Arien entstanden zu einer Zeit, da die Päpste die Oper verboten hatten, offiziell aus Dankbarkeit für das Ende der Pest und inoffiziell, weil das Leben hinter den Kulissen der Oper so unmoralisch geworden und schwer unter Kontrolle zu bringen war.

Und was war mit den jungen Komponisten wie Georg Friedrich Händel, Alessandro Scarlatti und Antonio Caldara, die in der Stadt zeigen wollten, was sie können, vor allem im Bereich des Gesangs? Man fand mit Hilfe einiger Kardinäle und Fürsten und einen Ausweg im Oratorium. Dieses war kürzer als die Oper, hatte oft biblische Texte und wurde in der Regel auch nicht in Szene gesetzt. Cecila Bartoli wollte ihr Programm in Szene setzen.

Mit einem Foto verweist sie auf die Doppeldeutigkeit des Programmes: die Sängerin trägt eine Art Priestergewand mit Hut und gewagtem Dekoltée – entworfen von Vivienne Westwood: eine eindeutige Anspielung auf Anita Eckbergs Filmszene in den Trevi-Brunnen aus „La Dolce Vita“.

Fellini entwirft in seinem Film von 1957 ein Bild einer versnobten High-Society, die sich in sinnentleerten Extravaganzen austobt. Er zeigt Menschen, die von ihrem luxuriösen Leben angeekelt sind und darin sieht Cecilia Bartoli eindeutige Parallelen zum barocken Rom von 1706: "Die Trevi-Brunnen sind die beliebtesten Brunnen des Barock in Rom und der Körper von Anita Eckberg erinnert irgendwie an eine Skulptur, von Bernini zum Beispiel, all this Kurven-Movements. Anita Eckberg trägt da ein Priestergewand und das passt perfekt zu einer Geschichte aus dem Oratorium 'L’Innocenza' von Caldara. Es geht um eine Frau, die ins Kloster gehen möchte und sich deshalb als Mann verkleiden muss. Jeder denkt, sie ist ein Priester. Und dann verliebt sich eine junge Frau in den vermeintlichen Priester 'Eugenius'. Sie sehen die Doppeldeutigkeit der Situation in diesem Oratorium. Man muss sich vorstellten, dass das damals auch noch von Männern, von Kastraten – gesungen wurde, die Frauen darstellten. Diese Vielschichtigkeit war unglaublich. Und dieses Foto zeigt die Mehrdeutigkeit der Situation."

Cecilia Bartoli liebt es, die Register und Rollen zu wechseln und sie zeigt alles, von innig zart bis rasend, von scheu bis wild, von verliebt bis wütend: "Die Musik ist wie ein Feuerwerk, man weiß nicht so recht, wohin die Stimme geht, wohin die Instrumente sie führen. So als würden sie fliegen und so ist es auch ein bisschen gemeint."

Atemberaubend sind für die Zuhörer die Stellen, an denen Cecilia Bartolis Stimme mit den Instrumenten wettstreitet. Sie steigert sich so hinein, dass man als Zuhörer von den Tönen mitgerissen wird. Und mit dieser Wirkung spielt sie. Die Musik soll uns in andere Dimensionen führen, im Konzert und beim Hören der CD.

"Die Bühne," sagt die Sängerin, "ist eine Welt aller menschlichen Gefühle, auf der Bühne ist man verletzlich, stark, man weint und man lächelt.
Man hat alle Gefühle und teilt sie mit dem Publikum, und empfängt eine unglaubliche Energie vom Publikum. Bühne, das ist beinahe etwas Heiliges, es liegt etwas Sakrales in der Luft, wir brauchen das, um uns aus dem Alltagsleben zu entfernen, es ist Nahrung für unsere Seele. Dies ist eine ideale Art zu fliegen und Musik nimmt Dich mit in diese unglaubliche Dimension."
 
Redaktion: nrc
Stand: 22.09.2005
 
 

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Das erfolgreiche CD-Label des hr, lange unter dem Namen »hr-musik.de« geführt, bietet interessante Musikproduktionen, die auf dem CD-Markt sonst nicht zu finden sind, aufgeteilt auf die Sublabels: / classic / jazz / now (Neue Musik) und / hessen. [mehr]
 

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