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¡Libertango! – Hommage an Astor Piazzolla

CD-Cover (Bild: )
Er war der revolutionäre Schöpfer des Tango Nuevo, ein begnadeter Musiker und Komponist, der in der Verbindung von Tango, moderner Klassik und Jazz die einst populäre Tanzmusik aus Argentinien weltweit neu popularisierte. Die hr-Bigband unter Chefdirigent Jörg Achim Keller stellt in ihrer Hommage die vielseitigen Facetten von Astor Piazzollas unvergleichlicher Musikerpersönlichkeit in neuen, einzigartigen Arrangements vor.
 
Enrique Tellería (Bild: )
Enrique Tellería

Information

Medieninfo

¡Libertango! – Hommage an Astor Piazzolla

hr Big Band

Enrique Tellería · Bandoneon
Jörg Achim Keller · Leitung

hr-musik.de /jazz
hrmj 014-02
15,- €

Booklet: 32 Seiten
deutsch/english/français
Gesamtdauer: 53:22

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Für den Bandoneonspieler Enrique Tellería ist Astor Piazzolla sein großes Vorbild – das steht fest. Ebenso steht fest, dass beide verblüffend ähnliche Biografien haben. Beide sind nicht weit voneinander geboren – Piazzolla in der Nähe von Buenos Aires, Tellería auf der anderen Seite des Rio de la Plata in Montevideo, der Hauptstadt von Uruguay. Dort lernt er auch zu einem späteren Zeitpunkt Piazzolla kennen. Wie Piazzolla macht Enrique Tellería seine ersten musikalischen Schritte auf dem Bandoneon, jedoch als Autodidakt. Und auch seine weitere musikalische Entwicklung zeigt Parallelen: Bei seinen ersten Konzerten als Solist muss Tellería feststellen, dass der Tango Nuevo, speziell die von ihm heiß geliebten Kompositionen Piazzollas dem Publikum in Uruguay nicht gefallen. Deshalb beschließt Tellería, das Bandoneon zu vernachlässigen und andere Instrumente wie Trompete und Saxofon zu spielen. Da ihn diese Situation künstlerisch jedoch nicht befriedigt, entscheidet sich Tellería nach längerer Überlegung, von Uruguay nach Spanien auszuwandern, und wird in Barcelona sesshaft. Hier findet Tellería das Publikum, das den Tango Nuevo und die Musik Piazzollas liebt. Er spielt auf den bekanntesten Festivals, wirkt alleine wie auch als Solist mit Orchestern und Chören bei zahlreichen Konzerten in ganz Europa mit und ist in Funk und Fernsehen künstlerisch bei zahlreichen Aufnahmen beteiligt. Zweifelsohne gilt Enrique Tellería heute zu Recht als einer der großen Interpreten von Piazzollas Musik. Christoph Stahl
 

Arrangeur Fred Sturm zur Auswahl der Edition

Titelliste:

1. Michelangelo
2. Milonga Del Angel
3. Tres Minutos Con La Realidad
4. La Camorra
5. Resurreción Del Angel
6. Milonga Loca
7. Mumuki
8. Zum
9. Libertango
Die Stücke dieser Produktion wurden sorgfältig aus einem riesigen Schatz von fast 3.000 Kompositionen Astor Piazzollas ausgewählt und umfassen die letzten drei Jahrzehnte seines Lebens. Ich arrangierte diese Stücke in der Hoffnung, die vielen Facetten von Piazzollas einzigartiger Kompositionskunst – seine formelle und strukturelle Kühnheit, sein abenteuerlicher rhythmischer Stil und sein einzigartiges melodisches und harmonisches Repertoire – auf einer einzigen CD darstellen zu können.

Piazzolla schuf den Tango Nuevo – den »neuen Tango«. Statt die vorhersehbaren rhythmischen Muster, das vertraute harmonische Vokabular und die einfachen Formen des traditionellen Tango zu verbinden, belebte Piazzolla die Form mit Einflüssen aus Klassik und Jazz. Seine Liebe zu Bach stimulierte die Verwendung des Kontrapunkts. Bartók, Berg, Copland, Prokofjew, Strawinsky und Villa-Lobos inspirierten seine Experimente mit Dissonanzen, kantigen Melodien, exotischen Timbres und fortschrittlichen formellen Konzepten. Gil Evans, Gerry Mulligan, Oscar Peterson, das Modern Jazz Quartet und das Stan Kenton Orchestra beeinflussten die Rhythmen, die harmonische Palette und die Verwendung der Improvisation in seinen Kompositionen. Dennoch verlor Piazzollas Tango Nuevo nie das Romantische, die Leidenschaft, Dramatik, Sexualität, Weisheit und Heftigkeit des traditionellen Tango. Ähnlich wie Duke Ellington, der die urtümliche amerikanische Kunstform des Jazz in die Konzertsäle brachte, erhob Piazzolla den argentinischen Tango zu einem festen Bestandteil in der Welt der Kunstmusik.

Fred Sturm
 

Rezensionen

»Die Freiheit des Tango«

Vom Tango sagt man, er sei ein trauriger Gedanke, den man tanzen könne. Zumindest früher, als es noch ums Ganze ging, um Leben und Tod nämlich und um die Liebe, unerfüllte, dramatische, sehnsüchtige Liebe. Glück kennt der Tango nur als etwas Verlorenes.
Selbst Astor Piazzolla, der große Mann des Tango Nuevo, wunderte sich manchmal darüber: »Ich amüsiere mich gerne, ich schätze guten Wein, gutes Essen, ich liebe das Leben. Eigentlich gibt es keinen Grund, dass meine Musik traurig ist.« Aber sie war es doch. Und Piazzolla wusste letztlich auch, wieso: weil der Tango nun mal traurig war. Als Piazzolla 1992 im Alter von 71 Jahren starb, hinterließ er ein gewaltiges ?uvre von fast 3000 Werken. Neun davon hat Fred Sturm für die hr Big Band arrangiert ? »in der Hoffnung, die vielen Facetten von Piazzollas einzigartiger Kompositionskunst auf einer CD darstellen zu können«. Das ist ihm nicht schlecht gelungen. Die hr Big Band jedenfalls entfaltet unter der Leitung Jörg Achim Kellers enorme Farbpracht, verwandelt sich in Melonga del Angel, dem heimlichen Hit der Platte, in einen blühenden, atmenden, ausladenden Organismus, fächert sich in halb impressionistisch schillernde, halb von amerikanischen Filmmusiken kündende Klangflächen auf, die dem Bandoneon Enrique Tellerias als wunderbares Fundament. dienen, um der Welt da draußen von Pathos und Schwermut zu erzählen.

An anderen Stellen zieht Keller das Tempo an, wirkt primär über die rhythmische Kraft und die perkussive Energie der dichten, präzisen Phrasen. In Resurreción del Angel berichten sie vom kontrapunktischen Erbe der Kunstmusik, das in vielen Stücken Piazzollas nachzittert, in Mumuki von der immensen lyrischen Tiefe seiner Musik. Und zum Schluss verbeugen sie sich vor seinem vielleicht berühmtesten Stück, das auch der CD ihren Namen gab: Libertango. Der Tango Nuevo von 1974 wollte nicht mehr nur die Trauer tanzen, sondern auch die Freiheit. So viel revolutionäres Utopie-Potenzial war in Musik einmal üblich.

gor, Frankfurter Rundschau, 23.04.03


»homegrown«

Auf dem Label des Hessischen Rundfunks, hr-musik.de, ist gerade die von der hr Big Band eingespielte CD »¡Libertango! ? Hommage an Astor Piazzolla« erschienen. »Die Stücke dieser Produktion wurden sorgfältig aus einem riesigen Schatz von 3.000 Kompositionen Astor Piazzollas ausgewählt und umfassen die letzten drei Jahrzehnte seines Lebens«, schreibt der für diese Aufnahme verantwortliche Arrangeur Fred Sturm in den Liner Notes. Unter der Leitung von Jörg Achim Keller variieren die Mitglieder der Rundfunk-Big-Band bekanntere und unbekanntere Piazzolla-Themen und präsentieren diese mit kraftvollen Solochorussen und geschmeidigem Satzspiel. Und diesen Sound holt der Bandoneon-Virtuose Enrique Tellería mit seinem Instrument nach Argentinien zurück

Martin Laurentius, Jazz thing 49/2003, Juli/August


»Gekonntes Modellieren der Kühnheiten«

Es gibt nicht allzu viele Jazz-Big-Band-Adaptionen Piazzolla'scher Werke, viel häufiger trifft man auf sinfonische Bearbeitungen aus dem klassischen Bereich. Umso größeres Interesse sollte diese Hommage der Big Band des Hessischen Rundfunks unter der Leitung von J. A. Keller an den Tango-Erneuerer finden, an welcher der 1992 verstorbene Maestro sicher sein Wohlgefallen gehabt hätte. Denn diese Einspielungen sind sehr stimmige, gekonnt arrangierte, souverän und mit hohem Identifikationsgrad interpretierte Jazzbearbeitungen von relativ bekannten Vorlagen Piazzollas und keine routinierte Aufgabenerfüllung eines Allroundorchesters. Das Ensemblespiel ist sehr kompakt und mit den für Piazzolla so wichtigen dynamischen Abstufungen, Klangschattierungen und sensiblen Detailausleuchtungen. Unter den durchweg engagierten, solistischen Beiträgen (Jörg Engels, tp, Rainer Heute, bs, Harry Petersen, ss, Peter Reiter, p, Günter Bollmann und Peter Feil, tb, Matthias Haus, marimba, Tony Lakatos, ts) ragt der Gastsolist Enrique Tellería als Bandoneonspieler hervor. Er verleiht der Thematik die typische Klangfarbe und bittersüße Stimmung.

Dass er ein sensibel-inspirierter Könner seines Faches ist, ist am verführerischsten hörbar in der Milonga del angel. Keller führt das Orchester feinnervig von der zartesten Geste bis zum drallen, volltönenden, gleichwohl scharf konturierten und akzentuierten Tutti (z.B. in La Camorra oder Zum), vom lieblichen Pastell einer melancholischen Melodie über schrillkühne harmonische Reibungen bis zum dissonanten Aufschrei. Mit der für ein Jazzorchester diesen Ranges nicht anders zu erwartenden rhythmischen Elastizität und Wendigkeit werden die subtilen dramaturgischen Bausteine des »Hitchcocks der konzertanten Tango-Musik« nachgezeichnet und ihnen packende Passagen jazzmäßiger Themenbearbeitung hinzugefügt ? wohl entworfen und begrenzt von den Arrangeuren Fred Sturm (8) und Wolf Kerschek (1). Improvisiert wird nur in den solistischen Beiträgen, es gibt keine kollektiven Freiheiten, keine neuen Kühnheiten, sondern das gekonnte Modellieren der Kühnheiten der Vorlagen in das Jazzidiom. Die Vorlage bleibt immer in Sichtweite. Wenn man so will: Das Konzept ist in der konventionellen Bigband-Tradition verankert, das musikalische Geschehen wirkt stets homogen und geschlossen, sehr form- und dramaturgiebewusst.

Die Repertoireauswahl Sturms ist sehr attraktiv, natürlich darf das programmatische Stück Libertango als Sinnbild von Piazzollas Vision des befreiten Tango nicht fehlen ? nur: Sturm erwähnt selbst, dass er aus einem Fundus von etwa 3000 Kompositionen schöpfen konnte; wann wagt es endlich einmal jemand das weniger oder gar unbekannte Material des Tangozauberers zu bearbeiten?

Gerhard Litterst, Jazz Podium 10/2003


»Gutes aus Hessen«

Im Reigen der deutschen Rundfunkorchester hat die hr Big Band sich durch hohes Niveau und stilübergreifende Vielseitigkeit einen ausgezeichneten Namen gemacht. Unter Leitung von Kurt Bong (1989--1999) und Jörg Achim Keller (seit 2000) erspielte sie sich mit anspruchsvollen Projekten internationales Renommée. Eine feine CD-Serie auf dem sendereigenen Label des Hessischen Rundfunks lässt jetzt einige beachtenswerte Arbeiten der letzten Jahre noch einmal Revue passieren? Bei »¡Libertango!« liegt der Reiz darin, den Tango Nuevo des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla mit einer Jazz-Big-Band aufzuführen. Als Solisten auf dem Bandoneon konnte man mit dem Uruguayer Enrique Tellería einen der großen Interpreten von Piazzollas Musik gewinnen. Bei der Auswahl achtete man auch auf die »Engel«-Kompositionen »Michelangelo«, »Milonga del angel« und »Resurrección del angel«.

Berthold Klostermann, Fono Forum, 02/2004
 
Redaktion: nrc / anma
Letzte Aktualisierung: 12.02.2010, 18:55 Uhr
 
 

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