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Überwältigende Bilderfülle

William Claxton "Jazzlife"

William Claxton (Bild: Len Prince / Taschen Verlag)
William Claxton
Im Jahr 1960 waren der Fotograf William Claxton und der Musikwissenschaftler Joachim Berendt in den USA unterwegs auf der Suche nach dem Jazz. Ergebnis ihrer Reise war ein wunderbarer Fotoband, heute ein Sammlerstück, der nun in einer Neuauflage erscheint.
Bewertung
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Im Oktober 1959 erhielt der New Yorker Fotograf William Claxton einen überraschenden Anruf aus Deutschland. Ein ihm unbekannter Jazzforscher aus Deutschland wollte ihn für ein besonderes Projekt zur Erforschung Amerikas "größter Kunst, des Jazz" gewinnen. Der Deutsche war niemand anderer als Joachim Ernst Behrendt, Musikwissenschaftler und Mitbegründer des Südwestfunks. Einige Monate später, im Sommer 1960, nahm das Projekt Gestalt an, in Form einer dreimonatigen Reise durch die USA, vom Norden in den Süden, in den Westen und zurück. In einem gemieteten Chevrolet Impala folgten sie den Spuren des Jazz, suchten die legendären Orten seiner Entstehung ebenso auf wie seine damals aktuellen Zentren.
 

Ausschnitt Buchcover (Bild: Taschen Verlag)

Information

William Claxton "Jazzlife"

Hardcover, slipcase
552 Seiten, € 49.99
ISBN 978-3-8365-0868-1
Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch
Taschen Verlag
September 2008

Dabei beschränkte sich das Interesse von Berendt keineswegs auf die großen Künstler des Jazz. Auch Gospelchöre, Straßenmusiker und musizierende Gefängnisinsassen weckten sein Interesse. So entstand ein großartiges Kaleidoskop amerikanischer Musikkultur in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Berendt und Claxton entdeckten einen Reichtum, von dem selbst die Amerikaner nichts ahnten, hatte man ihnen doch noch in New York von der Reise abgeraten, weil es abseits des Big Apple keinen nennenswerten Jazz zu hören gäbe.

Überwältigend ist die Fülle und die Qualität der Bilder, die so lebendig von einer vergangenen Epoche erzählen, dass man sich ins New Orleans oder ins Hollywood der 60er Jahre versetzt fühlt. Behrendts kenntnis- und detailreiche Kommentare sind in deutscher, englischer und französischer Sprache abgedruckt. Der dadurch notwendige kleine Schriftsatz macht sie etwas mühsam zu lesen, aber das ist in Anbetracht des Preis/Leistungsverhältnisses dieses Prachtbandes zu verschmerzen.
 

Wunderbare Anekdoten

Die Originalausgabe erschien zuerst 1961 im Burda-Verlag. Für seine Neuausgabe hat der Taschen-Verlag mit William Claxton zusammengearbeitet und den Band um vorher noch nie gezeigte Farbfotos ergänzt. In einem ebenfalls neuen, ausführlichen Vorwort schildert der im Oktober 2008 verstorbene Fotograf die Reise aus seiner Sicht. Während Berendt zum Dozieren neigt - "er konnte endlos über Amerikas bedeudentste Kunstform erzählen", formuliert Claxton leicht amüsiert - deckt das Vorwort die Geschichten hinter den Fotos auf. Wunderbare Anekdoten kommen so ans Tageslicht: wie der farbenblinde Berendt die Ampeln in South Carolina falsch liest, wie die beiden im Gefängnis ohne Wächter zu den Schwarzen Schwerverbrechern geschickt werden, wie ein sturzbetrunkener Jack Teagarden mitten in der Nacht ein Chili zubereitet - in der falschen Wohnung. So erfahren wir auch endlich, dass die berühmten Bilder einer nachmittäglichen Swimming-Pool-Session kurzbehoster Jazzmusiker um Horace Silver gestellt waren, um Berendts Vorstellung der Hollywood-Szene zu entsprechen. Die meisten Musiker bemerkten indes, sie seien noch nie so früh am hellichten Tag in der Nähe eines Swimming-Pools gewesen.
 

Liebe zum Jazz

Doch sind die Bilder zu Ikonen geworden, wie so viele andere, an denen das Auge beim Durchblättern hängen bleibt: Portraits von Art Pepper, Ornette Coleman, Mahalia Jackson, Duke Ellington und vielen anderen, die an ihrer momentanen Wirkungsstätte oder zum Teil auch in überraschender Szenerie abgelichtet wurden. Aus allen Bildern spricht die Liebe zum Jazz und die persönliche Nähe Claxton und Berendt zu seinen Protagonisten. Dieses Buch lädt zum Blättern ebenso ein wie zum Schmökern. Es macht einfach Freude.

Vorgestellt von Jürgen Schwab
 

Fotograf und Autor

William Claxton (1927-2008) begann seine Karriere mit dem Fotografieren für Jazzplatten-Cover. Seine Aufnahmen von Chet Baker, Charlie Parker, Duke Ellington, Dizzy Gillespie, Billie Holiday und vielen mehr haben mittlerweile Kultstatus und machen deutlich, warum Claxton seit mehr als fünf Jahrzehnten als der herausragende Jazzfotograf gilt. Aufträge erhielt er von vielen der größten Verlagshäuser, z.B. von Magazine Life, Paris Match und Vogue. Claxtons Arbeiten werden weltweit in Galerien ausgestellt und die Sammler von Kunstfotografien reißen sich um Abzüge seiner Fotos. Er starb am 11. Oktober 2008 in seiner Heimatstadt Los Angeles.

Joachim E. Berendt war Gründungsmitglied des Südwestfunks und produzierte mehr als 250 Platten. 1953 veröffentlichte er Das Jazzbuch, das zum weltweit erfolgreichsten Werk über Jazzgeschichte wurde. Seine Sammlung von Platten, Büchern und Jazz-Dokumenten wurde die Basis des Jazzinstituts Darmstadt. Berendt kam im Jahr 2000 bei einem Unfall ums Leben; seine Verdienste um den Jazz werden bis heute international anerkannt. (Quelle: Verlag)
 
Redaktion: nrc
Bilder: © Len Prince / Taschen Verlag (1), © Taschen Verlag (1)
Stand: 15.06.2009
 

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