Die Ideen des schwedischen Botanikers und Mediziners Carl von Linné (1707 - 1778) führten damals zu so etwas wie einer "sexuellen Revolution" in der Botanik: Er verglich den Aufbau von Blüten nach der Beschaffenheit der Fortpflanzungsorgane und Blütezeit und schuf somit eine wissenschaftliche Systematik, die bis heute in der Botanik ihre Gültigkeit hat. Was der Mann, der in seinem Leben nie über Schweden hinauskam, da sah, beschrieb er ebenso deftig wie poetisch: "Einige Blüten werden von Liebe getrieben, ihre Narbe weit zu öffnen, wie ein wilder Drache, verlangend nach nichts anderem als dem Pollen des Staubblatts." Das mag schon damals auf freigeistige Blumenliebhaber wie ein Aphrodisiakum gewirkt haben, aber die meisten seiner Landsleute verprellte Linné. Man schrieb das 18. Jahrhundert, und der Gedanke, beim Riechen an einer Blume seine Nase an ein Sexualorgan zu halten, mag die meisten Zeitgenossen schlichtweg überfordert haben, auch wenn die Sexualorgane der Pflanzen wie Linné schrieb nicht so stinken wie die von Tieren, sondern den Menschen mit Wohlgerüchen umhüllen.
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