Bis zum Horizont, dann links fliegen die Rentner bei ihrer Flugzeugentführung.
Die Haut schlägt Falten, das Gehör lässt nach. Altwerden ist nichts für Feiglinge. Wie eine Gruppe aufmüpfiger Rentner damit umgeht, zeigt der Film "Bis zum Horizont, dann links!" mit einer beeindruckenden Riege an bekannten Darstellern.
"Best Exotic Marigold Hotel" und "Und wenn wir alle zusammenziehen?" haben es vorgemacht, wie Filme mit viel Augenzwinkern und Charme ganz neue Perspektiven für das aufregende Leben im Alter aufzeigen können. Und jetzt die deutsche Version "Bis zum Horizont, dann links!" mit Angelica Domröse, Otto Sander, Anna Maria Mühe, Tilo Prückner, Robert Stadlober, Ralf Wolter und Herbert Feuerstein.
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Bernd Böhlich inszeniert ein Kammerspiel, in dem der widerborstige Otto Sander seine "Mitinsassen" aus dem Altersheim darüber demokratisch abstimmen lässt, ob sie den Flieger, alte Ju, die ihre junge Altenpflegerin (Anna Maria Mühe) für einen Rundflug gebucht hat, nun ans Meer entführen oder nicht. Was für eine Frage.
Coole Actionflime mit jugendlichen Helden waren gestern. Die Seniorenkomödie ist das Genre der Saison. Kein Wunder. In Zeiten der mit "demografischen Veränderungen" freundlich umschriebenen fortschreitenden Vergreisung unserer Gesellschaft sehen wir alle unsere Zukunft doch lieber als renitente Rentner statt als senile Senioren, gütige Großmütter oder phlegmatische Pflegefälle.
Trailer zur Verfügung gestellt von Filmtrailer.com
Oma muss ins Altersheim. Der Umzug soll ihr schmackhaft gemacht werden: "Schade, dass heute so schlechtes Wetter ist. Wenn die Sonne scheint, ist es bestimmt ganz toll hier." Eine deutsche Komödie, die mit fast britischem Humor daherkommt. So etwas ist selten. "Diese Sache, die beschäftigt mich schon eine geraume Zeit", sagt Hauptdarstellerin Angelica Domröse, "weil das ja auch Thema der Gesellschaft ist: Wohin mit den Alten? Und ich kriege immer so einen kleinen Stich, wenn ich so sage: Mensch, schmeißt uns doch alle in den Müll."
"Da hilft nur trainieren, trainieren, trainieren"
Information
"Bis zum Horizont, dann links"
Komödie, Deutschland 2012
Regie: Bernd Böhlich
mit Otto Sander, Angelica Domröse, Ralf Wolter, Marion van de Kamp, Us Conradi, Monika Lennartz, Herbert Feuerstein, Anna-Maria Mühe, Barbara Morawiecz, Tilo Prückner, Robert Stadlober, Hannes Stelzer, Stephan Grossmann, Gabriela Maria Schmeide, Steffi Kühnert, Herbert Köfer
Kinostart: 12. Juli 2012
Der Film ist herrlich selbstironisch, was vor allem an den herausragenden Schauspielern liegt. Fast alle, die seit vierzig Jahren Rang und Namen haben, sieht man wieder in diesem Altersheim. In seinen besten Momenten macht dieser Film vergessen, dass Altwerden eigentlich kein Spaß ist. "Da hilft nur trainieren, trainieren, trainieren", sagt Otto Sander. "Hab ich mir gedacht. Da muss man gegen an. Immer gegen an... Wenn die Zähne nicht mehr mitmachen und der Kiefer nicht mehr mitmacht. Die Muskeln, die muss man dann in Gang halten. Anders gehts nicht. Glaube ich."
Liebe oder Einsamkeit
Wenn es mit der ungestümen Körperlichkeit nicht mehr weit her ist, muss auch die Liebe neu gefunden werden. Ansonsten bleibt nur die Einsamkeit.
Angelica Domröse: "Diese Geschichte hier, die läuft über Blicke. Und nun kann ich mich gut erinnern, dass der Anfang also so mit 15, 16, 17 hat es eigentlich auch erst nur Blicke gegeben. Die haben dir den Schlaf geraubt. Und dass es auch wieder so endet..."
"Ich arbeite noch daran"
Bei einem Ausflug brechen die aufmüpfigen Rentner dann aus. Sie entführen ein Flugzeug. "Bis zum Horizont, dann links!" Doch bis die Alten dort ankommen, gibt es einige Längen. Schade. Vor allem, weil das Thema die Schauspieler selbst beschäftigt. Davon würde man gerne mehr sehen.
Otto Sander macht sich Gedanken, "wie es mit dem Altwerden ist und ob ich auch einmal ins Altersheim komme. Und wie ich damit umgehe mit dem Altwerden. Das hat mich dazu immer mehr angeregt, ja."
Frage: "Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?"
Otto Sander: "Noch zu keinem. Ich arbeite noch daran."
"Jetzt sind die anderen dran"
Dafür zeigt der Film ganz nebenbei, dass die Welt nicht stehen bleibt. Nicht im Leben und nicht im deutschen Kino. Und das ist schön zu sehen. "So schwer es ist, die Staffel abzugeben", so
Angelica Domröse, "aber wir haben nun mal unsere Zeit gehabt und jetzt sind die anderen dran. Es ist nur leichter gesagt als getan."
Doch bis es endgültig soweit ist, ist ja noch Zeit. Zum Glück. Denn so können wir in diesem Sommer mit den Alten vergnüglich in den Süden fliegen.