Michael Verhoeven will keine Filme mehr über das Dritte Reich drehen - so der renommierte Regisseur, der Schülern im Rahmen der SchulKinoWochen Hessen seinen letzten Film "Der unbekannte Soldat" gezeigt hat.
Michael Verhoeven hat wie kaum ein anderer in seinem Werk "immer wieder politische Themen auf die Leinwand gebracht, sich dabei vor allem mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt und mit seinen Filmen wiederholt Diskussionen oder sogar Skandale ausgelöst," beschreibt filmportal.de den deutschen Regisseur. Gerade seine im Jahr 2006 fertig gestellte Dokumentation "Der unbekannte Soldat - Der Krieg der Bilder" hat die Zeit des Nationalsozialismus zum Thema. Zentrale Frage des Film ist, ob der gemeine Soldat am Massenmord beteiligt war. Verhoeven sammelte Originaldokumente, führte Interviews mit Soldaten und Überlebenden, dokumentierte den Streit zwischen Befürwortern und Gegnern der Wehrmacht-Ausstellung und lässt Historiker zu Wort kommen.
Als er am 29. März 2007 sein Werk im Deutschen Filmmuseum Frankfurt vor Schülern zeigte, überraschte Verhoeven: "Das Dritte
Reich steht mir bis hier," sagte er. Recherche und Umsetzung für "Der unbekannte Soldat - Der Krieg der Bilder" dauerten sieben Jahre. Dabei habe er das Thema längst "ablegen" wollen.
Aufforderung zur Skepsis
Vielleicht mögen dem streitbaren Filmer bei der Veranstaltung in Frankfurt leise Zweifel gekommen sein. So richtig aufmerksam schienen die rund 70 Schüler aus 10., 11. und 12. Klassen von Gesamt-, Real- und Berufsschulenwährend des Films über die Wehrmacht nicht zu sein, jedenfalls nicht so, wie der Regisseur sich das gewünscht hatte. "Sie könnten dem Irrtum verfallen, dass Sie das nichts angeht", ermahnte der 68-Jährige die Zuschauer, von denen viele aus Zuwanderer-Familien stammten. "Die Lektion von heute lautet mindestens: Was ich lese, was ich sehe, das muss nicht stimmen. Skepsis ist eine gute Lehre."
Doch nachdem die ersten Anlaufschwierigkeiten vorüber waren, stellten die Schüler dann noch noch ernsthafte Fragen. Sie wollten wissen, was ein Partisan ist oder wie sich der Regisseur erklärt, dass Menschen zu solchen Verbrechen fähig sind. Einer der Gründe, antwortete Verhoeven, sei vielleicht gewesen, dass es damals keine Medien-Vielfalt gegeben habe.
Die Frage eines Lehrers, wie sich die Schüler Rechtsradikalen gegenüber verhalten sollen, beantwortete Verhoeven mit dem Rat, lieber politisch zu kämpfen als auf der Straße. "Ich würde sagen: Schaut, dass Ihr weg kommt!" Ein Verbot der NDP hält Verhoeven für "Schwachsinn". "Sie können die Menschen ja nicht mit verbieten."