Marcus Off (l.) ist eine der Stimmen von Hollywoodstar Johnny Depp (Montage: hr).
Haben Sie sich schon mal gewundert, warum sich Johnny Depp auf Deutsch dauernd anders anhört? Er hat mehrere deutsche Synchronsprecher. Einer davon ist der Schauspieler Marcus Off. Er erzählt, wie schwierig es war, Jack Sparrow zu sein.
Marcus Off ist Film- und Theaterschauspieler, vielen dürfte er durch seine Rolle als Philipp "Phil" Seegers in der "Lindenstraße" bekannt sein. In den ersten drei Teilen des Hollywood-Blockbusters "Fluch der Karibik" war er die deutsche Stimme von Johnny Depp alias Captain Jack Sparrow - und das war eine ziemlich komplizierte Arbeit, erzählt er in "hallo hessen".
Marcus Off wurde in Überlingen geboren. In München und New York wurde er zum Schauspieler ausgebildet. Er war unter anderem an Theatern in München und Dortmund, einem breiten Fernsehpublikum ist er durch Rollen in der "Lindenstraße", bei den "Rosenheim Cops" oder "SOKO 5113" bekannt.
Als Sprecher lieh er unter anderem Antonio Banderas in "Verschleppt" oder Ralph Fiennes in "Der ewige Gärtner" seine Stimme.
Ursprünglich sollte er Johnny Depp auch im vierten Teil von "Fluch der Karibik" sprechen. Allerdings kam es zu Honorarstreitigkeiten mit Disney.
Depps Sprachführung sei ungeheuer schwierig gewesen, so Off: "Es war ein langes Rumprobieren, um da einen Weg zu finden, bis es komisch wurde, bis es auch im Deutschen gepasst hat." Auch in Depps neuem Film "The Rum Diary" ist Off wieder dessen deutsche Stimme. Und auch diesmal war das Synchronisieren schwierig, was vor allem an Depps Schauspielerqualitäten liege: "Der Johnny Depp ist schon ein außerordentlicher Schauspieler", sagt Marcus Off. "Es gibt Szenen, wo er und seine Kollegen betrunken sind oder auf LSD. Es ist schon schwierig, sich da reinzufinden."
Nicht jeder geeignet
Dass er nicht alle Filme von Johnny Depp synchronisiere sei normal, sagt Off. "Die meisten prominenten Schauspieler haben heutzutage mehrere Sprecher", erzählt er. Nicht jeder Sprecher sei zum Beispiel für jedes Genre geeignet. Dann gebe es finanzielle Hintergründe, oft sei es auch eine Frage der Verfügbarkeit. In ganz seltenen Ausnahmen setze ein Originalschauspieler einmal durch, dass er in einem Land nur von jeweils einem Gegenpart gesprochen werden - zum Beispiel Clint Eastwood.
Wie bei Schauspielerjobs auch gebe es Sprecher-Castings. "Da wird man eingeladen, macht eine kleine Szene und dann entscheiden die Verleiher", berichtet Off. "Manchmal entscheiden aber auch die Produzenten selbst. Dann wird das Material nach Amerika geschickt und der Regisseur oder die Produktionsfirma sagen, wen sie gerne hätten."
Auf der Straße werde er nicht auf Johnny Depp angesprochen, schmunzelt Marcus Off: "Das passiert ganz selten." Er spreche privat einfach anders. Er selbst kenne den Hollywoodschauspieler auch nicht, man treffe sich sehr selten.
Nur noch der Kopf sichtbar
Im Normalfall brauche man als Sprecher eine Schauspielausbildung, sagt Off. Anders könne man sich nicht in die jeweilige Figur hineinversetzen: "Man muss Dinge einfach spielen. Wir spielen es als Synchronschauspieler zwar nicht mit dem Körper, aber mit der Stimme. Wir haben das Bewusstsein, wie man das umsetzen kann. Warum hat er das so gespielt?"
Bevor er seine Szenen synchronisiert, muss er eine Verschwiegenheitsklausel unterschreiben, erzählt Off weiter. Manche Filme dürfe er gar nicht vollständig angucken, die würden aus dem Tresor geholt, dann spreche er seine Szenen, dann verschwinde der Film wieder. Inzwischen gebe es sogar Filme, bei denen er nur noch den Kopf des Schauspielers sehe dürfe - sonst gar nichts mehr. "Da ist man dann schon sehr auf den Regisseur und die Hilfe der Kollegen angewiesen."