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29.11.2012

"The Artist Is Present"

Marina Abramović riskiert ihr Leben

Marina Abramović bei den Filmfestspielen in Venedig (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Marina Abramović bei den Filmfestspielen in Venedig
Sie peitscht sich aus, ritzt sich die Haut auf, legt sich auf Eis: Die weltbekannte Performance-Künstlerin Marina Abramović geht an Grenzen. Jetzt kommt ein beeindruckender Dokumentarfilm über sie in drei hessische Programmkinos.
 
Sendungslogo
New York, 2010, Museum Of Modern Art. Ein außergewöhnliches Kunstwerk ist hier zu sehen: Eine Frau auf einem Stuhl. Sie sitzt da und schweigt. Museumsbesucher dürfen Platz nehmen ihr gegenüber. Und sie? Ist einfach da, drei Monate lang, 7 1/2 Stunden täglich, ohne aufzustehen.
 

Szenen aus "The Artist is Present" 

Plakat zum Film
 
Klicken Sie auf ein Bild, um in die Galerie zu gelangen (5 Bilder)
 
Und alle dürfen ihr in die Augen schauen. 700.000 Menschen wollten sie sehen – Marina Abramović war die begehrteste Person in New York: "Vierzig Jahre lang musste ich mir anhören", sagt sie, "ich sei wahnsinnig und gehöre ins Irrenhaus mit meiner Kunst. Und auf einmal diese Anerkennung."

"The Artist Is Present - die Künstlerin ist anwesend" hieß diese Aktion und heißt auch der Dokumentarfilm dazu. Das Portrait einer Frau, die an Grenzen geht.


Trailer zur Verfügung gestellt von Filmtrailer.com


"Meine Mutter hat mich nie geküsst"

Schon in den 70er Jahren schockt Abramović das Publikum. Nackt rennt sie gegen Säulen. Ihr eigener Körper ist das Material, mit dem sie arbeitet. Stets geht es um Verletzungen, Gewalt. Was treibt sie an – diese undurchschaubare Künstlerin? Einmal erstickt sie fast, als sie sich in ein brennendes Pentagramm aus Holz legt.

Warum macht sie dennoch immer weiter? Sie ist die Tochter von serbischen Nationalhelden, ehemaligen Partisanen unter Marschall Tito - wurde schon als Kind gedrillt: "Meine Mutter hat mich nie geküsst, nie im Arm gehalten", erinnert sich die Künstlerin. "Meine Kindheit bestand aus Drill und Pünktlichkeit. Ich wurde zum Soldaten erzogen, ohne Liebe, aber ich hatte eine liebevolle Großmutter, die sehr gläubig war. Ich wuchs also auf mit dieser seltsamen Mischung aus kommunistischer Disziplin und Spiritualität. Das machte mich zu dem, was ich heute bin."
 

Geschlechterkampf

Information

"The Artist is Present" (USA 2012)

Regie: Matthew Akers
Laufzeit: 105 Minuten

Im Kino:
Mal seh'n Frankfurt
ab 29.11.2012

Bali Kassel
ab 9.12.2012

Caligari Wiesbaden
ab 15.1.2013
Das war zu sehen im Museum of Modern Art und auch in diesem Film. Ihr Lebenswerk. Und dazu gehört auch ihre Liebesgeschichte mit Ulay. Der Mann ihres Lebens. Performance-Künstler wie sie selbst. Die ganz große Liebe. Zwölf Jahre lang waren sie ein Paar. Leidenschaftliche Küsse, Geschlechterkampf – Kunst und Leben waren eins. Sie tourten durch Europa, ohne Geld. Lebten in einem Bus. In New York wurde er zum Museumsstück.

"Die Zeit in diesem Bus war die glücklichste meines Lebens", sagt Marina Abramović. "Es war alles, was ich wollte: Arbeiten mit dem Mann, den ich liebte. Radikal und ohne Kompromisse."
 

"Ich komme an meine Grenzen – sogar ich"

Einer der Höhepunkte der New Yorker Schau - die Kamera hat ihn festgehalten: Ulay ist gekommen. Die erste Begegnung seit der Trennung vor 22 Jahren. Ulay ist der Einzige, den die Künstlerin während der drei Monate berührt: "Ich komme an meine Grenzen – sogar ich."

Durch diesen beeindruckenden Film werden wir Zeugen: die Besucher spüren, dass etwas Außergewöhnliches mit ihnen passiert. Es ist wie ein Sog. Stille. Einhalten. Sich fallen lassen.

In den letzten Tagen der Schau erlebte das MOMA einen nie dagewesenen Ansturm. "The Artist is Present - Die Künstlerin ist anwesend". Mehr brauchte es nicht. "Ist das Kunst?" wurde Abramović im Laufe ihres Lebens immer wieder gefragt. Die Frage erübrigt sich, wenn man den Film gesehen hat. Es spielt einfach keine Rolle mehr.

Bericht: Hilka Sinning
 
Redaktion: nrc
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 29.11.2012, 11:52 Uhr
 
 

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