Anja Silja, früher die "deutsche Callas" genannt, ist auf den Bühnen der Welt unterwegs und glänzt mit darstellerischem Ausdruck. Und das mit 72 Jahren. Jetzt tritt sie an der Frankfurter Oper in Prokofjews Oper "Der Spieler" auf.
Information
"Der Spieler"
Oper Frankfurt
Willy-Brandt-Platz
Die nächsten Aufführungen:
20.01., 15.02., 17.02., 22.02., 24.02.
Vor 20 Jahren sang sie zuletzt an der Frankfurter Oper. Jetzt spielt sie hier die forsche alte Dame, auf deren schnellen Tod und große Erbschaft alle anderen verzweifelt warten, um ihre Spielschulden loszuwerden. Sie stellt eine Frau dar, die etwas in Bewegung bringt, eine, die mit ihrer Direktheit das ganze Intrigen-und Lügenspiel um sie herum entlarvt.
Wo Anja Silja auftritt, steht sie sofort im Mittelpunkt, und das seit 62 Jahren: "Es gibt keine Sängerin auf dieser Welt, die in meinem Alter überhaupt noch singt", sagt sie. In Prokofjews Oper "Der Spieler" ist die große Sopranistin jetzt wieder an der Oper Frankfurt zu erleben, selbstbewusst, energisch - wie immer: "Ich bin jetzt 72, das dürfen Sie ruhig sagen."
"Kontrast zu den völlig verrückten Typen"
Mit 17 sang sie als weltweit jüngste Opernsängerin die Partie der "Königin der Nacht" so mühelos, als wärs ein Kinderlied. Jetzt mit 72 ist sie die älteste Opernsängerin weltweit und spielt in Frankfurt eine steinreiche Tante, hinter deren Geld alle her sind facettenreich und stark: "Es geht mir nie ums Singen. Es geht mir immer um die Charakterisierung der Rolle und das ist schon eine interessante Figur als Kontrast zu den völlig verrückten Typen, die da wirklich nur korrupt und nur auf Geld und Schein aus sind."
"Da habt ihr euch aber sehr geschnitten"
Umgeben von lauter Spielsüchtigen, die endlich ihre Schulden loswerden wollen - eine Paraderolle für Anja Silja. Als forsche alte Dame zwingt sie die Erbschleicher, ihre Masken fallen zu lassen: "Sie weiß ja, dass alle auf ihren Tod warten und das ist ein Überraschungsmoment, den sie ganz bewusst genießt, und dann sagt, tja, da habt ihr euch aber sehr geschnitten, da bin ich, und ich denke gar nicht daran, zu sterben."
Die "Kindertrompete" von Bayreuth
Als junges Mädchen hatte sie eine starke Stimme, man sprach von der "deutschen Callas" Bayreuth-Chef Wieland Wagner nannte sie eine "Kindertrompete". Doch Anja Silja war nie ein Wunderkind. Behutsam und ohne Drill wurde ihre Stimme entwickelt, von ihrem Großvater, der selbst ein Sänger war: "Mein Großvater hat mir das wirklich spielerisch beigebracht, so zwischen Tür und Angel, dazwischen habe ich wieder gespielt, und er hat mir immer die Stücke auch ganz genau erklärt, Wagner und die Nibelungen hauptsächlich und die Sagen usw. und darauf dann die Musik aufgebaut, dann auch viele Gedichte gelesen, ich habe auch viel Gedichte rezitiert, das war also die Vorstufe zum Singen, so hat er das gemacht, wie man Musikunterricht auf hohem Niveau eigentlich geben sollte."
Der zweite wichtige Mann in ihrem Leben wird Wieland Wagner. Mit 20 holt er sie nach Bayreuth, der Beginn ihrer Weltkarriere und einer großen Liebesbeziehung. Wagner fördert die junge Frau, die geradezu unverschämt selbstverständlich singt. Eine Sensation damals.
"Oper ist einfach gesungenes Schauspiel"
"Jetzt ists aber genug mit dieser Vergangenheitsarie", schmunzelt die Sängerin.
Zurück in die Oper Frankfurt: Anja Silja singt nicht mehr so wie mit 20, aber das muss sie auch gar nicht. In dieser Oper geht es vor allem um psychologisch ausgefeilte Dialoge und das gefällt ihr: "Oper ist einfach gesungenes Schauspiel, sollte es sein, eine Überhöhung des gesprochenen Wortes, aber es geht nicht darum, dass man lange Fermaten hält, tolle Arien singt, große Töne singt und die dann ewig anhält, also das ist nicht das, was für mich Oper ist."
Den Konflikt in diesem Stück löst die Erbtante übrigens auf radikale Weise: Alle wollen ihr Geld, also verspielt sie es beim Roulette. Ein Auftritt mit Nachhall! Das war schon immer so - bei der großen Anja Silja