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14.03.2013

Zum Tod von Rosemarie Fendel

"Die Menschen zum Lachen bringen"

Rosemarie Fendel, hier bei der Premiere des Fernsehfilms "Das Adlon. Eine Familiensaga" in Berlin am 17.12.2012  (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Rosemarie Fendel, hier bei der Premiere des Fernsehfilms "Das Adlon. Eine Familiensaga" in Berlin am 17.12.2012
Sie wollte eher ein Clown sein als eine Dame und wollte sich in die Herzen der Menschen spielen. Das ist der zierlichen Frau mit der unverwechselbaren rauchigen Stimme in vielen Rollen gelungen: Die Schauspielerin Rosemarie Fendel ist am Mittwoch im Alter von 85 Jahren in Frankfurt gestorben.
 

Radio

"Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand"

hr1 sendet das Hörspiel nach dem Bestseller von Jonas Jonasson in zwei Teilen an Pfingsten (19./20.05.) jeweils um 22.05 Uhr.

Es ist die letzte Produktion mit Rosemarie Fendel. Sie spricht die "Amanda". In weiteren Rollen sind Matthias Habich, Marion Breckwoldt, Charly Hübner, Christian Redl, Walter Renneisen und andere zu hören.

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Dies teilte das Management von Rosemarie Fendel am Donnerstag mit. Mit Trauer ist in der ARD die Nachricht vom Tod der beliebten
Schauspielerin aufgenommen worden. "Rosemarie Fendel ist mit dem Fernsehen groß geworden und das Fernsehen mit ihr. Sie war eine der ganz großen Schauspielerinnen, die ihrer Berufung bis zu ihrem Lebensende nachgehen konnte. Für die ARD hat sie mit ihrer besonderen Präsenz große Spielfilme geprägt genauso wie viele Serien, vom 'Großstadtrevier' über den 'Polizeiruf 110' bis hin zu 'Pfarrer Braun'. Sie wird uns fehlen. Mein Mitgefühl gilt ihrer Tochter und der Familie", sagte der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor am Donnerstag.
 

Rosemarie Fendel und ihre Rollen 

 
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Die Fendel weiß ganz genau, was sie will

Video: Rosemarie Fendel gestorben 3:48 Min
(© hr | hessenschau, 14.03.2013)
Ob auf der Theaterbühne oder vor der Kamera: Auf den ersten Blick wirkte die Schauspielerin Rosemarie Fendel zart, fast zerbrechlich. Doch der erste Eindruck, ihre zierliche Gestalt und ihre rauchige, leicht brüchige Stimme täuschten. Wer genau hinsah, spürte fast körperlich eine Energie und eine Intensität, die schnell deutlich machte: Die Fendel weiß ganz genau, was sie kann und was sie will – auf der Bühne und Leinwand und auch schon sehr früh im wahren Leben.

"Ich habe eine eigene Theatergruppe gehabt, als Kind schon", erzählte sie in einem Interview. "Ich habe Stücke geschrieben und habe sie dann inszeniert, habe auch gespielt und wollte immer Schauspielerin werden. Und dann kriegte ich, das war so kurz nach dem Krieg, ein Buch in die Hand, und da waren Bilder von berühmten Schauspielerinnen drin. Da hat mir eine besonders gut gefallen: Maria Koppenhöfer. Und da habe ich mir vorgenommen: Zu der gehst du und von der lernst du."
 

Vorsprechen in der Küche

Gesagt, getan. Obwohl Maria Koppenhöfer zunächst skeptisch gewesen sein soll, ließ sie die junge Abiturientin Rosemarie vorsprechen: "In der Küche dieser Wohnung hat sie mir gesagt, ich soll ihr doch mal was zeigen. Und ich hatte gar nicht gewusst, dass man da was vorsprechen muss. Ich hatte nur eine Vorliebe, das war die Adelma aus der Turandot. Das habe ich ihr vorgesprochen, dann habe ich noch ein Liedchen gesungen, das hieß Das Lämpchen brennt so trübe, es fehlt ihm an das Fett. Dem Jüngling, wo ick liebe, dem ist schon längst im Bett, tuü tura turallalla."
 

Lernen am Bühnenrand

Video: Rosemarie Fendel 26 Sek
(© hr, 05.06.2012)
Rosemarie Fendel überzeugte ihr Vorbild Maria Koppenhöfer von ihrem Talent und lernte das Handwerkszeug fortan auf ganz besondere Art und Weise: "Mein Unterricht fand eigentlich so statt, dass ich mit ins Theater lief und ich das halt mitgekriegt habe, das Theaterproben und so. Und so kam ich zu dem Blumenmädchen, noch gar nichts könnend und noch immer sie anhimmelnd. Eigentlich lernt man dabei mehr, als wenn man in eine Schule geht."
 

Vom Blumenmädchen bis Willy Lomans Frau

Ihre Schule war das Theater: 1946 debütierte Rosemarie Fendel als Blumenmädchen in Giraudeaux' "Die Irre von Chaillot" an den Münchner Kammerspeilen. Es folgten Engagements in Tübingen, bei Gustaf Gründgens in Düsseldorf, in Darmstadt und in Frankfurt. Dort spielte sie an den Städtischen Bühnen auch reifere Rollen wie die der Gutsbesitzerin in Tschechows "Kirschgarten", die Mutter in Strindbergs "Der Pelikan" oder Linda, die Ehefrau von Willy Loman in Millers Erfolgsstück "Der Handlungsreisende".
 

"Da guckt mich die alte Fendel wieder an"

So unterschiedlich ihre Rollen waren, so facettenreich war ihr Spiel, mal sanft und liebevoll, mal aggressiv und kratzbürstig. Diese Wandlungsfähigkeit wurde immer auch in ihrer Stimme hörbar, die sie nach der Geburt ihrer Tochter, der Schauspielerin Susanne von Borsody, und ihrem vorläufigen Rückzug von der Theaterbühne immer häufiger Hörspielproduktionen und Kolleginnen lieh, unter ihnen Anni Girardot, Jeanne Moreau oder Elizabeth Taylor.

Also, ich synchronisiere für mein Leben gern, erzählte sie, wenn es so tolle Frauen sind. Bei der Liz Taylor zum Beispiel, dann stehe ich da – ich bin ja so ein Aff‘, dann kriege ich diese wunderschönen blauen Augen und dieses kleine Näschen, während ich da spreche. Da bin ich jedes Mal enttäuscht, wenn ich mal raus muss und guck in den Spiegel und da guckt mich die alte Fendel wieder an.
 

Talent als Geschenk

Die sogenannte "alte Fendel" kokettierte für ihr Leben gern. Dazu gehörte aber auch, dass sie aus ihrem Talent und ihrer Popularität als Schauspielerin, Synchronsprecherin, Drehbuchautorin, Theaterregisseurin und Schauspiellehrerin nie eine große Sache machte. "Kann man was für sein Talent", fragte sie. "Kann man nichts, ist doch ein Geschenk vom lieben Gott, nicht? So Leute, die dann da so überschnappen, kann ich eigentlich gar nicht verstehen."
 

Zum Lachen bringen

Übergeschnappt ist die gebürtige Rheinländerin, die Menschen vor allem zum Lachen bringen wollte, nie. Und so wundert es nicht, dass die kleine, energische Frau, die sich eher als Clown denn als Dame sah, sich bis zum Schluss in den Dienst ihrer Leidenschaft stellte.

Rosemarie Fendel bleibt uns durch ihre Filme und Lesungen in Erinnerung. Ihre unverwechselbare Energie, ihre Intensität beim Spielen und ihre große Leidenschaft für alles, was sie tat, werden uns fehlen.

Ein Beitrag von Anna Engel in hr2-kultur
 
Redaktion: nrc
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 19.03.2013, 17:05 Uhr
 
 

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