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"Faust" am Schauspiel Frankfurt

Geiler Teufel gegen Turbo-Talker

Edgar Selge aus Faust (Bild dpa)
Edgar Selge aus Faust
Ein Parforce-Ritt im Theater: Regisseur Jan Bosse hat seinen "Faust" runter von der Bühne geholt. Und plötzlich ist ein alter, bildungsbefrachteter Schinken ein Stück, das uns wieder nahe geht. Die Entrümpelung ist geglückt.
 

"Faust I" von Johann Wolfgang von Goethe

Gastspiel Deutsches Schauspielhaus Hamburg
schauspielfrankfurt
Großes Haus
18., 19., 20. Mai 2005
jeweils 19.00 Uhr
Edgar Selge, der "Faust", gibt einen Altachtundsechziger, zottelig, betont unschick, hochtrabend in den Erwartungen, aber verklemmt, verhemmt, wenn es zur Praxis kommt. Voller Zweifel und auf der Suche nach Erkenntnis. Nicht unbedingt so, wie man sich einen älteren Herren vorstellt - "eher einen Turbo-Talker mit eingebautem Hyperventilator" (DER SPIEGEL).

"Ich glaube," sagt Selge, "an diesem Faust reizt mich zunächst einmal der unglaubliche Versprachlichungszwang, unter dem diese Figur steht. Es ist jemand, der ständig reden muss, sprechen muss, sein Leben rauscht von ihm weg, wie ihn sein Sprechen, seine Gedanken von ihm selber wegreißt."

Runter von der Bühne

Das "Schauspiel aller Schauspiele": Jan Bosse hat Goethes „Faust“ als Kammerspiel inszeniert, ganz ohne historische Kulisse. Die Bühne ist mitten im Parkett und das Publikum sitzt drum herum.
 

"Man kann das nicht auf einer Guckkastenbühne machen," sagt der Regisseur. "Ich will das als Zuschauer nicht sehen und will das nicht inszenieren müssen: wie eine Walpurgisnacht aussieht oder eine Hexenküche aussieht, wenn man die illustriert und wenn’s da tatsächlich eine Hexe gibt oder 100 Statisten, die Hexen und Teufel spielen auf Besen! Das finde ich den Untergang."
 

Teuflische Wünsche

Der Teufel tritt bei Jan Bosse in vielerlei Gestalt auf vom geilen, schmierigen Altrocker bis zum gefallenen Engel. Saugt dem Faust das Blut aus, mit dem dieser den Pakt unterschreiben soll - mit einem brutalen Kuss. Mephisto hat ein Ziel: er will den Faust. Mephisto hat seine Freude, ihn zu scheuchen. Und wo Faust früher seinen Gedanken hinterher jagte, ist er nun beständig auf der Suche nach dem "richtigen" Leben, dem Erleben.

 

Gastspiel am Schauspiel

Hochgelobt ist die Inszenierung des "Faust" von Jan Bosse, die vor einem Jahr Premiere hatte am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg - dort, wo legendäre Faust-Inszenierung von Gustaf Gründgens stattfand, bis heute ein Meilenstein deutscher Theatergeschichte.

Jetzt kommt die Inszenierung als Gastspiel ans Schauspiel Frankfurt und wird an drei Abenden gezeigt. »Wild bewegt und wagemutig hautnah… Regisseur Jan Bosse und sein Team spielten auf volles Risiko und teilten kräftig nach allen Seiten aus. Am Ende hingen Publikum und Schauspieler glücklich erschöpft in den Seilen…« (SPIEGEL-online)



 
Redaktion: nrc
Stand: 12.05.2005
 
 

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