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Sensation

Handexemplare des Grimmschen Wörterbuchs in Krakau gefunden

Gipsbüsten der Gebrüder Grimm im Kasseler Brüder Grimm-Museum, vorgestellt 2002 von Museumsleiter Bernhard Lauer. (Bild:  dpa)
Gipsbüsten der Gebrüder Grimm im Kasseler Brüder Grimm-Museum
Die Krakauer Jagiellonen-Bibliothek wurde für einen Brüder-Grimm-Forscher zur Fundgrube: Alan Kirkness hat dort neun Handexemplare des Deutschen Wörterbuchs von Jacob und Wilhelm Grimm aufgespürt, die seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen galten.
 

Die Fachwelt spricht von einem "sensationellen Fund": Vor kurzem hatte der neuseeländische Germanist Alan Kirkness bekannt gegeben, er habe neun Handexemplare des Deutschen Wörterbuchs von Jacob und Wilhelm Grimm in der Krakauer Jagiellonen-Bibliothek entdeckt. Die Bände sind mit handschriftlichen Notizen versehen und wurden seit über 60 Jahren vermisst.

Bernhard Lauer, Direktor des Kasseler Brüder Grimm-Museum, freute sich: "Das ist ein toller Fund», sagte er, nachdem ihn der Direktor der Krakauer Bibliothek ihn informiert hatte. "Der Fund ermöglicht einen tieferen Einblick in die Arbeit der Brüder Grimm am deutschen Wörterbuch."
 

Teil der "Beutekunst"

Dass Kirkness ausgerechnet in der bedeutendsten polnischen Universitätsbibliothek fündig wurde, verdankt er seiner wissenschaftlichen Detektivarbeit. Denn die Grimmschen Bände befanden sich in guter Gesellschaft von mehr als vier Millionen Büchern, Drucken und Handschriften, die die Bibliothek beherbergt. Darunter auch die sogenannte Berlinka aus den Beständen der Preußischen Staatsbibliothek Berlin, die während des Zweiten Weltkriegs zunächst nach Breslau ausgelagert wurden. Nach Kriegsende wurden die Berliner Bestände mit ihren wertvollen Handschriftensammlungen in die Sammlungen der Jagiellonen-Bibliothek integriert. Bis heute sind sie Teil der "Beutekunst"- Debatte, die immer noch nicht beendet ist.
 

Verbleib als Wiedergutmachung

Jahrzehntelang stritten sich die beiden Staaten um die "Berlinka", was die deutsch-polnischen Kulturbeziehungen erheblich trübte. Polen sah im Verbleib der kostbaren Sammlung eine Art Wiedergutmachung für die Kriegsschäden, die Zerstörungen polnischer Kultur durch die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg und den Raub polnischer beziehungsweise polnisch- jüdischer Kunstschätze.
 

Eine 30-jährige Suche

30 Jahre lang hatte Alan Kirkness nach den Bänden gesucht. Er habe dauernd und sehr konkret nachgefragt, berichtete Kirkness in einem den Brüdern Grimm gewidmeten Internetforum. "Im späten September 2005 teilte eine Mitarbeiterin der Jagiellonen- Bibliothek in Krakau überraschend mit, dass die Handexemplare nach Restaurierung der Forschung in der Handschriftenabteilung der Bibliothek wieder zugänglich gemacht würden."

Jetzt hofft die Fortschergemeinde auf weitere Entdeckungen. Viele Schriften und Drucke, die als verschollen gelten, könnten angesichts dieser Erfolgsgeschichte auch mehr als 60 Jahre nach Kriegsende nicht ausgeschlossen werden.
 
Redaktion: nrc / vemo
Bild: © dpa
Stand: 18.01.2006
 
 

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