Zum 39. Mal ist das Stadtschreiberamt von Bergen-Enkheim vergeben worden: Der Autor von "Flughunde" und "Kaltenburg", Marcel Beyer, hat die Ehrung erhalten, weil er "ein Fährtensucher und Entdecker" ist.
Information
Preisverleihung
31. August 2012
Festzelt auf dem Berger Marktplatz
Festrede: MarianneLeuzinger-Bohleber, Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts
Die "Tiefe und die Dramaturgie seines umfangreichen Werks sowie die Sprache" haben die Jury überzeugt, heißt es in der Begründung zur Preisvergabe. Der 46-Jährige werde als "meisterlicher und gewissenhafter Erzähler" ausgezeichnet. In seinem umfangreichen Werk erweise er sich als "Fährtensucher und Entdecker in historischen und geografischen Räumen".
"Sprachliche Akkuratheit, gedankliche Durchdringung des Themas, hohes dramaturgisches Vermögen verstehen sich bei diesem Autor wie
von selbst", erklärte die Jury, der unter anderem Peter Härtling angehört. Beyer schaffe eine Literatur der Tiefe und untersuche das Verhältnis von Macht, Wissenschaft und Technologie in der jüngeren deutschen Geschichte.
Romane und Essays, Literatur- und Musikkritiken
Marcel Beyer, 1965 im baden-württembergischen Tailfingen geboren, wuchs in Kiel und Neuss auf und lebt mit seiner Familie bei Dresden. Nach einem Literatursutdium an der Universität Siegengab er ab 1989 dort mit Karl Riha die Reihe "Vergessene Autoren der Moderne" heraus. Drei Jahre lang arbeitete Lektor an der Literaturzeitschrift "Konzepte" und schreibt für die Musikzeitschrift "Spex". 1996 und 1998 war er "Writer in residence" am University College London und an der University of Warwick in Coventry. Er lehrte an der European Graduate School in Saas-Fee. Im Frühjahr 2008 wurde er zum "Writer in Residence" am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin-Dahlem ernannt. Beyer ist Mitglied des P.E.N.-Zentrums Deutschland.
Longlist und Villa Massimo
Marcel Beyer ist bereits mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem 1997 mit dem Uwe-Johnson-Preis und 2001 mit dem Heinrich-Böll-Preis. 2008 stand er mit seinem Roman "Kaltenburg" auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis und erhielt 2010 das Stipendium der Deutschen Akademie Rom in der Villa Massimo.
Zu den bekanntesten Werken des gehören "Das Menschenfleisch", "Flughunde" und "Kaltenburg". In diesem Jahr erschien "Putins Briefkasten".
Das Stadtschreiberamt
Der Preisträger kann nicht nur die Summe von 20.000 Euro in Empfang nehmen, sondern darf auch ein Jahr in dem historischen Stadtschreiberhaus des Frankfurter Stadtteils Bergen-Enkheim wohnen. Der Preis, der seit 1974 vergeben wird, gilt als angesehenster Stadtschreiberpreis im deutschsprachigen Raum.
Zu den Stadtschreibern der vergangenen Jahrzehnte gehören Autoren wie Wolfgang Koeppen, Jurek Becker, Herta Müller, Wilhelm Genazino, Friedrich Christian Delius, Peter Kurzeck, Katharina Hacker, Uwe Timm und zuletzt Thomas Lehr.