Der Frankfurter Schriftsteller Wilhelm Genazino wird mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor ausgezeichnet. Er bekommt ihn für seine "ironische Erzählprosa zwischen heiter und melancholisch".
Zur Begründung der Preisvergabe an den 1943 in Mannheim geborenen Genazino erklärte der Stiftungsrat, damit werde ein Autor geehrt, dessen Werk zugleich gesellschaftskritisch und poetisch sei und als "hervorragendes Beispiel literarischer Komik" zu gelten habe. Wilhelm Genazinos ironische Erzählprosa beobachte so heiter wie melancholisch, zu welchen Zumutungen Arbeit, Liebe, Alter, Körper oder auch Kunst durch Fremdbestimmung würden.
Lehrer für Existenzkunst
Weiter befand die Jury: "Darüber hinaus haben diese Texte mit ihrer feinsinnigen und makellosen Sprache die Kraft der Verwandlung. Sie transformieren das Unzulängliche, das Peinliche oder die Langeweile subtil zur inneren Erfahrung einer komischen Empfindung. Das ist die Magie in Wilhelm Genazinos literarischer Schule der Besänftigung. Hier unterrichtet er uns bezauberte Leser meisterhaft in seinen Fächern Existenzkunst, Enttäuschungspraxis, Sehnsuchtsabbau, Fremdheitsüberlistung und Hoffnungsclownerie."
Für Wilhelm Genazino ist der Kasseler Literaturpreis eine weitere wichtige Auszeichnung in seiner langen Liste der Ehrungen. Stadtschreiber von Bergen war er schon (1996/97), den Kranichsteiner Literaturpreis (2001) und den Fontane-Preis (2003) durfte er bereits entgegennehmen und Büchner-Preisträger ist Genazino obendrein (2004).
Zu den bisherigen Trägern des Kasseler Preises zählen unter anderem Loriot, Robert Gernhardt, Gerhard Polt und 2011 Ulrich Holbein. Die Laudatio bei der Preisverleihung im Februar wird Regisseurin Marlene Breuer halten. Sie produzierte 2010 für den Hessischen Rundfunk ein großes Autorenporträt als Hörspiel mit dem Titel "Genazinos Museum".