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27.08.2012

50 Jahre Pardon

Ein teuflisch böses Blatt

Pardon-Titelbild aus dem September 1968: 'Die Pille enthemmt - nehmen Sie sie!' Zu sehen ist eine nackte Frau, die auf den Schultern eines Arztes sitzt. (Bild:  picture-alliance/dpa)
Pardon-Titelbild aus dem September 1968: 'Die Pille enthemmt - nehmen Sie sie!'
Frech, geistreich und provokativ - 1962 schlug eine neue Zeitschrift in Deutschland ein wie eine Bombe. Das Satireblatt "Pardon" begeisterte die Massen und brachte seine Kritiker zur Weißglut. Franz Josef Strauß etwa zog 18 Mal erfolglos vor Gericht.
 
Ein kleines Teufelchen lupft eine Melone. Vor 50 Jahren von 1962 bis 1982 war der satirische Teufel das Markenzeichen von Deutschlands innovativer Satirezeitschrift "Pardon". Noch lag die Adenauerzeit wie Blei in den Köpfen der Zeitgenossen. Aber Anfang der 60er wollte ein Frankfurter Team um Friedrich Karl Wächter, Hans Traxler, F.W. Bernstein, Robert Gernhardt und anderen frischen Wind durch subversive Witze schaffen - denn die Zeit verlangte nach einer kritischen Analyse.
 

Provokation! Gerne mit nackter Haut 

 
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Das erste Titelbild der Ausgabe vom 27. August 1962 gestaltet Loriot. Ein bunter Blumenstrauß mit Bombe und Lunte. Robert Gernhardt meinte rückblickend: "Ich habe sehr früh angefangen bei 'Pardon' mitzuwirken, aber als ich das erste Heft in Händen hatte, da waren die Autoren mir nur zu Teilen bekannt. Aber ich merkte: Da geht was Neues los. Da wird eine Sprache gesprochen, da werden Witze gemacht, da werden Pointen gesetzt, auf die ich gewartet hatte."
 

Größte Satirezeitschrift Europas

Nicht nur er! Ende der 60er hatte 'Pardon' mit etwa 300.000 verkauften Exemplaren und geschätzten 1,5 Millionen Lesern enormen Publikumserfolg. Sogar größte Satirezeitschrift Europas durfte sie sich nennen.

In der 'Pardon' erschienen nicht nur trockene Witze und peppige Kalauer. Die Zeitschrift war in vielen Bereichen der Humorproduktion innovativ und trug Deutschlands Satireniveau wieder auf internationalen Standard. Vorbilder waren auch nicht der "Simplicissimus" oder andere einheimische Satireblätter. Die Redaktion schaute über den großen Teich zum berühmten "New Yorker" und anderen Weltgrößen des Witzes.
 

Geld statt Backpfeifen für seine Frechheiten

Audio: Innovative Humorproduktion 3:32 Min
(© Mario Scalla, hr, 27.08.2012)
Das Logo des Teufels mit der Melone stammte aus der Feder des noch unbekannten Karikaturisten Friedrich Karl Wächter. "Ich habe die Zeit bei 'Pardon' hauptsächlich deshalb so genossen, weil ich davor in der Schule brav und angepasst war. Nun machte ich plötzlich die Erfahrung, für das wofür ich in der Schule noch Ohrfeigen bezog, bei 'Pardon' geliebt zu werden und dafür auch noch Geld zu bekommen."

Die monatlich erscheinende Satirezeitschrift schaffte es immer wieder, die Republik zu empören und zum Lachen zu bringen. Einer der Gründe für den enormen Erfolg war sicher der illustre Kreis an Autoren wie Hans Magnus Enzensberger, Erich Kästner, Günter Wallraff und Martin Walser.

Bitterböse Aktionen treffen den Nerv der Zeit

Legendär jedoch auch viele der frechen Aktionen, die der Redaktion damals in den Sinn kamen. Darunter das Aufstellen einer Günter-Grass-Büste in der Regensburger Walhalla. Für Streit sorgte auch eine Persiflage auf die Jägermeisterwerbung. In der Pardon-Version ist ein Mädchen mit einem Likörglas zu sehen. In einer Sprechblase steht: "Ich trinke Jägermeister, weil mein Dealer zur Zeit im Knast sitzt." Skandal!
 
Pardon wird zum Kultblatt der 68er-Generation - absurd, anarchisch, geistreich, frech. Kein Wunder, dass Kritik und Klagen nicht auf sich warten ließen und so gab es zahlreiche juristische Auseinandersetzungen. Franz Josef Strauß etwa verklagte die Pardon 18 Mal – und verlor jede seiner Klagen, denn in Hinblick uf die Tatsachen hatte das Blatt immer wasserdicht recherchiert.
 

Krise, Krach und Untergang

In den 70er Jahren allerdings kam die Krise. Die Teilhaber der Pardon trennten sich, es gab inhaltliche Differenzen innerhalb der Redaktion und 1979 wurde von einigen ehemaligen Mitarbeitern das Konkurrenzblatt Titanic gegründet. Drei Jahre später kam das Aus für Pardon.

Nach 50 Jahren haben die vielen kleinen Satireteufel ihren Platz in der Humorgeschichte der Republik sicher. Ohne die Pardon wäre es in Deutschland nicht so lustig gewesen. Und ohne die Pardon hätte es auch die Titanic nicht gegeben. Das ist viel Ehre für eine große Zeitschrift.

Mit Informationen aus einem Beitrag von Mario Scalla

 
Redaktion: cawo
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 27.08.2012, 12:10 Uhr
 
 

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Maori (Bild:  picture-alliance/dpa)

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