Die Schriftsteller Frank Witzel und Pete Smith sind am Mittwoch mit dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet worden. Der eine "sprachlich virtuos", der andere so dialogsicher, dass man seinen Roman "zu Ende lesen möchte", so das Urteil der Jury.
Witzel erhält die Ehrung für sein Romanprojekt "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969", Smith für sein geplantes Werk "Endspiel".
Der Staatssekretär für Wissenschaft und Kunst, Ingmar Jung, überreichte den mit insgesamt 24.000 Euro dotierten Preis im Frankfurter Theater Willy Praml in der Naxoshalle. Mit dem Geld soll den Preisträgern die Umsetzung ihrer literarischen Projekte ermöglicht werden.
"Sprachlich virtuos und wagemutig"
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Robert-Gernhardt-Preis
Der Preis ist mit insgesamt 24.000 Euro dotiert und wird seit 2009 vergeben. Bisherige Preisträger sind unter anderen Peter Kurzeck, Andreas Martin Widmann und im vergangenen Jahr Thomas Gsella und Matthias Göritz.
"Das Preisgeld hat bisher literarische Projekte ermöglicht, die sich sehen und vor allem lesen lassen können. Der Robert Gernhardt Preis ist also nicht nur ein großherziges Geschenk an Autorinnen und Autoren, sondern auch an uns Leser", sagte Jung.
Witzel, 1955 in Wiesbaden geboren, beschäftigt sich in seinem neuen auf 1.000 Seiten angelegten Romanprojekt mit den 1960er Jahren der Bundesrepublik aus der Sicht eines Dreizehnjährigen. Die Jury lobte seine "sprachliche Virtuosität und den Wagemut", bekannten Geschichten durch eine außergewöhnliche Erzählperspektive verblüffende Elemente abzugewinnen. Witzel hatte zuletzt den Roman "Vondenloh" (2008) und gemeinsam mit anderen Autoren den Essay-Band "Die Bundesrepublik Deutschland" (2009) veröffentlicht.
Laudator dankt für "überraschende Entscheidung"
Smith (Jahrgang 1960), der in Frankfurt lebt, hat zuletzt die Werke "So voller Wut" (2009) und "Arm sind die anderen" (2011) veröffentlicht. In dem nun ausgezeichneten Roman erzähle er spannend und mit genauer Beobachtungsgabe "von der folgenreichen Begegnung eines jungen, fußballbegeisterten Geschichtswissenschaftlers im Weltmeisterschaftssommer 2010 mit einer älteren Dame", erklärte die Jury. Sie wählte Smith und Witzel unter 82 Bewerbungen aus.
"Wollen Sie nicht beide Geschichten zu Ende lesen?" fragte der Frankfurter Literaturwissenschaftler und Kritiker Martin Lüdke in seiner Laudatio das Publikum und gratulierte der Jury zu ihrer "auf den ersten Blick vielleicht überraschenden Entscheidung".
Gezielt Autoren aus Hessen fördern
Der 2009 erstmals verliehene Robert-Gernhardt-Preis soll Autoren aus Hessen die Verwirklichung größerer literarischer Projekte ermöglichen. Die Auszeichnung ist nach dem 2006 in Frankfurt gestorbenen Autor, Zeichner und Maler Robert Gernhardt benannt.
Das Preisgeld wurde von der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen gestiftet. Jurymitglieder sind die Autorin Eva Demski, der Literaturkritiker Christoph Schröder (beide Frankfurt) und der Literaturwissenschaftler Karl Heinz Götze (Aix-en-Provence).