Der Streit zwischen den Suhrkamp-Gesellschaftern Unseld-Berkéwicz und Barlach geht weiter. Nun hat Hans Barlach in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" die Berufung einer neuen Geschäftsführung gefordert.
Hintergrund
Hans Barlach gehören 39 Prozent des Verlags, die restlichen 61 Prozent hält die Ulla Unseld-Berkéwicz, Witwe des langjährigen Firmenpatriarchen Siegfried Unseld und zugleich Geschäftsführerin des Verlags. Das Berliner Landgericht hatte auf Antrag Barlachs die Abberufung von Unseld-Berkéwicz verfügt, weil sie bei der Anmietung von Eventräumen für den Verlag Geschäftliches und Privates vermischt haben soll. Sie will zunächst das Ergebnis des Berufungsverfahrens abwarten.
Beide Seiten sollten sich zusammensetzen und auf einen Geschäftsführer verständigen, sagte der 57-jährige Medienunternehmer der Zeitung am Donnerstag. Allerdings müsse die Familienstiftung von Ulla Unseld-Berkéwicz ihre Klage, ihn als Gesellschafter auszuschließen, zuvor zurücknehmen. Er erwarte sich davon eine Entschärfung der Situation.
Ebenso hat Barlach die Auflösung der Gesellschaft beantragt. Er sehe darin die "Chance für einen Neuanfang", weil dann keiner mehr die Mehrheit hätte. Der Geschäftsführer müsste dann das Kommanditkapital am Markt anbieten. "Dann könnte Frau Unseld-Berkéwicz Suhrkamp-Anteile kaufen, ich könnte das tun oder ein Dritter. Der Verlag an sich bliebe erhalten."
500 Euro Umsatz
Gleichzeitig warf Barlach der Verlegerin Missmanagement vor. "Es ist jedenfalls kein Betriebsunfall der Geschäftsführung, dass dieser Verlag wirtschaftlich nicht so gut dasteht wie andere Verlage", sagte er. Dabei holte er auch zu einem Seitenhieb aus: "Frau Unseld-Berkéwicz hat zwölf Bücher geschrieben, die in siebzehn Sprachen übersetzt sind. Der Verlag hat mit diesen Büchern 2010 fünfhundert Euro Umsatz gemacht und 2011 achthundert Euro."
Keine Minute bleiben
Droht, den Verlag zu verlassen: Hans Magnus Enzensberger
Bereits am Mittwoch erklärte Suhrkamp-Autor Hans Magnus Enzensberger in der Wochenzeitschrift "Die Zeit", dass er den Verlag verlassen wolle, sollte Barlach ihn in Zukunft führen. Barlach habe sich nie programmatisch über den Verlag geäußert und wolle nur "vorhandene Copyrights" ausschlachten, so Enzensberger. "Da werden die Autoren nicht mitmachen."
Der Philosoph Jürgen Habermas, früheres Mitglied im Stiftungsrat des Verlages, hofft auf eine gütliche Lösung. Der Verlag bringe etwas hervor, was nicht beschädigt oder zerstört werden dürfe, sagte er am Mittwoch in Düsseldorf auf einer Pressekonferenz zum Heine-Preis.