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17.12.2012

Grimm-Kongress

Es war einmal... ein Kongress in Kassel

Das Denkmal der Brüder Grimm in Kassel (Bild:  picture-alliance/dpa)
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Die Brüder Grimm wussten, dass ihre Märchen aus Frankreich und Italien stammten.
Sie kommen aus Japan, Neuseeland, Ägypten oder Russland, aus Deutschland auch: 240 Wissenschaftler beschäftigen sich seit Montag mit einem der größten Longseller der Geschichte - mit den Märchen der Brüder Grimm, die so gar nicht hessisch sind.
 

Hintergrund

Der Kongress ist Auftakt für das Grimm-Jahr, denn 2013 jähren sich zudem die Todestage von Jacob Grimm (20. September) und dem "Malerbruder" Ludwig Emil Grimm (4. April) zum 150. Mal.
Fast jedes Kind kennt wohl Grimms Märchen, und das nicht nur in ihrem Entstehungsland Deutschland, sondern weltweit. Nun hat die Kasseler Universität zu dem "bislang weltgrößten" Grimm-Kongress eingeladen, bei dem es um die Erzählungen der berühmten Brüder Grimm geht.

Aber nicht nur darum: Die internationale Geisteselite befasst sich auch mit der politischen Bedeutung der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm sowie deren Sprachforschung, sagte die Kongresspräsidentin Claudia Brinker-von der Heyde zum Auftakt.
 

Promis und ihre Lieblingsmärchen 

 
Klicken Sie auf ein Bild, um in die Galerie zu gelangen (8 Bilder)
 

Von der Poetik bis nach Hollywood

Video: Wissenschaftskongress über Grimms Märchen 2:47 Min
(© hr | hessenschau, 17.12.2012)
Auch der Märchenforscher Holger Ehrhardt, der an der gastgebenden Universität Kassel lehrt, bestätigte, dass der Schwerpunkt zwar auf den Märchen liege: "Aber alle Bereiche kommen zum Tragen." Bis Donnerstag - am 20. Dezember vor 200 Jahren erschien die Erstausgabe der Grimm'schen "Kinder und Hausmärchen" - bieten die Wissenschaftler Vorträge an: über Poetik und Psychologie, die Darstellung in Hollywood-Filmen, aber auch über die Quellen der gesammelten Märchen.

Das breite Themenspektrum des Kongresses wird den beiden Brüdern mehr als gerecht, denn schließlich haben sie die Germanistik begründet und die ersten Bände des deutschen Wörterbuchs herausgebracht.
 

Märchen ... nicht aus Hessen

Märchen seien allerdings ein grenzüberschreitendes Thema, erklärte Märchenforscher Heinz Rölleke von der Uni Wuppertal. Ein Großteil der Märchen sei den Grimms zwar in Hessen erzählt worden. "Damit sind es aber noch keine hessischen Märchen."

Das war auch schon den beiden Grimms bewusst: Sie verhehlten die französischen oder italienischen Quellen ihrer Sammlung nicht. In der Vorrede zum zweiten Märchenband schreiben sie 1815 aber von einigen "echt hessischen" Geschichten, die ihnen eine Nordhessin erzählt hätte. "Die Grimms meinten, mit ihr zum ersten Mal eine wirklich echt hessische Erzählerin gefunden zu haben", erklärte Kulturwissenschaftler Harm-Peer Zimmermann von der Universität Zürich. Dabei sei ihnen wohl entgangen, dass die Frau einen hugenottischen, also französischen Hintergrund hatte.

Bereits für die zweite Auflage 1819 veränderten die Grimms das Vorwort und ließen die Bezeichnung "echt hessisch" weg. "Die Brüder wussten selber, dass natürlich ein Großteil ihrer Sammlung aus französische Hintergründen ist", so Zimmermann. Dafür sei jetzt unter anderem von "einem besonders ergiebigen Erzählpotenzial" in Hessen die Rede.
 
Redaktion: nrc / suma
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 19.12.2012, 16:56 Uhr
 
 

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