Wilhelm Genazino gilt als der große, stille Chronist der Bundesrepublik. Jahrelang ein Geheimtipp, erhielt 2004 die ganz große Anerkennung für sein Werk: den Georg-Büchner-Preis, die wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland. 2007 folgte dann der Kleist-Preis.
Am 22. Januar 1943 in Mannheim geboren, studierte Wilhelm Genazino Germanistik, Philosophie und Soziologie. Danach arbeitete er als freier Journalist und Redakteur. Bis 1971 schrieb er für das Satiremagazin "Pardon". Er war u.a. sechs Jahre Mitherausgeber der Zeitschrift "Lesezeichen". Daneben machte er sich als Hörspielautor einen Namen. Von 1970 bis 1998 lebte er in Frankfurt am Main, wo er nach einem Zwischenaufenthalt in Heidelberg, seit 2004 wieder wohnt.
Als Romanautor erregte er 1977 mit seiner "Abschaffel"-Trilogie Aufsehen und gehört seither zu den wichtigsten deutschen Gegenwartsautoren. Mit den sogenannten Angestellten-Romanen der 1970er Jahre stellte er sich in die Tradition eines kritischen Realismus. 2009 erschien "Das Glück in glücksfernen Zeiten": Der Held des Buches muss sein Glück in einer Großwäscherei suchen.
Außer mit dem Büchner- und dem Kleist-Preis ist Genazino mehrfach mit Preisen ausgezeichnet worden: 1990 erhielt er dem Bremer Literaturpreis, 1995 den Solothurner Literaturpreis (1995). 1996 und 1997 war er Stadtschreiber von Bergen-Enkheim. 1998 erhielt er den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1998). 2003 wurde er mit dem Kunstpreis Berlin geehrt, der als "Fontane-Preis" von der Abteilung Literatur der Berliner Akademie der Künste vergeben wird. Sein Roman "Wenn wir Tiere wären" wurde für den Deutschen Buchpreis 2011 nominiert.