Neues im Fall Unseld-Berkéwicz: Die Suhrkamp-Verlegerin will einen Kompromiss mit Gesellschafter Barlach erreichen. Nun will Unseld-Berkéwicz den nächsten Gerichtstermin aussetzen lassen. Zudem räumte sie Fehler bei Vermietung von Privaträumen ein.
Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz strebt im Streit mit Minderheitsgesellschafter Hans Barlach
Kompromissgespräche an. Ihre Seite habe deshalb vorgeschlagen, anstehende Gerichtsverfahren "vorerst auszusetzen, um diesen Gesprächen den nötigen Raum zu geben", sagte Unseld-Berkéwicz der Wochenzeitung "Die Zeit" laut Vorabbericht vom Mittwoch. "An einem Kompromiss muss gemeinsam gearbeitet werden, und deshalb haben die Gesellschafter nun auch gemeinsam vermittelnde Gespräche ins Auge gefasst", fügte sie hinzu.
Das nächste Gerichtsverfahren in dem seit Jahren schwelenden Streit zwischen der Witwe des früheren Verlegers Siegfried Unseld, die über eine Familienstiftung 61 Prozent der Anteile des Verlags hält, und dem Unternehmer Barlach, dessen Medienholding Winterthur mit 39 Prozent Minderheitsgesellschafter des Verlags ist, steht am 13. Februar an.
Privates und geschäftliches vermischt
Barlach und die Familienstiftung klagen vor dem Landgericht Frankfurt am Main gegenseitig auf Ausschluss aus der Gesellschaft. Für den Fall, dass er hierbei unterliegt, beantragte Barlach beim Gericht die Auflösung der Kommanditgesellschaft. Mit Blick auf dieses Verfahren sagte die Verlegerin: "Ich bin der festen Überzeugung, dass es keine ausreichende Rechtsgrundlage für die Auflösung des Verlages gibt."
Bereits im Dezember hatte das Landgericht Berlin in einer anderen Streitigkeit entschieden, dass Unseld-Berkéwicz von der Verlagsgeschäftsführung abberufen werden muss. Anlass war eine Klage Barlachs, wonach die Geschäftsführung Räume im Haus der Verlegerin Unseld-Berkéwicz für Events angemietet, damit Privates und Geschäftliches vermischt und dem Verlag geschadet habe.
Barlach strebt laut Unseld-Berkéwicz Verlagsübernahme an
Im "Zeit"-Interview räumte Unseld-Berkéwicz nun Verfehlungen ihrerseits bei der Nutzung von Räumen ihrer Villa durch den Verlag ein. "Im Nachhinein gibt es immer Dinge, deren Verlauf man sich anders gewünscht hätte, auch in Bezug auf die Anmietung der Räumlichkeiten in meinem Haus." Wiederholt erhobene Vorwürfe Barlachs, der Suhrkamp Verlag befinde sich in einer bedenklichen wirtschaftlichen Lage, wies die Verlegerin zurück. "Wir sind wirtschaftlich gesund und praktisch schuldenfrei", betonte sie.
An Barlachs Plänen mit dem Verlag hegt Unseld-Berkéwicz laut eigener Aussage nicht die geringsten Zweifel. "Die Übernahme der Anteile am Verlag war von Anfang an eine Kampfansage an die Verlagsstruktur, aber auch an meine Person, die darauf abzielte, mich zu diffamieren und meine Legitimation infrage zu stellen", sagte sie. Der Minderheitsgesellschafter Barlach habe in den vergangenen sechs Jahren zudem Gewinne in Millionenhöhe aus der Verlagsgruppe gezogen. Er verfolge das Ziel, "maximale Ausschüttungen zu erhalten". Offenbar beabsichtige er, den Verlag zu übernehmen, schlussfolgerte Unseld-Berkéwicz.