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25.06.2012

Rheingau Musik Festival

Startbahn für die Stars von morgen

Fazil Say  (Bild: Marco Borggreve)
Fazil Say bekam eine Chance beim Rheingau Musik Festival
Was nützt das schönste Talent, wenn einen keiner kennt? Seit Jahren hat das Rheingau Musik Festival schon einigen international gefeierten Klassikstars eine erste Chance gegeben, wie Martin Stadtfeld oder Fazil Say, dem neuen "Artist in Residence" des hr-Sinfonieorchesters.
 
Die Geigerin Julia Fischer und der Pianist Martin Stadtfeld etwa leben ihren Traum: "Ich wollte immer Geigerin und Pianistin, auf jeden Fall Musikerin werden, solange ich zurückdenken kann", erzählt Julia Fischer. "Ich hatte, seit ich sechs war, den Traum, Konzertpianist zu sein, und der scheint sich jetzt einigermaßen verwirklichen zu lassen", berichtet Martin Stadtfeld. "Im Prinzip ist das mein Leben: möglichst viel herumzureisen, Konzerte zu spielen und mich in dieser Hinsicht zu produzieren."

Beide gehören heute zu den gefragten Stars, geben Konzerte auf der ganzen Welt und spielen auf den großen Festivals von Schleswig-Holstein bis Salzburg. Damit solche Karrieren gelingen, braucht es nicht nur großes Talent und viel Fleiß, sondern auch die richtige Förderung, und das heißt zunächst guten Unterricht als Jungstudent an einer Musikhochschule. Das heißt aber auch, sich bald schon auf dem Podium zu beweisen, im Konzert zu zeigen, was man kann: "Das erste Konzert mit Orchester war, als ich acht Jahre alt war mit einem Berlioz-Konzert", erinnert sich Julia Fischer. "Das war wirklich das erste Konzert mit Plakat und da stand mein Name drauf und ein Foto von mir und das hängt in meinem Zimmer."
 

Konzertreihen für den Nachwuchs

Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, da gilt es, den Einstieg in professionelle Konzertleben zu finden. Und da sind die Nachwuchskonzerte beim Rheingau Musik Festival natürlich eine besondere Chance, und zwar für beide Seiten, denn – wie formuliert man es im Rheingau so treffend: "Die Stars von morgen sind die jungen Virtuosen von heute". Schon früh in der Geschichte des Festivals hat man dem Nachwuchs eine Chance gegeben. Die Klavier-Zwillingsschwestern Ferhan und Fersan Önder zum Beispiel waren 1991 beim Rheingau Musik Festival dabei. "Treffpunkt Jugend" hießen die Konzerte damals. Fünf Jahre später etablierte man den "Klassik-Marathon", ein Forum, das bis in die aktuelle Spielzeit weitergeführt wird und auf dem sich junge Musikerinnen und Musiker präsentieren können, ohne gleich ein ganzes Konzert bestreiten zu müssen. 1998 hat in dieser Reihe der Cellist Daniel Müller-Schott sein Rheingau-Debüt gegeben; in diesem Jahr ist er im Kurhaus zu hören, und mit dem London Symphony Orchestra hat er eines der weltweit führenden Orchester als Partner.
 

"Junge Virtuosen"

Doch natürlich gibt es auch junge Musiker, die bereits mit kompletten Konzertabenden ein Publikum begeistern können. Und da man sich in der Klassik um den musizierenden Nachwuchs keine Sorgen machen muss, präsentieren sich seit über zehn Jahren die "Jungen Virtuosen" genau unter diesem Stichwort im Hauptprogramm des Festivals.

Es war 2002, da hat sich Fazil Say mit seinem Bach-Liszt-Programm als "Junger Virtuose" beim Rheingau Musik Festival vorgestellt. Inzwischen gehört der komponierende Pianist zu den festen Größen der Szene und er ist der nächste "Artist in Residence" des hr-Sinfonieorchesters.
 

Beim Publikum gefragt

Doch es gibt noch eine weitere Möglichkeit, dem Publikum eher unbekannte Künstler schmackhaft zu machen: "Konzert und Brunch" heißt die Reihe, die schon im Frühjahr das Konzerterlebnis mit kulinarischen Genüssen verbindet und einen Vorgeschmack auf den Festivalsommer gibt. Genau zehn Jahre ist es her, dass Martin Stadtfeld in dieser Reihe zu hören war, noch vor dem Gewinn des Leipziger Bach-Preises und bevor er mit seiner Interpretation der "Goldberg-Variationen" plötzlich in aller Munde war. Dass es beim Rheingau Musik Festival also nicht nur die Stars von heute, sondern auch von morgen zu erleben gibt, scheint sich herumzusprechen. Einige Konzerte mit den "Jungen Virtuosen" sind schon ausverkauft.

Ein Bericht von Martin Grunenberg in hr2-kultur
 
Redaktion: nrc
Bild: © Marco Borggreve
Letzte Aktualisierung: 25.06.2012, 12:05 Uhr
 
 

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