Nach zwanzig Jahren im Ausland ist Andreas Scholl wieder in den Rheingau zurückgekehrt. In einem alten Weingut hat er sich ein Studio eingerichtet, hier bereitet er seine Konzerte in der ganzen Welt vor. Seiner Heimat fühlt er sich stark verbunden. Mit fast jedem Ort hier verbindet er besondere Erinnerungen. Im Kloster Eberbach etwa hat er als Statist mitgewirkt bei den Dreharbeiten zum Film "Der Name der Rose" und auch damals schon gesungen: "Meine Aufgabe war, immer bei den Szenen, wo Sean Connery und die anderen Schauspieler Choral singen mussten, stand ich da neben dran, außerhalb des Bildes und musste immer laut mitsingen zu dem, was vom Band kam, um das synchrone Mitsingen zu ermöglichen."
Damals ahnte niemand, was aus dem Statisten einmal werden sollte: Der Countertenor mit der unzweifelhaft schönsten Stimme unserer Zeit.
Countertenöre sind Sänger, die durch eine besondere Technik so hoch singen können wie Frauen. Dabei erreichen sie mit ihrer trainierten Kopfstimme die Alt-, manche sogar die Sopranlage. Beim Sprechen klingt die Stimme hingegen in der normalen, tiefen Männerlage. Die meisten Countertenöre singen, wenn sie die spezielle Technik nicht anwenden, in der Baritonlage.
Gefragt sind diese Spezialisten vor allem bei der Aufführung von Barockmusik. Dabei singen sie meist jene Rollen, die früher Kastraten vorbehalten waren. Zu den bekanntesten Countertenören zählen - neben Andreas Scholl - Jochen Kowalski, Max Emanuel Cencic und Philippe Jaroussky. In der Pop-Musik erlangte der Countertenor Klaus Nomi große Bekanntheit.