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Jazz

Albert Mangelsdorff ist tot

Albert Mangelsdorff (Foto: dpa)
Albert Mangelsdorff
Er war einer der berühmtesten deutschen Jazzmusiker - Albert Mangelsdorff starb am Montag im Alter von 76 Jahren nach langer schwerer Krankheit in seiner Heimatstadt Frankfurt.
 

Zwei Solo-Tourneen durch die USA

Information

In Radio und TV

hr2 und hr-fernsehen haben ihr Programm am Sonntag, 31. Juli 2005, geändert:

hr-fernsehen
sendet von 10:00 - 12:15 Uhr ein Portrait und Konzertausschnitte von Albert Mangelsdorff

hr2 lädt ein zur großen Albert Mangelsdorff-Nacht von 23:05 bis 06:00 Uhr morgens

Mangelsdorff, einer der Erneuerer des deutschen Jazz nach dem Zweiten Weltkrieg, war Mitbegründer des United Jazz & Rock Ensemble. Berühmt wurde er mit seinem speziellen Stil auch in den USA. Mangelsdorff verlieh dem Posaunenspiel mit seiner Mehrstimmigkeit - den „Multiphonics“ - neue Dimension. Zwei Mal war Mangelsdorff auf Solo-Tournee in den USA - eine größere Auszeichnung kann es für einen europäischen Jazzer kaum geben. Zeitweise hatte er überlegt, in die USA überzusiedeln. Doch schließlich blieb er seiner Heimatstadt Frankfurt treu.

Durch den älteren Bruder zum Jazz

Albert Mangelsdorff, 1928 in Frankfurt am Main geboren, kam durch seinen älteren Bruder, den Saxophonisten Emil Mangelsdorff, zum ersten Mal im Alter von 12 Jahren mit Jazz in Kontakt. Und das in einer Zeit, in der Jazz zu hören oder zu machen lebensgefährlich sein konnte - die Nationalsozialisten sind an der Macht; Jazz gehört zu den verbotenen Musikstilen.

Relativ schnell kam bei ihm der Wunsch auf, Musiker zu werden. Bei seinem Onkel in Pforzheim begann er intensiv Violine zu studieren, außerdem Harmonielehre und allgemeine Musiktheorie. Sein Interesse am Jazz war immer groß - offiziell musste er allerdings klassische Musik studieren.
 

Heimlich "Feindsender" gehört

"Abends, wenn mein Onkel und meine Tante im Theater waren, hörte ich die so genannten 'Feindsender', was ja offiziell verboten war. Dort gab es viel Jazz zu hören, sehr viel Glenn Miller natürlich, aber auch Count Basie, Duke Ellington und solche Leute, die mich viel mehr interessiert haben. Ich war damals schon von meinem Bruder und seinem Kreis geprägt, die dem puristischen Jazz näherstanden".

Nach dem Krieg Auftritte in US-Clubs

Nach dem Krieg wurde Mangelsdorff Berufsmusiker in einer Big Band, die vor allem in den Clubs der US-Army spielte. Über die Gitarre und die Geige kam er schließlich 1947 zur Posaune. An der Frankfurter Oper wurde der damalige Soloposaunist Lehrer. 1957 wurde Mangelsdorff Leiter des Jazz-Ensembles des Hessischen Rundfunks, 1961 gründete er sein eigenes Quintett, mit dem er im Auftrag des Goethe-Instituts durch ganz Asien tourte. In Frankfurt wurde der Jazzkeller zum wichtigsten «Trainingslager» für die deutschen Jazzer.

Keine stilistische Schublade

In seiner fünf Jahrzehnte umspannenden Karriere ließ Mangelsdorff sich nie in eine stilistische Schublade einordnen: Er spielte mit den unterschiedlichsten Musikern und nahm unzählige Schallplatten auf. Und vom Bebop über den Free Jazz bis zum Jazz-Rock hatte er die verschiedensten Jazz-Epochen nach dem Krieg begleitet.

Auch im hohen Alter übte Mangelsdorff noch täglich. Für das mehrstimmige Spielen mit der Posaune müssen Stimme, Zunge und Muskeln ständig trainiert werden. «Wenn man mehrere Tage nichts macht, dann geht einem sofort etwas verloren», sagte er.
 

Ein Leben für den Jazz - Albert Mangelsdorff 

Das Albert-Mangelsdorff-Quintett während eines Auftritts (undatiert)
Albert Mangelsdorff während des 19. Frankfurter Jazz-Festivals am 16. September 1984
August 1990
 
Klicken Sie auf ein Bild, um in die Galerie zu gelangen (12 Bilder)
 

50 Konzerte im Jahr 2003

Information

Albert Mangelsdorff wird am kommenden Montag, 1.8.2005, um 14:00 Uhr auf dem Frankfurter Hauptfriedhof beigesetzt werden. Er hinterlässt seine Frau und einen Sohn.
Als einer der wenigen deutschen Jazzer konnte Mangelsdorff von seiner Musik leben, ohne jedoch reich zu werden. Noch 2003 - Im Jahr seines 75. Geburtstags - gab er rund 50 Konzerte. Der Posaunist leitete auch das deutsch-französische Jazzensemble. Sein Name ist mit dem Deutschen Jazzfestival in Frankfurt verbunden, in Berlin übernahm er 1995 sechs Jahre lang die künstlerische Leitung des renommierten Jazzfestes Berlin.

Zuletzt arbeitete Mangelsdorff vor allem mit der NDR-Bigband zusammen. Mit seinem alten Freund, dem Pianisten und Keyboarder Wolfgang Dauner vom Jazz & Rockensemble, war er 2003 als Duo unterwegs.

Das legendäre Orchester hatte sich 2002 - nach 27 Jahren - aufgelöst. Zum 75. Geburtstag von Albert Mangelsdorff in der Frankfurter Alten Oper kam es nochmals zusammen.
 

Kümmern um den Nachwuchs

Albert Mangelsdorff war Präsident des Landesjugend- jazzorchester Hessen (LJJO). Für die jungen Musiker schrieb, arrangierte und spielte gemeinsam mit dem LJJO im Jahr 1996 die CD „Celebration“ ein. Seine „Blues Variations“ auf der CD des LJJO „Touch of Lips, die im Jahr 2001 produziert wurde, steht für seine Verdienste um die Förderung des Musikernachwuchses.
 

Stimmen zum Tode von Albert Mangelsdorff

Die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth würdigte Mangelsdorff in einem Kondolenzschreiben an seine Witwe als herausragende Persönlichkeit. "Wo immer er in den vergangenen mehr als 50 Jahren auftrat, wirkte er als Frankfurter, als Star ohne Allüren", erklärte sie.

Hessens Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) hat Mangelsdorff als einen der profiliertesten und innovativsten Posaunisten der gesamten Jazzwelt gewürdigt. Corts hob hervor, dass Albert Mangelsdorff nicht nur durch seine Musik überzeugte, sondern auch durch seine menschlichen Qualitäten wie seine tiefe Humanität. Obwohl er ein Weltstar war, blieb er allen Menschen, die ihn einmal im Gespräch erleben durften, als bescheidener Mensch im Gedächtnis. Er pflegte wenige, aber dafür tiefe und langjährige Freundschaften und war sehr hilfsbereit, so Corts.

Der frühere Konzertveranstalter Fritz Rau hat Albert Mangelsdorff "als den wichtigsten Posaunisten des Jazz" bezeichnet. Mit Mangelsdorff habe er 1955 auch sein erstes Konzert gemacht, sagte Rau. "Er war äußerst liebenswürdig und gemessen an seinem Können sehr bescheiden". Rau bezeichnete Mangelsdorff als großen Freund. Der in Bad Homburg bei Frankfurt lebende Rau betrieb Jahrzehnte lang eine der großen Konzertagenturen in Deutschland.

Der Trompeter Till Brönner hat Albert Mangelsdorff ein "Vorbild für jeden deutschen Jazzmusiker" genannt. Mangelsdorff habe sich in der Zeit nach dem Nationalsozialismus an einer "Neuformulierung" des Jazz in Deutschland maßgeblich beteiligt. Als Leiter des Jazz Fest Berlin habe ihn Mangelsdorff 1995 zum Festival eingeladen. "Das hat meine Laufbahn entschieden beeinflusst", sagte Brönner.

Mit Erschütterung hat der Vorsitzende des renommierten Jazz-Clubs Hannover, Bernd Strauch, auf den Tod des Posaunisten Albert Mangelsdorff reagiert. "Eigentlich wollte er noch am 19. September bei uns auftreten", sagte Strauch. "Wir haben einen großen Star verloren. Er war einer der faszinierendsten Musiker, die ich erlebt habe."

"Mit Albert Mangelsdorff ist ein Freund und ein großer Musiker gegangen", sagte der Saxophonist Klaus Doldinger, der mit Mangelsdorff zuletzt in der Band "Old Friends" spielte.

"Wir haben uns blind verstanden", sagte sein Freund, der Pianist und Keyboarder Wolfgang Dauner, am Dienstag in Stuttgart. Beide waren 20 Jahre lang zusammen als Duo auf Welt-Tourneen unterwegs. Dauner, der mit dem Posaunisten weitere Auftritte geplant hatte, will eine bisher unveröffentlichte Aufnahme eines verjazzten Ravel-Stücks mit Mangelsdorff herausbringen.
 

Die wichtigsten Station seiner Karriere

1958 - Als Mitglied der «International Youth Band» nimmt er erstmals am renommierten Newport Jazz Festival in den USA teil.

1961 - Gründung des Albert Mangelsdorff Quintett, unter anderem mit dem Tenorsaxophonisten Heinz Sauer.

1963 - Aufnahme der Platte «Tension», ein Meilenstein in der europäischen Jazzmusik. Ein Jahr später folgt «Now Jazz Ramwong».

1965 - Das Quintett spielt beim Newport Jazz Festival, ebenso 1967 und 1969.

1969 - Die Langspielplatte «Albert Mangelsdorff and his friends» enthält unter anderem Duo-Aufnahmen mit Don Cherry, Lee Konitz und Elvin Jones.

1971 - Aufnahme der ersten Solo-LP «Trombirds».

1972 - Solokonzert anlässlich der Olympischen Spiele in München.

1975 - Mangelsdorff wird festes Mitglied im United Jazz & Rock Ensemble.

1980 - Das US-Jazzmagazin «Downbeat» wählt ihn zum weltbesten Posaunisten des Jahres.

1986 - Mangelsdorff erhält den Frankfurter Musikpreis.

1990 - Goetheplakette der Stadt Frankfurt.

1994 - Der alle zwei Jahre von der Union Deutscher Jazzmusiker verliehene Deutsche Jazzpreis wird nach Mangelsdorff benannt.

2002 - Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Außerdem wird er mit dem französischen Orden «Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres» und dem «Prix Bobby Jaspar» der französischen Jazz-Akademie ausgezeichnet.

September 2003 - In der Frankfurter Alten Oper findet anlässlich seines 75. Geburtstags ein Konzert unter anderem mit Klaus Doldinger,
Wolfgang Dauner und dem United Jazz & Rock Ensemble statt. (Quelle: dpa)
 

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Redaktion: roro / nrc
Stand: 25.07.2005
 
 

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