"Abends, wenn mein Onkel und meine Tante im Theater waren, hörte ich die so genannten 'Feindsender', was ja offiziell verboten war. Dort gab es viel Jazz zu hören, sehr viel Glenn Miller natürlich, aber auch Count Basie, Duke Ellington und solche Leute, die mich viel mehr interessiert haben. Ich war damals schon von meinem Bruder und seinem Kreis geprägt, die dem puristischen Jazz näherstanden".
Nach dem Krieg Auftritte in US-Clubs
Nach dem Krieg wurde Mangelsdorff Berufsmusiker in einer Big Band, die vor allem in den Clubs der US-Army spielte. Über die Gitarre und die Geige kam er schließlich 1947 zur Posaune. An der Frankfurter Oper wurde der damalige Soloposaunist Lehrer. 1957 wurde Mangelsdorff Leiter des Jazz-Ensembles des Hessischen Rundfunks, 1961 gründete er sein eigenes Quintett, mit dem er im Auftrag des Goethe-Instituts durch ganz Asien tourte. In Frankfurt wurde der Jazzkeller zum wichtigsten «Trainingslager» für die deutschen Jazzer.
Keine stilistische Schublade
In seiner fünf Jahrzehnte umspannenden Karriere ließ Mangelsdorff sich nie in eine stilistische Schublade einordnen: Er spielte mit den unterschiedlichsten Musikern und nahm unzählige Schallplatten auf. Und vom Bebop über den Free Jazz bis zum Jazz-Rock hatte er die verschiedensten Jazz-Epochen nach dem Krieg begleitet.
Auch im hohen Alter übte Mangelsdorff noch täglich. Für das mehrstimmige Spielen mit der Posaune müssen Stimme, Zunge und Muskeln ständig trainiert werden. «Wenn man mehrere Tage nichts macht, dann geht einem sofort etwas verloren», sagte er.
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