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Geschichte des Tagebuchs

Von Goethes Schreibkalender zum Weblog

Die  Bloggerin Andrea Diener zeigt   im Museum für Kommunikation Frankfurt ihre Werkzeuge (Computer und Tagebuch aus Papier), die Teile der Ausstellung "Absolut privat!? Vom Tagebuch zum Weblog" sind. Seit Mai 2000 schreibt die 34-jährige Frankfurterin ihr Online-Tagebuch "Reisenotizen aus der Realität". (Bild:  picture-alliance/dpa)
Computer und Tagebuch aus Papier - die Werkzeuge der Frankfurter Bloggerin Andrea Diener
Eigentlich sind sie genau das Gegenteil voneinander: das Tagebuch in der Schublade und das im Internet veröffentlichte Weblog. Stimmt nicht, sagt das Museum für Kommunikation in Frankfurt und tritt den Beweis mit der Ausstellung "Absolut privat!?" an.
 

Information

Museum für Kommunikation
Schaumainkai 53
6. März – 14. September 2008

Geöffnet:
Di - Fr 9 – 18 Uhr
Sa, So + Feiertag 11 – 19 Uhr

Eintritt:
ab 6 Jahre 1 EUR, ab 16 Jahre 2,50 EUR

Öffentliche Führungen:
sonntags 15 Uhr, mittwochs 16 Uhr
Anmeldung für Führungen
von Schulklassen und Gruppen
Telefon (0 69) 60 60 310
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Links im WWW

Wer hätte nicht schon selber - zumindest in jungen Jahren - einem Tagebuch sein Herz ausgeschüttet, verborgen vor der Neugier anderer, gut versteckt im Schreibtisch oder der Nachttischschublade. Das Frankfurter Museum für Kommunikation hat den Ausstellungstitel "Absolut privat!?" bewusst mit einem Fragzeichen versehen. Die Ausstellung will die gängigen Vorstellungen von Intimität und Geheimnis in Frage stellen. Denn, so sagen die Ausstellungsmacher, es habe schon seit der frühen Neuzeit, d.h. seit der Erfindung des Buchdrucks, Tagebücher gegeben, die für andere Leser oder gar auf eine Veröffentlichung hin angelegt waren. Sie verweisen auf Goethes "Schreibkalender" oder auf die Aufzeichnungen von Anne Frank, die mit ihren Aufzeichnungen in ihrem rot-weiß karierten Poesie-Album weltberühmt wurde. Zahlreiche Original-Dokumente aus fünf Jahrhunderten von berühmten Autoren werden präsentiert - etwa von Franz Kafka, Clara Schumann, Theodor W. Adorno und Walter Kempowski. Auch Tagebücher völlig unbekannter Personen sind ausgestellt.
 

Vom Tagebuch zum Weblog - Bilder der Ausstellung 

 
Klicken Sie auf ein Bild, um in die Galerie zu gelangen (19 Bilder)
 

Blogs im Web 2.0

Die Ausstellung spannt den Bogen bis zu modernen, digitalen Tagebüchern, den so genannten Weblogs, kurz Blogs, im Web 2.0. Sie allein auf Exhibitionismus oder Egotrip zu reduzieren, sei falsch. Allein in Deutschland werden "Blogs" von rund einer Million Menschen gelesen. Ihre Thematik ist breit gefächert und beschränkt sich schon lange nicht mehr auf Mitteilungen zur Befindlichkeit einzelner Personen. Heute finden sich immer mehr Blogs, die Informationen und Kommentare verbreiten. Sie sind gelegentlich ein vielbeachtetes Informationsmedium, das Öffentlichkeit über politische Entwicklungen herstellt, etwa in Ländern mit strenger Zensur. Blogs werden zunehmend auch von Firmen und anderen Institutionen beobachtet, um Meinungsbilder und Trends einzufangen.
 

Beispiel einer gelungenen Synthese

Eines der interessantesten Beispiele der Ausstellung ist der Blog von Anke Gröner, denn hier vermischt sich das digitale mit einem kuriosen haptischen Tagebuch: Die Bloggerin hatte beim Entrümpeln eine Kiste mit beschrifteten Holzstücken gefunden. Ihr Großvater hatte über Jahre hinweg kurze Nachrichten auf Brennholzklötzen niedergeschrieben. In ihrem Blog hat sie der längst verstummten Stimme des großväterlichen Loggers - das Wort Log bedeutet im Englischen Holz - Gehör verschafft.
 

Papier und andere Grundlagen

Das Papier hat in der Geschichte des Tagebuchs die wichtigste Rolle gespielt. Doch wie die Ausstellung mit ihren über 300 Exponaten zeigt, ist - neben den schon erwähnten Brennholzklötzen - auch Klopapier zum Einsatz gekommen. Ein beeidruckendes Tagebuch stammt von dem Sozialdemokraten Fritz Solmitz, einem der ersten politisch Verfolgten des Nazi-Regimes, der 1933 im KZ Fuhlsbüttel seine letzten Lebenstage auf Zigarettenpapier dokumentiert hat. Der Fotograf Dietmar Riemann wiederum hat seine vergeblichen Ausreiseanträge aus der DDR in den 80er Jahren in zwölf Tagebüchern festgehalten hat, die neben Zeitungsartikeln zahlreiche Fotos, unauffällig mit einer Sucherkamera aufgenommen, enthalten. Dieses lange nicht beachtete politische Dokument wird heute im Deutschen Tagebucharchiv in Emmendingen bei Freiburg aufbewahrt.

Wichtigster Leihgeber der Ausstellung ist das südbadische Archiv, das eine Vielzahl auch völlig unbekannter Tagebücher bereit gestellt hat. Entstanden ist die Schau in Zusammenarbeit mit dem Sonderforschungsbereich Erinnerungskulturen der Universität Gießen. Weitere Stationen nach Frankfurt sind Nürnberg und Berlin.
 
Redaktion: nrc / than
Bild: © picture-alliance/dpa
Stand: 05.03.2008
 
 

Audio

Zum Tod von Jeanne-Claude 3:29 Min
(Hessischer Rundfunk, 20.11.2009)
 

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