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Jeff Koons steht am Dienstag (19.06.2012) in der Schirn in Frankfurt am Main vor seinem Werk "Antiquity 3" (Bild:  picture-alliance/dpa)
Jeff Koons in der Schirn vor seinem Werk "Antiquity 3"
19.06.2012

Weltklasse-Ausstellung in Frankfurt

Ein Sommer für Jeff Koons

Die Schirn Kunsthalle und das Liebieghaus zeigen mit 89 Gemälden und Skulpturen die größte Jeff Koons-Ausstellung überhaupt. Einige Werke des Amerikaners, der einer der teuersten und zugleich umstrittensten lebenden Künstler ist, sind erstmals zu sehen.

360°-Rundgang durch die Jeff-Koons-Ausstellung

 
Von Nicole Rodriguez

Zwei Jahre lang haben die Vorbereitungen für diese große Werkschau gedauert. Für den Frankfurter Kulturdezernenten Felix Semmelroth (CDU) ist sie ein "kulturelles Großereignis, das jegliche Mühe wert war." Immer wieder sei bei den Vorbereitungen zu hören gewesen: "Das ist eigentlich verrückt, was die machen." Aber, so Semmelroth lakonisch und dabei grinsend bei der Vorbesichtigung am Dienstag: "Große Häuser kommen ohne Verrücktheit nicht aus."
 

Jeff Koons, der Maler 

 
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Weiß mit knallbunt

Video: Das Genie der schrägen Kunst 3:59 Min
(© hr | hessenschau, 19.06.2012)
90 Werke sind in den beiden Häusern zu sehen: Die Schirn zeigt 45 Gemälde aus den 1980er Jahren bis zur Gegenwart, von den frühen "Maschinenbildern" über "Made in Heaven" bis hin zu Koons neuer Serie "Antiquity". Alle Zwischenwände in der rund 140 Meter langen Ausstellungshalle der Schirn sind weggeräumt, die darin ausgestellten großformatigen Gemälde sind nicht chronologisch gehängt. Die Halle ist ganz in Weiß gehalten und betont umso mehr Jeff Koons knallbunte Farben.
 

Jeff Koons, der Bildhauer 

 
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Himmlisches beim Sex

Information

Jeff Koons, The Painter
Schirn Kunsthalle Frankfurt
Römerberg

Jeff Koons, The Sculptor
Liebieghaus Frankfurt
Schaumainkai 71

20. Juni – 23. September 2012

Geöffnet:
Di, Fr–So 10–19 Uhr,
Mi und Do 10–22 Uhr
Ein kleines Kabinett am einen Ende der Halle ist allerdings abgeteilt: Dort sind Bilder aus der Serie "Made in Heaven" vor dem Blick allzu junger Besucher geschützt, denn diese Serie zeigt den Künstler beim Liebesakt mit der ungarisch-italienischen Pornodarstellerin, Politikerin und späteren Ehefrau Cicciolina alias Ilona Staller. Und wer um die Detailgenauigkeit von Koons Arbeiten weiß, kann erahnen, dass er da nichts ausgelassen hat. Mit diesen offenherzigen und in Richtung Pornografie tendierenden Gemälden rief Koons in ihrer Entstehungszeit (1989-1991) einen wahrhaftigen Skandal hervor und polarisierte die Kunstgemeinde.
 

Mit Hand und Computer

Faszinierend ist die Akribie, mit der Koons seine Bilder schafft. Sie sind teils von Hand gemalt, teils entstanden mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen, mit denen eine Vielzahl von Schichten hergestellt und übereinandergelegt werden und die dann das Werk ergeben. Heute hat Koons ein Studio mit etlichen Mitarbeitern, die seine Entwürfe auf die Leinwand bringen.
 

Banalität, Eros, Pornografie

Koons bezieht - mit großartigem Können - immer Versatzstücke aus der Hoch- und der Popularkultur aufeinander, zitiert die Kunstgeschichte gleichermaßen wie Dinge, Personen, Gesten der Alltäglichkeit. Thematisch kreist Koons um den sozialen Aufstieg, um Banalität, um Eros und Pornografie. Er selber sagt bei der Vorbesichtigung, sein Anliegen sei es zu erkunden, "was es bedeutet, Mensch zu sein, was das menschliche Potential überhaupt ist, was unsere wahre Geschichte ist."
 

Gedanken an das Sterbebett

Den Vorwurf, kitschig oder banal zu sein, weist Koons entschieden zurück: "Das sind Begriffe des Urteilens. Ich glaube nicht an Urteile." Mit seinem Werk stehe er für das Aufheben von Werturteilen. "Mir ist der Betrachter wichtig; meine Werke sollen ihn aufregen und stimulieren." Und wenn Werke anfangen zu stimulieren, "dann ist das Kunst". Äußere Einschränkungen weist er zurück: Er mache Kunst im Gedanken an "den Moment, an dem wir auf dem Sterbebett liegen und unseren letzten Atemzug tun". An diesem Punkt dächten viele: "Hätte ich mir nur die Freiheit genommen..."
 

Treffen mit 7000 Jahren Kunst

Ganz besonders stolz sind Direktor Max Hollein und seine drei Kuratoren Matthias Ulrich, Joachim Pissarro und Vinzenz Brinkmann auf den zweiten Teil der Schau. Im Liebieghaus sind 44 Skulpturen aufgebaut, darunter sechs aus der Serie "Antiquity" - Koons Auseinandersetzungen mit der Antike -, die erstmals überhaupt der Öffentlichkeit präsentiert werden. "Das ist eine Weltsensation", freut sich Kurator Brinkmann. Das Alte habe nicht weichen müssen, sagt er, "wir nehmen Jeff Koons in uns auf und umstellen ihn mit unseren Kunstwerken." Kein einziger Raum im Liebighaus ohne einen Jeff Koons, das beeindruckt.

Das Liebieghaus mit seiner Kunst aus dem alten Ägypten bis hin zum Klassizismus ist Jeff Koons bestens bekannt, weil er schon oft dort war: Eine seine Manufakturen, die seine Skulpturen herstellen, ist in Friedrichsdorf beheimatet. Und jedesmal, wenn er im Taunus war, besuchte er das Haus am Museumsufer.
 

Pudel mit Schlange und Madonna

Einen besseren Ort hätte man für diese Arbeiten nicht finden können, denn sie gehen einen sehr speziellen Dialog mit den Kunstschätzen der vergangenen Jahrtausende ein. Da liegt etwa ein Riesenpudel zu Füßen einer Madonna, die mit energischem Gesichtsaussdruck Evas Schlange samt Apfel zertritt. Ihr steht beinahe ins Gesicht geschrieben, dass sie in diesem Falle gerne ein längeres Bein hätte, um auch den Pudel zu treffen. Das wirkt noch komischer, als es der säuberlich ondulierte Pudel allein schon ist.
 

Jesus Keaton

Eine andere Arbeit zeigt den legendären Stummfilm-Star Buster Keaton auf dem Palmsonntag-Esel, den Arm zum militärischen Gruß erhoben - eine Jesus-Parodie. Manch ein christlicher Besucher mag dies als Blasphemie empfinden. Vielleicht besänftigt die Herstellungsgeschichte: Geschnitzt haben dieses Werk die Oberammergauer Meister, die auch die Prozessionsfiguren für die Festspiele herstellen.
 

Kraft durch Spinat

Beeindruckend ist die erstmals präsentierte Venus-Skulptur, deren Machart und quietschpinke Farbe an die Ballonfaltkunst erinnert, an der sich Kinder so gerne erfreuen. In einem anderen Raum thront in der Mitte eine Riesenskulptur, die den Comic-Helden Popeye in knallbunten, brillant glänzenden Farben darstellt, umrahmt von an manchen Stellen nicht weniger glänzenden mittelalterlichen Heiligenfiguren. Koons Popeye zeigt seinen Bizeps und hat eine geöffnete Spinatdose in der Hand, um Kindern zu zeigen, dass gesunde Nahrung Kraft macht. "Für mich ist der Spinat die Kunst", sagt Jeff Koons, "wer sie genießt, wird gestärkt."
 
Redaktion: nrc
Letzte Aktualisierung: 9.01.2013, 13:01 Uhr
 
 

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Virtueller Rundgang

Jeff Koons "Michael Jackson and Bubbles", 1988 (Banality) (Bild: Torsten Hemke)
 

Rückblick

Maori (Bild:  picture-alliance/dpa)

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