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27.09.2012

Historisches Museum

Der andere Teil des Weltkriegs

Afrikanische Kolonialsoldaten im Schnee in Nordfrankreich (Bild: S.I.R.P.A)
Afrikanische Kolonialsoldaten in Nordfrankreich
Das Historische Museum Frankfurt widmet sich den vergessenen Opfern des Zweiten Weltkriegs: Den Millionen Soldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien, die in den Kolonien kämpften und starben - die aber oft nur Kameraden zweiter Klasse waren.
 
Audio: Verblüffung über einen weißen Fleck 2:48 Min
(© Jochanan Sehlliem, hr, 28.09.2012)
Eigentlich ist der Zweite Weltkrieg bestens erforscht – und dennoch gibt es weiße Flecken im Geschichtsbewusstsein: Millionen Soldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen Nationalsozialismus, vom italienischen Faschismus und vom japanischen Großmachtwahn zu befreien.
 

Die vergessenen Opfer 

 
Klicken Sie auf ein Bild, um in die Galerie zu gelangen (10 Bilder)
 
Allein Indien stellte nach Angaben des Historischen Museums Frankfurt 2,5 Millionen Kolonialsoldaten, und China hatte mehr Opfer zu beklagen als Deutschland, Italien und Japan zusammen. Die Kolonialsoldaten hatten doppelt unter Gewalt zu leiden: Sowohl die faschistischen Achsenmächte als auch die Alliierten rekrutierten in ihren Kolonien Hilfstruppen und Hilfsarbeiter oftmals mit Gewalt.
 

Hunderttausende Frauen in den Frontbordellen

Information

Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg

27. September 2012 bis 7. April 2013

Historisches Museum
Am Fahrtor 2
Frankfurt

Öffnungszeiten:
Di bis So 10 bis 18 Uhr
Mi bis 21 Uhr

Eintritt:
6 Euro, ermäßigt 3 Euro
Japanische Militärs verschleppten zudem Hunderttausende Frauen aus Asien in ihre Frontbordelle. Rekruten aus den Kolonien, ob Freiwillige oder Zwangsverpflichtete, mussten sich mit weniger Sold, schlechteren Unterkünften und geringeren Kriegsrenten als ihre "weißen" Kameraden zufrieden geben.

Hinzu kam: Weite Teile der Dritten Welt – von Nordafrika über den Nahen Osten und Indien bis nach Südostasien und Ozeanien – dienten als Schlachtfelder und blieben nach Kriegsende verwüstet, vermint und ihrer Rohstoffe beraubt zurück. Bei der Befreiung der philippinischen Hauptstadt Manila von den japanischen Besatzern starben mehr Zivilisten als in Berlin, Dresden oder Köln.
 

"3500 Inder auf der Seite der Wehrmacht"

Und einen weiteren Aspekt behandelt die Ausstellung: In den Kolonien gab es nicht nur Opfer, sondern auch Kollaborateure der faschistischen Achsenmächte, von Nordafrika und Palästina über den Irak und Indien bis nach Thailand und Indonesien. "Wer weiß schon, dass 3500 Inder auf der Seite der deutschen Wehrmacht gegen die englischen Kolonialherren kämpften?", fragt das Historische Museum in einer Mitteilung zur Ausstellung.

"Begann der Zweite Weltkrieg tatsächlich mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939? Oder gehört dazu nicht auch schon die Eroberung Äthiopiens durch italienische Kolonialtruppen ab dem Herbst 1935 oder der japanische Vernichtungskrieg gegen China, der im Sommer 1937 begann und für den in der chinesischen Erinnerung das Massaker von Nanking steht?" All dies sind Fragen, die die Schau beantworten will.
 
Redaktion: cawo / sofo
Bild: © S.I.R.P.A
Letzte Aktualisierung: 28.09.2012, 13:08 Uhr
 
 

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