Lugt in die Fenster der Neuen Galerie: "Fix" von Mou Baiyan
Kaum ist die Documenta vorbei, tauchen in der Kasseler Innenstadt erneut rätselhafte Skulpturen auf. Die Schau zeitgenössischer Künstler aus China ist ein Geschenk, zu dem es im Vorfeld jedoch auch kritische Stimmen gibt.
Die Schau mit dem Titel "Alles unter dem Himmel gehört allen" wird am Dienstag, 2. Oktober, eröffnet. 19 chinesische Künstler zeigen bis 18. Februar 2013 Installationen und Skulpturen im Stadtgebiet. Die Ausstellung ist ein Beitrag zum chinesischen Kulturjahr in Deutschland. Es wird anlässlich des 40. Jubiläums der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern veranstaltet.
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An 20 Orten zeigen die Künstler Skulpturen und Installationen, die sie in unmittelbarer Auseinandersetzung mit der Stadt Kassel entwickelt haben ein Novum in der Geschichte der chinesischen Kunst: Es ist die bisher größte Übersee-Ausstellung chinesischer Kunst im öffentlichen Raum und zugleich die größte Kunstausstellung die im Rahmen des Chinesischen Kulturjahrs in Deutschland 2012 stattfindet.
Einige Kunstwerke vereinen inhaltlich und formal Tradition und Moderne der östlichen und westlichen Welten in sich, andere thematisieren indirekt die Wunden des Krieges in Kassel, regen zum Nachdenken über ökologische Nachhaltigkeit an oder setzen sich mit ihrem kulturgeschichtlichen Kontext auseinander - ein Kaleidoskop der zeitgenössischen chinesischen Kunst.
"Alles unter dem Himmel gehört allen" bezieht sich auf den chinesischen Ausspruch Tian xia, soll aber auch ein Hinweis sein, dass die Ausstellung ein Geschenk Chinas anlässlich des 1.100-jährigen Bestehens Kassels ist.
Im Vorfeld der Schau hat der Kasseler Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) Kritik am Umgang mit kritischen Künstlern des Landes geübt. Er bezeichnete die Ausstellung zwar als "großartiges Geschenk" zum anstehenden 1.100-Jahr-Jubiläum der Stadt. Doch er verwies auch auf das Schicksal des vom chinesischen Staat mehrfach gemaßregelten Dissidenten und Künstlers Ai Weiwei, der bei der documenta im Jahr 2007 in Kassel für Aufsehen gesorgt hatte.
Der Künstler stehe den Kasselern besonders nahe, sagte Hilgen. "Wir wünschen uns sehr, dass er unbehelligt von staatlichem Handeln seiner künstlerischen Arbeit nachgehen kann." Trotz der intensiven wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte zwischen Deutschland und China dürfe nicht vergessen werden, dass es unterschiedliche Auffassungen gebe, etwa in der Frage der persönlichen Freiheit.
Nach der Verhaftung von Ai Weiwei im vergangenen Jahr wegen regimekritischer Äußerungen hatte es in Kassel eine Solidaritätskundgebung gegeben. Ein Jahr zuvor war ihm der Kasseler Bürgerpreis "Glas der Vernunft" verliehen worden. Auch während der documenta 13 in diesem Jahr hatte eine Aktion für den Dissidenten stattgefunden.
Klaus Siebenhaar, Direktor des Instituts für Kultur- und Medienmanagement an der Freien Universität Berlin, sagte, dass es trotz der finanziellen Unterstützung durch das chinesische Kulturministerium keine Einflussnahme auf die Auswahl der Künstler gegeben habe. Das Budget beträgt seinen Angaben zufolge rund zwei Millionen Euro. Etwa 90 Prozent seien von chinesischen Sponsoren gekommen, der Rest vom Staat.
Siebenhaar kuratiert die Ausstellung gemeinsam mit Fan Dian, Direktor des chinesischen Nationalmuseums, und Yu Ding, Vizedirektor der Central Academy of Fine Arts in Peking. Laut Yu ist die Ausstellung in Kassel die bisher größte mit chinesischer Kunst im öffentlichen Raum außerhalb des Landes. Zwar habe es ähnliche Ausstellungen in Städten wie Washington oder Paris gegeben, jedoch in geringerem Umfang.