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Straßenbauarbeiter an der Katharinenpforte, heute Fußgängerzone zwischen Hauptwache und Liebfrauenberg (Bild: Kurt Liese)
Straßenbauarbeiter an der Katharinenpforte, heute Fußgängerzone zwischen Hauptwache und Liebfrauenberg
20.11.2012

Die "Harald-Reportagen"

Einmalige Fotos von Frankfurt

Als 2010 der Fotograf Kurt Liese alias Harald stirbt, macht sich Enkel Robert Strouhal daran, das Arbeitszimmer auszuräumen. Beim Stöbern findet er tausende Fotos, die sein Opa vom Frankfurt der 50er bis 70er Jahre gemacht hatte. Schnell wird ihm klar, das sind nicht irgendwelche Schnappschüsse.
 
Robert Strouhals Großvater hatte seine Heimatstadt Frankfurt in Zeiten des Umbruchs porträtiert: In den Nachkriegsjahren, als die zerstörte Stadt erst langsam wieder zu strahlen beginnt. Als die US-Armee einzieht, mit ihr Angst, aber auch Hoffnung auf einen Neuanfang.
 

Kurt Lieses Frankfurt-Fotos 

 
Klicken Sie auf ein Bild, um in die Galerie zu gelangen (20 Bilder)
 
Und dann die Jahre des Wirtschaftswunders: Die Einkaufsmeile Zeil wird wieder aufgebaut. Kurt Liese filmt sogar die Bauarbeiten an der Hauptwache für Frankfurts erste U-Bahn in den Sechzigern. In Schmalfilmen und Fotos hält er fest, wie die Stadt nach dem Krieg neuen Mut fasst. Wie in den Siebzigern noch Straßenbahnen über die Zeil rattern, bevor sie später zur Fußgängerzone wird. Privataufnahmen aus jener Zeit – ein seltener Schatz.

 

Chronik der Stadt

Video: Unentdeckte Fotos aus dem Frankfurt der 50er bis 70er Jahre 5:37 Min
(© hr | hauptsache kultur, 08.11.2012)
Mit diesem Fund beginnt für den Enkel eine Reise in die Vergangenheit. Fasziniert von den alten Bildern begibt er sich auf Spurensuche, will wissen, wo die Fotos entstanden sind. So kommt er auf die Idee, die Orte, die sein Großvater porträtiert hat, heute zu fotografieren, dem Alten das Neue gegenüber zu stellen, fortzuführen, was sein Opa begonnen hatte: die Chronik einer Stadt im ständigen Wandel.

Wo man früher am Main noch das Auto waschen durfte, darf heute nur die Skyline glänzen. Und manche Amüsierecke im alten Bahnhofsviertel - längst ein freudloser Betonklotz. "Harald-Reportagen" hat Strouhal seine fotografischen "Gegenüberstellungen" genannt, nach dem Künstlernamen seines Opas. Bislang ein reines Internetprojekt.
 

Bewegendes Foto-Projekt

Als Chronisten der Stadt haben Robert Strouhal und sein verstorbener Großvater ein einzigartiges Privatarchiv aufgebaut. Im Netz für jeden zugänglich finden sich dort Fotos, die den Blick auf Frankfurt verändern. Was einst aus Trauer über den Verlust des Großvaters entstand, ist zu einem bewegenden Foto-Projekt geworden. In den "Harald-Reportagen" verweben sich Stadt- und Familiengeschichte und zeichnen so ein fast vergessenes Bild deutscher Nachkriegszeit.

Ein Beitrag von Nora Binder in "hauptsache kultur"
 
Redaktion: nrc
Letzte Aktualisierung: 20.11.2012, 15:18 Uhr
 
 

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