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2.02.2013

Von Kaschemmen und Nobelherbergen

Gastronomie in Alt-Frankfurt

Gaststätte Karl Heyland, Gastraum mit Gästen, um 1930 (Bild: Institut für Stadtgeschichte)
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Gaststätte Karl Heyland, Gastraum mit Gästen, um 1930
"Frankfurter Hof", "Krawallschachtel" und "Weiße Lilie": Vieles, was einst den Charme des gastronomischen Lebens Frankfurts ausmachte wurde im Zweiten Weltkrieg teilweise oder ganz zerstört. Eine Ausstellung zeigt jetzt Abbildungen und Fotos vom Gastgewerbe bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.
 
Ob als traditionsreiche Messestadt, als Wahl- und Krönungsort der deutschen Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation sowie als Verkehrsknotenpunkt mit langer Historie: Frankfurt am Main zog seit jeher Gäste in großer Zahl an. Im Laufe der Zeit etablierte sich ein umfangreiches Hotel- und Gaststättengewerbe, das nicht nur Auswärtigen, sondern auch Hiesigen als Anlauf- und Treffpunkt diente. So zählte die Stadt Anfang des 20. Jahrhunderts zu den bedeutendsten deutschen Tourismusmagneten, die mit Apfelweinwirtschaften, Nobelhotels und Ausflugslokalen eine vielfältige gastronomische Palette bereithielt.

"Frankfurter Hof und Krawallschachtel in der City oder Weiße Lilie in Bornheim - trotz erheblicher Kriegsverluste hat die Main-Metropole doch noch so manchen geschichtsträchtigen Gastronomiebetrieb aufzuweisen", unterstrich Dr. Evelyn Brockhoff, leitende Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte, bei Vorstellung der neuen Sonderausstellung "Von Kaschemmen und Nobelherbergen. Gastronomie in Alt-Frankfurt", die am 4. Februar 2013 im Karmeliterkloster eröffnet wird.
 

Ein Ausflug in die Gastronomiegeschichte Frankfurts 

 
Klicken Sie auf ein Bild, um in die Galerie zu gelangen (12 Bilder)
 

Urige Altstadtkneipen und mondäne Innenstadtlokale

Video: Hessen isst: Ausstellung zum Gastgewerbe 34 Sek
(© hr | hessenschau, 01.02.2013)
Die neue Sonderausstellung im Institut für Stadtgeschichte dokumentiert das Gastgewerbe der Main-Metropole bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Erarbeitet hat sie der langjährige Ausstellungskurator Helmut Nordmeyer, Leiter der Abteilung Sammlungen des Instituts. Er lädt die Besucher nach einem kurzen Rückblick auf die Entwicklung seit dem Mittelalter zu einem Rundgang - Stadtviertel für Stadtviertel - durch die ehemals enorm vielfältige Frankfurter Hotel- und Gaststättenszene bis 1943/44 ein. Kleine, beschauliche Apfelweinwirtschaften der Altstadt standen mondänen Vergnügungsetablissements der Innenstadt und des Bahnhofsviertels gegenüber, in denen Hunderte von Gästen gleichzeitig bewirtet werden konnten. Glitzerwelt und Hektik der modernen Großstadt und reichsstädtische Fachwerkidylle, Geschichte und Gegenwart, lagen dicht beieinander.

Die meisten der in der Ausstellung gezeigten Lokalitäten sind zusammen mit Alt- und Innenstadt im Zweiten Weltkrieg untergegangen. Auch wenn seither zahllose neue Gaststätten und Hotels entstanden und die Frankfurter Gastronomie zu neuen Höhenflügen ansetzte, so ließ sich doch die besondere Mischung von urigen Altstadtkneipen und mondänen Innenstadtlokalen nicht wiederherstellen. Das, was einst den Charme des gastronomischen Lebens der Main-Metropole ausmachte und was mit den Luftangriffen von 1943/44 unwiderruflich verloren ging, führt die Ausstellung nochmals in vielen Abbildungen und Fotos vor Augen.
 

Realität der NS-Zeit jenseits von Apfelweinseligkeit

Information

Von Kaschemmen und Nobelherbergen - Gastronomie in Alt-Frankfurt

4. Februar bis 23. Juni 2013

Instituts für Stadtgeschichte (Karmeliterkloster)
Münzgasse 9
60311 Frankfurt am Main

Öffnugnszeiten: Mo. bis Fr. von 10 bis 18 Uhr, Sa. und So. von 11 bis 18 Uhr in der Münzgasse 9 zu sehen.

Email: www.stadtgeschichte-frankfurt.de
"Daneben war es mir aber auch wichtig zu zeigen, aus welchen Beständen des Instituts viele Informationen zu den Betrieben stammen", machte Kurator Nordmeyer deutlich. "Gerade die Konzessionsakten bieten - so trocken sie auch sind - zuweilen tiefe Einblicke in die Alltagswelt." Besonders eindrücklich kommt dies bei den von Nordmeyer ausgewählten Dokumenten zur NS-Zeit zum Ausdruck. Als "Verkehrslokale von Homosexuellen" ziehen 1938 vier Gaststätten die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich. Verunglimpft "als die übelsten ihrer Art", sollen sie geschlossen oder gegenüber ihren Inhabern "zumindest eine eingehende Verwarnung mit entsprechenden Auflagen" ausgesprochen werden.

Auch über dem als "Nichtarier" verdächtigen Inhaber der "Sportzentrale zum dicken Julius" braut sich 1941 das Unheil der NS-Verfolgungsmaschinerie zusammen. Von der NSDAP-Ortsgruppe Altstadt denunziert, wird dem Polizeipräsidium bald darauf von der Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe die Schließung des Lokals nahe gelegt: "Nach meiner Auffassung hat ein Mischling 2. Grades im dritten Reich keine Berechtigung eine Gastwirtschaft zu führen... Heil Hitler!" Bald darauf war "Zum dicken Julius" nicht mehr nachweisbar. Durch die geschickte Auswahl der Dokumente zeigt Nordmeyer in der Ausstellung so ganz beiläufig die bedrückende Realität der NS-Zeit jenseits von Apfelweinseligkeit und mondänen Vergnügungspalästen.
 
Redaktion: than
Bild: © Institut für Stadtgeschichte
Letzte Aktualisierung: 1.02.2013, 17:27 Uhr
 
 

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