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3.02.2013

Dein Werther - unser Werther...

Ein Roman überwindet Grenzen

Ein weltweiter Literaturklassiker: Die Leiden des jungen Werther. (Bild: Deutsches Strumpfmuseum)
Ein weltweiter Literaturklassiker: Die Leiden des jungen Werther.
Wie klingt der berühmte erste Satz des Prologs aus Goethes "Werther" in Amharisch, Japanisch oder Dänisch? Im Frankfurter Goethe-Haus können sich Besucher vom weltweiten "Werther"-Kult anstecken lassen und einem "Werther" kennen lernen, der so gar nicht altmodisch und verzopft daherkommt.
 
Der 24-jährige Johann Wolfgang Goethe sitzt an seinem Schreibtisch im Elternhaus am Großen Hirschgraben und schreibt an seinem ersten Roman, den er, nach eigenem Bekunden, in nur vier Wochen vollendet. Sein Briefroman mit dem Titel "Die Leiden des jungen Werthers", in dem er selbst Erlebtes literarisch verarbeitet, um sich danach "wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt" zu fühlen, erscheint im Herbst 1774 auf der Leipziger Buchmesse.

Selten dürfte eine Neuerscheinung die Gemüter so bewegt haben wie dieses Buch, mit dem der bis dato als Autor noch weitgehend unbekannte Goethe die literarische Bühne betritt. Die Sensation ist perfekt - der "Werther" wird begeistert gefeiert, aufs heftigste kritisiert, geliebt und verschlungen, parodiert und umgearbeitet, verrissen und verboten, die schönsten Szenen werden illustriert oder auf Porzellan gebrannt, kurz, das Buch wird Kult. Allein die Erstfassung wird bis 1790 etwa dreißigmal gedruckt, zumeist in Nach- oder Raubdrucken, die dem jungen Autor zwar kein Geld einbringen, aber dafür Ruhm, und das weit über die deutschen Landesgrenzen hinaus.
 

Die Sprache der Liebe in allen Sprachen

Information

Dein Werther - unser Werther

6. Februar bis 24. März 2013

Frankfurter Goethe-Haus
Freies Deutsches Hochstift
Großer Hirschgraben 23-25
60311 Frankfurt am Main

Email: info@goethehaus-frankfurt.de
Internet: www.goethehaus-frankfurt.de
Denn der "Werther" ist nicht nur Goethes größter Bucherfolg, sondern zugleich der erste deutsche Bestseller von Weltgeltung. Schon 1775 wird der Roman ins Französische übertragen, eine englische Übersetzung erscheint 1779; es folgen noch zu Goethes Lebzeiten Ausgaben in Russisch, Italienisch, Niederländisch, Schwedisch, Spanisch, Dänisch und Portugiesisch. In ganz Europa grassiert plötzlich das "Werther"-Fieber.

Bis heute ist der "Werther" in mehr als 60 Sprachen übersetzt, ins Persische ebenso wie ins Hebräische. Urdu, Armenisch, Koreanisch, Indonesisch fehlen genauso wenig wie Esperanto, Latein und Blindenschrift. Bei keinem anderen Werk Goethes - den "Faust" vielleicht ausgenommen - kann man so wie beim "Werther" von einem Welterfolg sprechen und muss sich fragen, wie es den zahlreichen Übersetzern gelungen ist, diesen so speziellen Briefroman des 18. Jahrhunderts in ihre Sprache, ja in die fremde Kultur zu übertragen.

Ist Goethes "Werther" ein Beleg dafür, dass die Sprache der Liebe in allen Ländern und Kulturen verstanden wird? Warum behält dieses Buch - auch knapp 240 Jahre nach seiner Erstpublikation - in so vielen Sprachen seinen Reiz? Ist es so, wie es der Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz in seinen "Briefen über die Moralität der 'Leiden des jungen Werthers'" schreibt: "Eben darin besteht Werthers Verdienst, dass er uns mit Leidenschaften und Empfindungen bekanntmacht, die jeder in sich dunkel fühlt, die er aber nicht mit Namen zu nennen weiß".
 

Die Erfolgsgeschichte des Bestsellers zum Anfassen

Wo, wenn nicht im Frankfurter Goethe-Haus, dem Entstehungsort von Goethes Briefroman, sollte man dieser Frage nachgehen und diese vielen Übersetzungen zeigen - doch diesmal nicht nur hinter Glas, sondern täglich zwischen 13 und 17 Uhr auch offen, zum In-die-Hand-Nehmen, Staunen, Bewundern, Blättern und Lesen. Die Ausstellung, die vom 6. Februar bis zum 24. März 2013 im Freien Deutschen Hochstift / Frankfurter Goethe-Haus zu sehen ist, wurde von Katharina Lehnert-Raabe kuratiert und präsentiert die neue, internationale "Werther"-Abteilung der Stadtbibliothek Wetzlar.

Ergänzt wird die Schau, die im letzten Jahr während des Hessentags in Wetzlar zu sehen war, in Frankfurt durch einen historischen Teil zur Erfolgsgeschichte von Goethes Bestseller, den Doris Schumacher und Joachim Seng zusammengestellt haben. Die kostbare Erstausgabe des Romans, frühe Übersetzungen und solche mit schönen Illustrationen, selten gezeigte Handschriften und so manche Devotionalie aus dem Besitz der Familie Kestner aus dem Besitz des Freien Deutschen Hochstifts rund um das Thema "Werther" und seine biographischen Hintergründe komplettieren die Ausstellung, die so auf beeindruckende Weise Zeugnis von der Faszination gibt, die bis heute von Goethes Roman über alle Grenzen hinweg ausgeht. Kooperationspartner der Ausstellung ist die Wetzlarer Goethe-Gesellschaft e.V., gefördert wird sie durch die Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten (ALG).
 

Buntes Begleitprogramm zur Ausstellung

Eröffnet wird die Ausstellung am 5. Februar 2013, 19 Uhr, durch den englischen Dichter und "Werther"-Übersetzer David Constantine, der über "Englishing Werther" spricht. Constantine, der auch Goethes "Faust" übersetzte und über die Lyrik Hölderlins promovierte, arbeitet als Lektor für Deutsch an der Durham University und als Dozent am Queen's College in Oxford. Er veröffentlichte seit 1980 sechs Gedichtbände und gibt die Zeitschrift "Modern Poetry in Translation" heraus.

Zum Begleitprogramm der Ausstellung gehört ein Vortrag von Howard Gaskill, der am 5. März 2013, 19 Uhr, unter dem Titel "Wie singt Werther Ossians Lieder?" über Aspekte englischer "Werther"-Übersetzungen spricht. Am 15. März 2013, 19 Uhr, unterhalten sich dann die französischen Übersetzer Philippe Forget und Christian Helmreich mit der Germanistin Alexandra Richter über das Thema "Deutsch-französischer Kulturtransfer: Goethes ‚Werther' in Frankreich". Diese Veranstaltung wird unterstützt durch das Institut français und das Büro für Hochschulkooperation Bonn sowie das Institut français d'histoire en Allemagne Frankfurt am Main.

Besucher können sich anstecken lassen vom weltweiten "Werther"-Kult und einem "Werther", der so gar nicht altmodisch und verzopft daherkommt. Sie können erleben, welche Farbe Lottes Schleifen in Amharisch, Japanisch oder Dänisch haben, hören, wie der berühmte erste Satz des Prologs in anderen Sprachen klingt, und "Lottes Echte" kennen lernen.
 
Redaktion: than
Bild: © Deutsches Strumpfmuseum
Letzte Aktualisierung: 1.02.2013, 17:18 Uhr
 
 

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