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(l.) Mann sitzt auf Esel, zeitungslesend, (r.) Fußballfans schauen, auf Fahrräder stehend, über einen Zaun (Bild: Toni Schneiders)
Zwei Arbeiten von Toni Schneiders: "Die Sonntagszeitung, Santorin, Griechenland, Mai 1961" (l.) und "Zaungäste beim Fußball, Weißenthurm, August 1951"
19.02.2013

Ausstellung

Toni Schneiders' scharfer Blick

Was aussieht wie Schnappschüsse, ist akribisch gestaltet: Mit seinen Arbeiten hat Toni Schneiders über 40 Jahre lang das Zeitgeschehen der Nachkriegszeit dokumentiert. In Rüsselsheim sind nun seine Fotografien zu sehen.
 
Toni Schneiders ist einer derjenigen deutschen Fotografen, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Fotografie in Deutschland erneuert haben. So gehörte er zur Avantgardegruppe fotoform, die er 1949 mitbegründete.
 

Fotografien von Toni Schneiders 

 
Klicken Sie auf ein Bild, um in die Galerie zu gelangen (9 Bilder)
 

Motive von "draußen"

Audio: Toni Schneiders - eine stille Retrospektive 4:15 Min
(© Hessischer Rundfunk, 20.02.2013)

Information

Toni Schneider. Fotografien 1946-1990

Opelvillen
Ludwig-Dörfler-Allee 9
65428 Rüsselsheim

20. Februar - 9. Juni 2013

Opelvillen: Anfahrt und Öffnungszeiten
Zum einen wollte diese Gruppe fotografische Traditionen, wie sie vor dem Nationalsozialismus bestanden, wieder aufgreifen, zum anderen neue Möglichkeiten der Gestaltung voranbringen - ein "Neues Sehen", wie fotoform dies bezeichnete.

Darüberhinaus verstand sich Toni Schneiders vor allem als Beobachter dessen, was Leben und Alltag an Motiven bot, als Beobachter von Wirklichkeit. Er wollte Realität abbilden, machte ebenso Porträts wie Reise-, Industrie- und Landschaftsfotograf. Ihm war es am liebsten, wie er einmal sagte, seine Motive "draußen", im Leben und in der Natur, zu finden. Doch beliebig waren seine Arbeiten deshalb noch lange nicht. Seine fotografische Idee verwirklichte er erst dann, wenn er auch das optimale Licht vorfand: "Jedes Foto ist ein Ausschnitt und ein Teil der Wahrheit", so Schneiders.
 

Kriegserlebnisse

Toni Schneiders, 1920 in Urbar bei Koblenz geboren, diente im Zweiten Weltkrieg zunächst als Soldat in der Lichtbildstelle und war ab 1942 bis zum Kriegsende als Kriegsberichterstatter in Frankreich und Italien eingesetzt. Am 12. September 1943 wurde er zur Befreiung Mussolinis auf dem Bergmassiv des Gran Sasso durch deutsche Fallschirmjäger abkommandiert. Seine Aufnahmen dieser spektakulären Aktion werden heute im Bundesarchiv in Koblenz aufbewahrt.

1945 gelang ihm die Flucht aus russischer Kriegsgefangenschaft. Im Gepäck hatte er eine alte Leica samt Zubehör, eine ehemalige Dienstkamera der Luftwaffe. Mit dieser Kamera wagte er den Neuanfang als freier Fotograf. Er zog an den Bodensee, gründete ein Fotostudio in Meersburg, später in Lindau, etablierte sich als Fotograf und Bildjournalist.
 

Information

Buchtipp

"Toni Schneiders. Fotografie"
Hrsg. Landesmuseum Koblenz, Texte von J. A. Schmoll gen. Eisenwerth, Ulrich Pohlmann, Christoph Bauer
Deutsch/Englisch
208 Seiten, 141 Abb.,€ 29,80
ISBN 978-3-7757-2182-0
Hatje Cantz, 2008

1949 gründete er zusammen mit Peter Keetman, Siegfried Lauterwasser, Wolfgang Reisewitz, Ludwig Windstoßer und Otto Steinert die Gruppe fotoform, zu der später noch sein Freund Heinz Hajek-Halke hinzustieß. "Die Ausstellungen und Aktivitäten der Gruppe waren in den 50er-Jahren aufsehenerregend, prägend und vorbildhaft, im In- genauso wie im Ausland", heißt es in der Mitteilung der Opelvillen Rüsselsheim. Zusammen mit Siegfried Lauterwasser und Wolfgang Reisewitz wurde Schneiders 1999 der Kulturpreis der DGPh, der Deutschen Gesellschaft für Photographie, verliehen. 2006 starb Schneiders mit 86 Jahren in seinem Haus in Lindau.

Rund 120 Fotografien sind in der Ausstellung in Rüsselsheim zu sehen. Sie zeigt nicht nur bekannte Fotografien aus der Ära fotoform, sondern auch späte Arbeiten bis hin zu den 1990er Jahren. Dabei ist auch ein Fundstück: 1954 fotografierte Schneiders die Gleisanlage des Rüsselsheimer Bahnhofs.
 
Redaktion: nrc / dase
Letzte Aktualisierung: 20.02.2013, 20:38 Uhr
 
 

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