Direktor Raphael Gross und das Jüdische Museum in Frankfurt
25 Jahre Jüdisches Museum Frankfurt: Raphael Gross, sein Direktor, hat allen Grund zu feiern. Im Sommer 2014 beginnen die Bauarbeiten für einen Erweiterungsbau, mit dem ein neues Kapitel in der Geschichte des Hauses aufgeschlagen wird.
Mit dem Erweiterungsbaus kann das Jüdisches Museum den Schritt vom Hüten und Bewahren zum sich Öffnen und Vernetzen machen. Wie dem Städel scheint auch dem Jüdischen Museum mit der Verdoppelung seiner Ausstellungsfläche der Sprung vom großbürgerlich beengten Kleinod am Main zum thematisch gesetzten urbanen Raum nun zu gelingen.
"Das, was wir machen wollen", so Rapahel Gross, "ist ein 'Jewish Space' in Frankfurt, also ein Ort, wo man jüdische Kultur erlebt, wo man etwas lernen kann, wo man auch Leute trifft, wo man eine Gastronomie hat, wo man eine Bibliothek findet, wo man vorträgt, Konzerte usw. hören und erfahren kann, inklusive ein neues pädagogisches Zentrum, was für uns sehr wichtig ist und eben die Wechselausstellungen, die für das Publikum hoffentlich von großem Interesse sein werden."
Vom Völkerkundemuseum ins Rothschildpalais
Information
Buchtipp
Jettchen Geberts Kinder. Der Beitrag des deutschen Judentums zur deutschen Kultur des 18. bis 20. Jahrhunderts am Beispiel einer Kunstsammlung
Broschüre des Jüdischen Museum Frankfurt, Berlinische Galerie, Leo Baeck Institute New York, Jerusalem, London (1986)
Angefangen hat es mit "Jettchen Geberts Kinder". 1986 war das, auf dem Dachboden des Völkerkundemuseums, heute Museum der Weltkulturen, wo Gemälde, Bücher, Werke aus der Hochzeit des deutschen Judentums ab dem 18. Jahrhundert zwischen schrägen Wänden ausgestellt worden sind. Das war noch vor dem Einzug in das Rothschildpalais und der Einweihung des jüdischen Museums am Untermainkai durch seinen Gründungsdirektor Georg Heuberger. Unter seiner Ägide folgte später die Präsentation der Farbfotografien aus dem Ghetto von Lodz, entdeckt von Hanno Loewy in einem Salzburger Archiv.
Von Bubis bis Raubkunst
Mit dem Wechsel in der Direktion zu Raphael Gross begann eine weitere Öffnung des Museums, im Vordergrund die Geschichte und die Kultur und nicht der Holocaust. "Gleichzeitig", so Gross, "sind wahrscheinlich die Themen, die eher bis in die Gegenwart hineingehen, in den letzten sechs, sieben Jahren am Museum verstärkt bearbeitet worden, mit der Bubis-Auseinandersetzung, mit Raubkunst-Auseinandersetzung, mit der Einwanderung der etwa eine viertel Million russischer Juden insofern hat sich da eine bestimmte Verlagerung ergeben."
Das Erbe von Anne Frank
Buddy Elias (M.) am 28.02.2012 in Frankfurt mit Museumsdirektor Raphael Gross (l.) und dem Frankfurter Kulturdezernenten Felix Semmelroth (r.)
Raphael Gross, der im Februar 2006 als Direktor des Jüdischen Museums antrat, 2007 die Direktion des Fritz-Bauer-Instituts an der Goethe-Universität übernahm und nebenbei das Leo-Baeck-Institut in London weiterleitete er vernetzte von Anfang an die Wissenschaftler des Fritz-Bauer-Instituts mit den Wechselausstellungen, denen er durch Symposien an der Goethe-Universität ein breiteres Fundament erarbeitete. Sein letzter Coup: die Übernahme des Archivs der Baseler Familienstiftung von Anne Frank: "Wir haben einen auf zunächst 25 Jahre geschlossenen Dauerleihvertrag mit der Anne-Frank-Stiftung Basel und der Familie von Buddy Elias, dem Cousin von Anne Frank. Daraus erwächst für uns ein Bestand von etwa 1000 Objekten, aus denen wir einige zentrale auswählen und in unserer neuen Dauerausstellung zeigen werden."
Mit einem Neubau von 3000 m² besteht für das Jüdische Museum die Chance, sich inhaltlich zu häuten: "Das Jüdische Museum wird seine Fläche verdoppeln. Das wird dazu führen, dass wir in gewisser Weise ein anderes Museum sein werden. Im Altbau wird vieles ganz neu gestaltet werden können zum einen wird beispielsweise das ehemalige Rothschildpalais auch selber stärker als ein Objekt in den Vordergrund treten, zum anderen wird im Anbau die Möglichkeit bestehen, dass wir wirklich professionelle Wechselausstellungsräume haben."
Tabu-Themen
Information
Juden. Geld. Eine Vorstellung
25. April 6. Oktober 2013
Jüdisches Museum
Untermainkai 14/15
60311 Frankfurt am Main
Und damit wird auch deutlich, was dem Direktor das Konzept des "Jewish Space" bedeutet: ein Raum, in dem man jüdische Kultur und Geschichte erleben und anhand der digitalisierten Dauerleihgaben erforschen kann. Der Baubeginn ist nächstes Jahr. In diesem Jahr werden Tabu-Themen präsentiert: "Juden. Geld. Eine Vorstellung" heißt die Ausstellung, die das älteste Vorurteile Juden gegenüber ab 25. April im Jüdischen Museum analysiert.