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Landesregierung macht ernst

Schloss Erbach auf der Kaufliste

Blühende Perspektive? Schloss Erbach (Bild: dpa)
Blühende Perspektive? Schloss Erbach (Bild: dpa)
Schloss Erbach ist ein kunsthistorisches Museum von Weltruf und einzigartig in Deutschland. Jetzt sind die umstrittenen Kauf-Vorverhandlungen zwischen der Grafenfamilie und dem Land Hessen abgeschlossen.
 

Vorverhandlungen abgeschlossen

Schloss Erbach

Nähere Informationen:
Odenwald-Regional- Gesellschaft mbH
Touristik-Zentrum Odenwald
Marktplatz 1
64711 Erbach

Tel: (06062) 94330
Fax: (06062) 943317

Schlossführungen:
Von März bis Oktober
Täglich um 15 Uhr
Samstag, Sonntags und Feiertage um 14, 15, 16 und 17 Uhr

Voranmeldungen für Sonderführungen möglich.
Das Schloss kann nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Die Vorverhandlungen zum Kauf des historischen Gebäudes seien abgeschlossen, sagte Kunstminister Udo Corts (CDU) in Wiesbaden. Das Land Hessen will damit das einzigartige Kulturensemble für die Region sichern. „Das hätten wir uns doch nie verziehen, wenn dieser Schatz in alle Winde verstreut worden wäre“, sagte Corts. Dieses Risiko wäre man eingegangen, hätte das Land nicht gehandelt.

Die Regierung räumt der in finanzielle Bedrängnis geratenen gräflichen Familie, die das Schloss derzeit besitzt, eine Eigentumswohnung von 1000 Quadratmetern Fläche ein. Ursprünglich war an diesem Punkt ein kostenloses Wohnrecht der Familie in männlicher Linie geplant gewesen. Corts kündigte an, das Projekt am 1. Juni in den Haushaltsausschuss des Landtags einzubringen.
 

Lange Verhandlungsgeschichte

Bereits in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte sich die Grafenfamilie an das Land Hessen gewandt, da das Haus Erbach den Unterhalt für das Schloss aus den Erträgen der Waldwirtschaft kaum noch aufbringen konnte.

1997 und 1998 wurden erneut Verhandlungen aufgenommen. Grundlage wurde u.a. ein Gutachten von Christie’s über den Wert der Sammlungen. Diese Verhandlungen setze auch die neue Landesregierung nach 1999 fort. Es erfolgten Wertfeststellungen durch „Douglas“ und das Staatsbauamt Darmstadt.
 

Mit Schloss fürs Schloss "Geld verdienen"

Römische Imperatoren dicht gedrängt: Caesar, Hadrian und  weitere Marmor-Köpfe antiker Führer zählen zu den Schmuckstücken des Schlossmuseums in Erbach. (Bild: dpa)
Römische Imperatoren dicht gedrängt: Caesar, Hadrian und weitere Marmor-Köpfe antiker Führer zählen zu den Schmuckstücken des Schlossmuseums in Erbach. (Bild: dpa)
Inzwischen sind die Sammlungen inventarisiert und der Wert aller Teile des Gesamtensembles ermittelt. Der Kaufpreis beträgt 13,3 Millionen Euro. Genau so viel wollte die Landesregierung schon einmal für das Schloss bezahlen, bevor sie das Projekt nach heftiger öffentlicher Kritik vor anderthalb Jahren vorübergehend stoppte.

"Wir erwerben eine Kunstsammlung, die ganz, ganz wichtig ist für das Land", verteidigte Corts das Vorhaben. Das Land wird sich außerdem an einer Betriebsgesellschaft beteiligen. Damit kommen Folgekosten von 120.000 Euro jährlich ab 2008 und einmalige Instandsetzungskosten von 600.000 Euro auf den Landeshaushalt zu.

Doch die Regierung rechnet auch mit Einnahmen: Jährlich sollen nun - statt wie bisher 15.000 Besucher - bis zu 100.000 Menschen in das Odenwald-Schloss kommen. Ziel sei es, so Corts, "Geld zu verdienen". Für den Odenwald sei das Schloss mit seinen Sammlungen von ähnlich hoher Bedeutung, wie etwa für den Kasseler Raum das Ensemble Schloss Wilhelmshöhe und die Kasseler Kunst- und Kultursammlungen.
 

Von Alexander dem Großen bis zur Einhardskapelle

Neben Kunst auch Kuriositäten: Der mächtige Kopfschmuck eines Elches ist das Schmuckstück unter den Geweihen im Erbacher Schloss (Bild: dpa)
Neben Kunst auch Kuriositäten: Der mächtige Kopfschmuck eines Elches ist das Schmuckstück unter den Geweihen im Erbacher Schloss
Nach Auffassung der Experten des Landesmuseums Darmstadt ist die Bedeutung des Erbacher Ensembles herausragend und in Deutschland einzigartig. Die vor rund 200 Jahren angelegte museale Präsentation der Ausstellungsstücke, für die das Erbacher Schloss eigens umgebaut wurde, ist fast unverändert bis heute erhalten geblieben und damit ein originales Zeugnis der Museumsidee des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Prunkstücke der Sammlungen sind der Schöllenbacher und der Zeller Altar, die Einhardskapelle und die Büste Alexanders des Großen, die in der römischen Villa Hadrians ausgegraben wurde.
 

Betriebsgesellschaft übernimmt Verwaltung

Eine „Betriebsgesellschaft Schloss Erbach“ wird das Museum künftig verwalten. Die Stadt Erbach und der Odenwald-Kreis (die Odenwald-Regional Gesellschaft mbH „OREG“), sorgen für den laufenden Betrieb des Museums, das Land setzt Schloss und Sammlungen in Stand und gibt zur Bauunterhaltung und der konservatorischen Betreuung durch das Landesmuseum Darmstadt einen jährlichen Zuschuss.
 

Kritik der Parteien am Kauf

Sowohl SPD, FDP als auch DIE GRÜNEN haben die Kaufverhandlungen hefitg kritisiert. "Ministerpräsident Koch und Finanzminister Weimar haben Hessen in die Pleite geüfhrt. In großem Stil wird Landesvermögen verschachert. Zu diesem Ausverkauf des Landes passt kein Schlosskauf für insgesamt 13,2 Millionen n Euro," sagt der finanzpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Norbert Schmitt. Der Kauf des Schlosses passe nicht in die Zeit.

Der finanzpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, Roland von Hunnius, ist entsetzt, dass sich die Landesregierung über alle finanzpolitischen Bedenken hinweg setze. "Der Kauf geschieht auf Pump... Unsere Kinder müssen das bezahlen, folglich wird ihre Zukunft gegen Hirschgeweihe eingetauscht."

"Der Skandal wächst sich aus. Über die im Haushaltsplan veranschlagten 13,3 Millionen Euro hinaus lastet Wissenschaftsminister Corts (CDU) dem Land durch den Kauf des Erbacher Schlosses weitere fünf Millionen Euro Kosten auf", kritisiert der Parlamentarische Geschäftsführer der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Frank Kaufmann. "Und dies während der Finanzminister gleichzeitig Einnahmeausfälle in Höhe von 330 Millionen Euro beklagt. Der einzige Gewinner ist der Graf von Erbach-Erbach, der sich über eine Eigenheimzulage des hessischen Steuerzahlers von hundert Prozent für tausend Quadratmeter feudale Wohnfläche freuen kann."
 
Redaktion: nrc
Stand: 25.05.2005
 
 

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