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Blick in die Eröffnunsgausstellung 2002 im Hessischen Rundfunk Frankfurt (Bild: hr)
Blick in die Eröffnunsgausstellung 2002 im Hessischen Rundfunk Frankfurt
18.04.2012

Allgemeine Information

Eine Ausstellung, die wächst

Die Ausstellung wandert seit ihrer Eröffnung in Frankfurt 2002 sehr erfolgreich durch Hessen. Das Ausstellungsteam erarbeitet für jede Ausstellungsstation neue regionale Vitrinen, die sich mit der Geschichte des legalisierten Raubes vor Ort beschäftigen.
 
Waren es bei der Erstpräsentation 15 Vitrinen, die die Geschichten der Opfer erzählten, sind es heute weit über 80. Sie entstehen auf der Basis weiterer Recherchen und an manchen Orten oft in Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern sowie weiteren regionalen Partnern.

Die Ausstellung war bisher in Marburg, Darmstadt, Gießen, Wiesbaden, Wetzlar, Kassel, Fulda, Offenbach, Friedberg, Gross-Gerau, Hanau, Felsberg, Limburg, Rotenburg, Korbach, Gelnhausen und Eschwege sowie im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen.
 

Geschichte der Tätergesellschaft

Blick in ein Amtszimmer (Bild: hr)
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Im nachgebauten Zimmer eines Finanzbeamten können die Ausstellungsbesucher in Aktenordnern blättern: Sie enthalten u.a. Faksimiles jener Vermögenslisten, die Juden vor der Deportation ausfüllen mussten, um den Finanzbehörden die "Verwaltung und Verwertung" ihrer zurückgelassenen Habseligkeiten zu erleichtern.
Die Ausstellung beschäftigt sich mit den Gesetzen und Verordnungen, die ab 1933 auf die Ausplünderung jüdischer Bürger zielten. Sie stellt die Beamten der Finanzbehörden vor, die die Gesetze in Kooperation mit weiteren Ämtern und Institutionen umsetzten, und sie erzählt von den Opfer dieser Maßnahmen.

Ausstellungstafeln informieren über die Geschichte der Tätergesellschaft, die mit einem Rückblick auf die Zeit vor 1933 beginnt: Die Forderung nach einer Enteignung der Juden gab es nicht erst seit der "Machtübernahme" durch die Nationalsozialisten. Sie konnten vielmehr auf weit verbreitete antisemitische Klischees zurückgreifen, insbesondere auf das Bild vom "mächtigen und reichen Juden", der sein Vermögen mit List und zum Schaden des deutschen Volkes erworben habe.
 
Ausstellungstafel zur 11. Verordnung nach dem Reichsbürgergesetz (Bild: hr)
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Ausstellungstafel zur 11. Verordnung nach dem Reichsbürgergesetz
Weitere Ausstellungstafeln zeichnen den Prozess der Ausplünderung in den Jahren ab 1933 nach – die Enteignung der jüdischen Bevölkerung durch Sondersteuern, Zwangsabgaben, Vermögenseinzug und schließlich die vollständige "Verwertung" des "verfallenen" Vermögens der Deportierten und Geflüchteten.
 

Der "deutsche Volksgenosse" als Profiteur

Um kooperierende Interessengruppen in Politik und Wirtschaft, aber auch um den "deutschen Volksgenossen" als Profiteur geht es in weiteren Abschnitten der Ausstellung. Schließlich wird nach der sogenannten Wiedergutmachung gefragt: Wie ging die Rückerstattung vor sich, wie erfolgreich konnte sie angesichts der gesetzlichen Ausgangslage und der weitgehend ablehnenden Haltung der Bevölkerungsmehrheit sein?
 

Klavierauszug und andere liebgewonnene Dinge

Stuhl aus dem Besitz von Artur Lauinger (Bild: hr)
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Stuhl aus dem Besitz von Artur Lauinger
In Vitrinen werden Objekte präsentiert, die wie durch ein Wunder erhalten geblieben sind und die Geschichten der Opfer erzählen: von Erich Ochs aus Hanau, von Frieda, Julius, Leopold und Johanna Kahn aus Groß-Gerau, von Familie Popper aus Kassel, von Familie Grünebaum aus Espa und vielen anderen.

So erzählt beispielsweise ein Stuhl die Geschichte seines Besitzers Artur Lauinger. Der Frankfurter Journalist wollte ihn im Sommer 1939 mit in die Emigration nach England nehmen, doch blieb er wegen des Kriegsausbruchs zusammen mit weiteren Möbeln im Lager einer Spedition stehen.
 
Gertrud Landsberg, ca. 1950 (Bild: hr / Peter Cahn)
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Gertrud Landsberg, ca. 1950
Ein Klavierauszug etwa erzählt von den Freundinnen Tilly Cahn und Gertrud Landsberg: Nach Gertruds Emigration sollte ihr Umzugsgut – darunter auch ihre Noten - in Hamburg versteigert werden. Als Tilly Cahn davon erfuhr, erwarb sie den Klavierauszug unter falschem Namen bei einem Hamburger Auktionator, weil sie wusste, dass das Herz ihrer Freundin besonders an den Noten hing.
 
Tilly Cahn, 1937 (Bild: hr / Peter Cahn)
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Tilly Cahn, 1937
Tilly Cahns Sohn, Peter Cahn, der den Klavierauszug heute aufbewahrt, erzählt in einem Filminterview von seinen Erinnerungen an den legalisierten Raub. Es ist – wie auch die Interviews mit den Zeitzeugen Robert Goldmann, Zoya Fiedler, Wolfgang Lauinger und Charlotte Opfermann – an einer der Medienstationen der Ausstellung abrufbar.

"Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945" ist eine Wanderausstellung des Fritz Bauer Instituts und des Hessischen Rundfunks mit Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.

Ausstellungsteam:

Ausstellungskonzept: Dr. Bettina Leder-Hindemith (Hessischer Rundfunk), Dr. Susanne Meinl, Katharina Stengel und Stephan Wirtz (Fritz Bauer Institut).

Grafische Gestaltung:
Waldemar Bertsch und Bernd Claas (Hessischer Rundfunk)

Pädagogische Begleitung: Gottfried Kößler, Pädagogisches Zentrum Frankfurt
 
Redaktion: nrc
Letzte Aktualisierung: 25.04.2012, 14:15 Uhr
 
 

Vorschau

Die nächsten Ausstellungstationen

Rüsselheim/Flörsheim:
1. Halbjahr 2015

Michelstadt:
2. Halbjahr 2015
 

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