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Gedenken an Deportierte

Fahrt in den Tod

Das Vernichtungslager Auschwitz. Millionen wurden in Zügen der Reichsbahn in den Tod transportiert. (Archivbild)
Das Vernichtungslager Auschwitz. Millionen wurden in Zügen der Reichsbahn in den Tod transportiert. (Archivbild)
Mehr als drei Millionen Juden transportierte die Reichsbahn in die Vernichtungslager. Daran will eine Initiative mit einer Fotoausstellung in deutschen Bahnhöfen erinnern – doch die Bahn weigert sich. In Frankfurt haben am Freitag Überlebende für das Gedenken demonstriert.
 

Reisende erhielten im Hauptbahnhof Flugblätter mit Bildern von Kindern, die in den Vernichtungslagern der Nazis umgebracht wurden. Außerdem wurden die Namen der Kinder, die über Frankfurt nach Auschwitz deportiert wurden, verlesen.
 

„Die Reichsbahn war Mittel zum Zweck“

Im Viehwaggon

Die heute 67-jährige Edith Erbrich hat überlebt. Sie wurde im Alter von fünf Jahren nach Theresienstadt deportiert. Mit 30 bis 40 weiteren Menschen verbrachte sie drei Tage in einem Viehwaggon. Sie kauerten auf dem blankem Holzboden, ihre Notdurft mussten sie im Waggon verrichten.

Am 14. Februar 1945 war Edith Erbrich mit Schwester und Vater von der Frankfurter Großmarkthalle in den Zug gebracht worden. An diesem Tag wurde sie ebenso wie etwa tausend weitere Menschen aus Frankfurt, Wiesbaden, Mainz und den umliegenden Landkreisen deportiert.
In den Jahren 1942 bis 1944 waren mehr als drei Millionen Juden in Zügen der Reichsbahn in die Vernichtungslager transportiert worden. Ein ehemaliger Reichbahn-Beamter rechtfertigte diese Mitwirkung 1976 mit den Worten: „Die Reichsbahn war nur Mittel zum Zweck.“

Die in der ganz Deutschland tätige Initiative „11.000 Kinder“ will besonders an die Kinder erinnern, die zur Zeit der deutschen Besatzung aus Frankreich in die Lager gebracht wurden. An sie sollen nach dem Wunsch der Initiative Fotos erinnern, die in deutschen Großbahnhöfen entlang der historischen Deportationsstrecke ausgestellt werden.

Die Ausstellung, die vor drei Jahren in französichen Bahnhöfen gezeigt wurde, geht auf die Initiative „Fils et Filles des Juifs Déportés de France“ und ihrer Repräsentantin in Deutschland, Beate Klarsfeld, zurück. Bislang hat die Deutsche Bahn es abgelehnt, diese Ausstellung in ihren Bahnhöfen zuzulassen.
 

"Bahnhöfe in erster Linie Verkehrsstationen"

Doch in deutschen Bahnhöfen gibt es bis heute keine Gedenktafeln. Bahnhöfe seien in erster Linie Verkehrsstationen und keine Ausstellungsorte, erklärte Bahnsprecher Werner Klingberg. Zusätzlicher Publikumsverkehr auf den Bahnhöfen im Zusammenhang mit der Ausstellung sei weder kundenfreundlich noch könne die Sicherheit der Fahrgäste gewährleistet werden. Zu dieser Einschätzung sei die Bahn gemeinsam mit dem Bundesgrenzschutz gekommen.
 

Als Alternative schlug die Bahn vor, die Ausstellung im Firmenmuseum in Nürnberg zu zeigen. Auf diesen Vorschlag habe die Initiative aber mit medienwirksamen Protestaktionen reagiert, kritisierte der Bahnsprecher. Dies habe von einer Zusammenarbeit abgeschreckt.

Brumlik: Bahn steht in der Verantwortung

Der Direktor des Frankfurter Fritz-Bauer-Instituts, Professor Micha Brumlik, erklärte, es gehe um das staatsbürgerliche Bewusstsein, die Hypothek der Geschichte mitzutragen. Die Deutsche Bahn stehe dabei ebenso in der Verantwortung wie jeder einzelne Bundesbürger. Er bedauerte, dass die Bahn sich dieser Verantwortung entziehen wolle.

Wichtige Rolle der Reichsbahn

Die Rolle der Deutschen Reichsbahn im Vernichtungsprozess werde oft unteschätzt, so Brumlik. Sie habe ein unerlässliches Element der Vernichtungsmaschinerie gebildet, in der auch politisch völlig unbeteiligte Reichsbahnbeamte eine wichtige Funktion gehabt hätten.
 
Redaktion: roro / woje
Stand: 10.06.2005
 
 

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