Gegen Studiengebühren und für freien Zugang zum Studium - die Protestwelle reißt nicht ab
Hessens Studenten lassen nicht locker: Aus Protest gegen die Gebührenpläne des Landes wurden erneut Straßen blockiert. In Marburg kam kurzfristig auch der Bahnverkehr zum Erliegen. Proteste gab es auch beim Hessentag.
An einer spontanen Demonstration in Marburg nahmen am späten Dienstagabend rund 800 Studenten teil. Nach einer Vollversammlung in der Stadthalle blockierten sie zahlreiche Straßen in der Innenstadt und zeitweise die Stadtautobahn. Auch der Bahnverkehr musste für 15 Minuten unterbrochen werden, da einige Studenten die Gleise betreten hatten. Abgesehen von kleineren Rangeleien blieben die Aktionen friedlich.
An der Frankfurter Universität waren am Dienstag Studenten mit Trillerpfeifen und Megaphonen in den Vortragssaal am Campus Westend gestürmt. Die Demonstranten zerstörten die Dekoration, bauten Stühle ab und trugen sie nach draußen, wie ein Hochschulsprecher berichtete. Der stattfindende Wissenschaftstag im Rahmen der Fußball-WM wurde daraufhin abgebrochen.
"Studienplätzchen" verteilt
Auf dem Hessentag gab's "Studienplätzchen für 500 Euro"
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In Gießen zelten seit Montag Studenten auf dem Gelände der Universität. Mit einer landesweiten Demonstration sollen am Mittwoch die Proteste in Gießen weiter gehen.
Anschließend wurden die Proteste in der Innenstadt fortgesetzt. Während die Polizei von 800 bis 1.300 Teilnehmern sprach, die mit Trillerpfeifen und Plakaten Richtung City zogen, zählte der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) rund 2.000 Demonstranten. An der Auffahrt von und zur Autobahn nach Wiesbaden staute sich der Verkehr. "Die Ansprachen sind schärfer geworden", berichtete der Asta-Vorsitzende Amin Benaissa.
"Studienplätzchen für 500 Euro"
Auf dem Hessentag in Hessisch Lichtenau nutzten die Studenten die traditionellen öffentlichen Sitzungen der Landtagsfraktionen, um ihrem Ärger Luft zu machen. Zwölf angehende Akademiker wurden in das von der Polizei abgeriegelte Bürgerhaus eingelassen, um mit den Unions-Mitgliedern über die geplanten Gebühren zu diskutieren. Die übrigen Studenten zogen in einem Demonstrationszug durch die Hessentagsstraße und verteilten unter anderem "Studienplätzchen für 500 Euro" an die Besucher.
Verabschiedung schon im Juli
Allen Protesten zum Trotz lässt sich die Landesregierung von ihren Plänen, ab dem Wintersemester 2007 mindestens 500 Euro pro Student und Halbjahr zu kassieren, nicht abbringen. So soll das Gesetz nun sogar im Eiltempo beraten und nach Willen der CDU bereits im Juli verabschiedet werden. Man wolle zeitnah Rechtssicherheit und Klarheit für die Studenten schaffen, hieß es aus Unionsreihen. Koch wolle das Verfahren beschleunigen, um die Proteste Einzudämmen, vermutete die Opposition.