Die hessische Polizei beklagt, dass neben den Belastungen rund um die Fußball-WM nun auch noch von den studentischen Protesten unerwartet Kräfte gebunden werden. Die Überstunden erreichen gigantische Dimensionen.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat der hessischen Landesregierung vorgeworfen, die Studenten-Proteste gegen die geplanten Studiengebühren zur Unzeit vom Zaun gebrochen zu haben. Zu den Belastungen wegen der Fußball-WM kämen jetzt noch nahezu täglich Großeinsätze bei Demonstrationen und Straßenblockaden der aufgebrachten Studierenden, sagte der GdP-Landesvorsitzende Jörg Bruchmüller in Wiesbaden.
Am Donnerstag gingen in Kassel hunderte Schüler und Studenten auf die Straße, tags zuvor gab es vehemente Proteste in Gießen. Die Landesregierung habe sich bei ihrem Vorstoß zu den Studiengebühren offenbar mit der Annahme verrechnet, dass die Proteste in den Semesterferien abebben würden, erklärte der GdP-Chef. Die Studenten haben das erkannt und nutzen jetzt bei der WM ihre Chance.
"Unglaubliche Arbeitsverdichtung"
Die von allen erhoffte Atempause nach der WM werde es für die hessische Polizei nicht geben, meinte der Gewerkschafter. Bereits jetzt sei klar, dass die Besuche des US-Präsidenten George W. Bush in Mecklenburg-Vorpommern und des Papstes in Bayern erneut als bundesweite Polizeilagen gesehen werden. Zusätzlich seien bereits neue Castor-Transporte angekündigt, die ebenfalls mit einem großen Aufgebot geschützt werden müssten.
Es ist eine unglaubliche Arbeitsverdichtung vor dem Hintergrund eines weiteren Personalabbaus", sagte Bruchmüller. Die von ihm früher angenommenen 500.000 zusätzlichen Überstunden während der WM-Zeit würden aller Voraussicht nach für die rund 15.000 Polizeibeamten nicht ausreichen.